Proteste gehen weiter

07. Dezember 2012 11:52; Akt: 07.12.2012 11:52 Print

Ägyptens Opposition lehnt Mursis Angebot ab

Ägyptens Präsident Mohammed Mursi ist nicht bereit, Kompromisse einzugehen und Änderungen am Verfassungsentwurf vorzunehmen. Die Opposition verzichtet auf einen Dialog und rüstet sich für weitere Proteste auf dem Tahir-Platz.

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Der Tahrir-Platz ist am 28. November wieder Zentrum der Demonstrationen in Ägypten. Diesmal gegen Mohammed Mursi. Am 27. November findet erneut eine Grossdemonstration gegen Mohammed Mursi statt. Tausende Oppositionelle versammeln sich dafür auf dem Tahrir-Platz in Kairo. Ihr Protest gilt der Verfassungsänderung Mursis, die ihn über die Justiz stellt. Vor der Demonstration ist es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Demonstranten gekommen. Bereits am Sonntag, 25.11., kam es zu Protesten: Hunderte Oppositionelle haben die Nacht auf dem Tahrir-Platz in der ägyptischen Hauptstadt Kairo verbracht. Am Morgen versammelten sie sich wieder zu einer Demonstration und sangen sie Anti-Mursi-Lieder. Allein in Kairo demonstrierten über 5000 Menschen. Dabei trafen sie auf die Polizei (Bild) und auf Mursi-Anhänger. Es kam erneut zu Auseinandersetzungen. Auch am Sonntag setzte die Polizei wieder Tränengas gegen die Regierungsgegner ein. Bei den Protesten gegen Mursis Machtausbau wurden zwischen Freitag und Sonntag über 300 Menschen verletzt. Die ägyptischen Aktienkurse sackten wegen der Turbulenzen dramatisch ab. Nach dem Freitagsgebet lieferten sich Anhänger und Gegner des ägyptischen Präsidenten in drei Städten heftige Strassenschlachten - wie etwa in Alexandria. Unter anderem wurden Büros der Muslimbrüder angezündet - wie hier in Alexandria. Tahir-Platz in Kairo steht wieder im Zentrum der Aufmerksamkeit: Auch hier prallten Mursi-Gegner und Anhänger zusammen. Mindestens 15 Menschen wurden nach ersten Angaben verletzt - wie dieser Demonstrant in Kairo. Es begann damit, dass die Opposition zu Demonstrationen gegen Mursis eigenhändigen Macht-Ausbau aufriefen. Die Regierungsgegner warfen Mursi die «Hinrichtung der Unabhängigkeit der Justiz» vor. (Bild aus Alexandria) Mursi hatte in einem Verfassungszusatz verfügt, dass von ihm «zum Schutz der Revolution getroffene Entscheidungen» rechtlich nicht mehr angefochten werden können. (Bild aus Alexandria)

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Die ägyptische Opposition hat das Gesprächsangebot von Präsident Mohammed Mursi abgelehnt. Stattdessen will sie mit Protestaktionen so viel Druck erzeugen, dass der islamistische Staatschef das für den 15. Dezember geplante Verfassungsreferendum absagt.

Auf dem Tahrir-Platz in Kairo liefen am Freitag Vorbereitungen für eine Kundgebung, die unter dem Motto «Rote Karte» stehen soll. Präsident Mursi hatte in einer Fernsehansprache am Donnerstagabend erklärt, es werde keine Änderung an dem Verfassungsentwurf geben, der von den Islamisten formuliert worden war. Auch der Termin für das Referendum werde nicht verschoben.

Er lud die Oppositionellen jedoch zu einem Dialog an diesem Samstag ein. Die Jugend-Revolutionsbewegung 6. April und alle massgeblichen Oppositionsparteien erklärten, sie wollten auf diesen Dialog verzichten. Er sei nur ein PR-Gag.

Kein Dialog mehr möglich

Der Koordinator der Nationalen Rettungsfront, Mohammed El-Baradei, erklärte: «Mursi hat die Tür zugeschlagen.» Ein Dialog mit dem Präsidenten sei nicht mehr möglich, da er nicht bereit sei, Kompromisse zu schliessen.

Im Namen des links-liberalen Oppositionsbündnisses rief El-Baradei die Ägypter auf, sich an den Protestkundgebungen am Nachmittag zu beteiligen.

Einzig Amr Mussa - früherer Aussenminister, Präsidentschaftskandidat und Chef der Arabischen Liga - wollte über Mursis Gesprächsangebot beraten. Es müsse eine gemeinsame Haltung der Opposition gefunden werden, sagte Mussa gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

(sda)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • tip top am 07.12.2012 14:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    weiter so

    mursi ist gut und gerecht. nur wollen die medien hier ohne ende hetzen... ich hoffe egypten wird so radikal wie die schweiz ist und kirchenglockenlaeuterei ein ende bereiten...

    • Karin Mikhail am 07.12.2012 15:11 Report Diesen Beitrag melden

      aber hallo .....

      von welcher welt kommst Du ?

    • Skeptiker am 07.12.2012 15:46 Report Diesen Beitrag melden

      Wie meinst du das?

      Glaubst du wirklich er macht Schluss mit den (blechernen) Rufen des (Lautsprecher) Muhezin? Ich weiss nicht. Ich glaube die Muslimbrueder haben da eine andere Vorstellung von Demokratie.

    • Kurt am 07.12.2012 15:51 Report Diesen Beitrag melden

      Hat da einer etwas falsch verstanden?

      Ich weiss die vielen bunten Bilder am Fernsehen und die vielen langen Worte in den Zeitungen sind nicht immer einfach zu verstehen. Aber was da im Moment in Ägypten passiert geht nicht ganz in die selbe Richtung wie in der Schweiz. In Ägypten hat eine Gruppe religiöser Extremisten die Kontrolle über das Land erlangt. In der Schweiz versuchen wir solche Extremisten in der Politik möglichst nicht mitspielen zu lassen - das ist nämlich gegen unsere Spielregeln.

    • Anthony am 07.12.2012 17:16 Report Diesen Beitrag melden

      Wow...

      Hier scheint einer nichts verstanden zu haben, oder irgendwie ein bisschen verwirrt zu sein.

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  • Beobachter am 07.12.2012 13:59 Report Diesen Beitrag melden

    Wehret den Anfängen

    In Ägypten kann man nur hoffen, das die Opposition es noch einmal schafft den extremen Islamismus mit Mursi zurückzudrängen, sonst werden sie sich demnächst in Verhältnissen wiederfinden, wie in Deutschland der 30'er Jahre. Wir können nicht viel dazu beitragen. Bei uns hingegen müssen wir diese menschenverachtende sektiererische Strömung mit allen Mitteln bekämpfen. Frau Mesali Keller bringt es auf den Punkt. Es ist wichtig das die Presse und die Öffentlichkeit Figuren wie Blanco und Illi keine Plattform bieten. Kundgebungen dieser Sekte vor dem Bundeshaus müssten verboten werden.

  • Heinz Meier am 07.12.2012 13:20 Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Traurig für jene die sich für ein offenes und demokratische Ägypten eingesetzt und ihr Leben verloren haben.

    • Harry am 07.12.2012 13:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Betrogen

      Tja, so betrügen die Islamisten die Leute. Erst lassen sich die Feiglinge nicht bei den Demos blicken, da sie von den anderen Demonstranten zum Teufel gejagt worden wären. Dann manipulieren sie die Wahlen und stehlen den Unabhängigen die Parlamentssitze, so dass das Parlament aufgelöst werden muss. Anschließend präsentiert man zur Präsidentenwahl zwei Kandidaten, Mursi und Schafik, bei denen man zwischen Pest und Cholera wählen kann. Und dann lässt man die Maske fallen und zeigt sein wahres Gesicht. Ich hoffe nur dass das Militär nicht mehr lange zuschaut und endlich eingreift.

    • Karin Mikhail am 07.12.2012 15:16 Report Diesen Beitrag melden

      @Harry

      Genauso läuft es mit den Extremisten. Afganistan und Iran lassen grüssen. Wieso unternimmt Amerika nichts ausser dem üblichen bla, bla, bla ? Ich hoffe nur, dass das Militär schneller eingreift als das letzte Mal.

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