Islamisten einkesseln

11. August 2013 21:56; Akt: 12.08.2013 09:17 Print

Ägyptens Polizei will Protestlager räumen

Die Sicherheitskräfte in Kairo bereiten sich auf eine Operation vor. In den nächsten Stunden wollen sie das Lager der Mursi-Anhänger auflösen. Kairo könnten blutige Strassenschlachten drohen.

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Anhänger des gestürzten ägyptischen Präsidenten Mursi stehen in Kairo neben symbolischen Gräbern getöter Muslimbrüder. (Bild: Reuters)

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Die ägyptische Regierung will im Nervenkrieg um die Räumung der Protestlager von Anhängern des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi nicht länger warten.

Die Polizei in Kairo bereitet die Räumung der zwei Protestlager der Anhänger des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi vor. Möglicherweise bereits am (morgigen) Montag im Morgengrauen sollten die Islamisten eingekesselt werden, verlautete am Sonntagabend aus ägyptischen Sicherheitskreisen.

Die Sicherheitskräfte bereiteten sich auf Zusammenstösse mit den Islamisten vor, die bereits angekündigt hatten, sich einer gewaltsamen Räumung zu widersetzen und so lange in ihren Lagern zu bleiben, bis der am 3. Juli gestürzte Mursi wieder als Präsident des Landes eingesetzt ist.

Zement- und Holzbarrieren errichtet

Die Islamisten setzten am Sonntag die Befestigungen ihrer Lager fort. Im grössten der beiden Camps wurden bereits hüfthohe Zement- und Holzbarrieren errichtet, damit Panzerfahrzeuge die Camps nicht niederwalzen können. Strassenhändler berichteten, sie hätten Hunderte Gasmasken, Schwimmbrillen und Handschuhe an die Demonstranten verkauft, die sich für den Einsatz von Tränengas durch die Polizei rüsten wollten.

Das Innenministerium hatte bereits vor der Bekanntgabe vom Sonntag erklärt, dass die Polizei die Lager nicht sofort gewaltsam räumen, sondern schrittweise gegen die Demonstranten vorgehen will, unter anderem mit Absperrungen, Tränengas und Wasserwerfern.

Unter den Demonstranten sind auch viele Frauen und Kinder. Die Unicef hat angeprangert, dass Kinder dort als «potenzielle Zeugen oder Opfer von Gewalt einem Risiko ausgesetzt werden». Die Muslimbruderschaft wiederum argumentiert, dass sie nicht kontrollieren könne, ob Familien sich den Protesten anschliessen oder nicht.

Verhaftung entgehen

Einige der Führer der Bruderschaft von Mursi haben die Protestlager auch als Zufluchtsort genutzt, um ihrer Festnahme zu entgehen, andere sind bereits in Haft und sollen trotz westlicher Aufforderungen zu ihrer Freilassung vor Gericht gestellt werden. Mursi selbst wird seit seinem Sturz an einem unbekannten Ort festgehalten.

Die ägyptische Übergangsregierung hatte am vergangenen Mittwoch gewarnt, dass die Entscheidung die Protestlager zu räumen, unumkehrbar sei. Die Aussagen von Übergangsministerpräsident Hasem al-Beblawi hatten Vermutungen genährt, dass mit der Räumung nach Abschluss der dreitägigen Feiern zum Ende des Fastenmonat Ramadan begonnen werden könnte. Das Fest endete am Sonntag.

Diplomatische Bemühungen gescheitert

Über das Wochenende starte auch die wichtigste sunnitische Einrichtung, die Al-Azhar-Universität, einen Versuch, zwischen den beiden Seiten zu vermitteln, um ein Blutbad bei der Räumung der Protestlager zu verhindern. Westliche Diplomaten waren damit bereits gescheitert. In den beiden Lagern vor einer Moschee im Osten Kairos und vor der Universität in Giseh leben seit mehr als einem Monat Zehntausende Mursi-Anhänger.

Am Sonntag kam es im Süden von Kairo bereits zu Ausschreitungen zwischen Muslimen und Christen. 15 Personen wurden verletzt, nachdem die beiden Gruppen aneinandergeraten waren, weil eine Muslimin einen christlichen Nachbarn daran hindern wollte, eine Temposchwelle vor ihrem Haus zu errichten.
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(Video: Reuters)

(sda)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bürger des 21. Jahrhunderts am 11.08.2013 22:59 Report Diesen Beitrag melden

    Gut so!

    Wenn man sieht was die islamischen Fundamentalisten von Demokratie, Religionsfreiheit, Gleichberechtigung usw. halten, kann ich nur sagen: gut so!

    • Marco Meyers am 12.08.2013 01:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      ...

      weil das eine schlecht ist, ist das andere nicht besser!

    • ueli am 12.08.2013 01:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      ach ja

      weist du überhaupt was demokratie ist? erklär doch mal... keiner weis es so genau ausser die Politiker :-)

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  • Mario am 11.08.2013 22:57 Report Diesen Beitrag melden

    Gut so!

    In jeder echten Demokratie wäre eine radikale Organisation wie die Muslimbrüder ohnehin als verfassungsfeindlich eingestuft und verboten. Wann verstehen die endlich dass religiöse Fanatiker in der Politik nichts zu suchen haben?

    • dani gutmann am 12.08.2013 00:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      mursi wurde demokratisch gewählt!! das Volk hat ge

      falls das hier vergessen wurde: mursi wurde ganz demokratisch vom volk gewählt. ob dies nun dem militär und den verbündeten USA passte oder nicht. aber da kann ja das militär mit der zustimmung von den USA einrn puzsch macjen, welcher dann nicht als putsch angesehen wird...

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  • stella am 11.08.2013 21:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gut so

    ich denke es ist endlich genug.sie wurden oft gewarnt,mursi kommt eh nicht mehr zurück.Die Muslimbrüder haben Leute Geld gegeben,damit sie dort im Sitzstreik bleiben.und wenn man noch Frau und Kinder mitnahm,wurde noch mehr bezahlt.Schade dass nicht alle Ägypter zusammenhalten,und das schöne Land wieder aufbauen.Nein,sie müssen sich gegenseitig umbringen.und warum die USA zu den Muslimbrüder halten,ist mir ein Rätsel.sie waren früher schon Kriminell,und wie man sieht immer noch.

    • NWO2 am 11.08.2013 23:14 Report Diesen Beitrag melden

      Propaganda

      Ihr Beitrag klingt zu sehr nach Pseudo-Diktatur. Das Volk hat gewählt, Mandat 4-5 Jahre aushalten und Schluss. Da ist kein platz für einen antidemokratischen Putsch. Bitte keine Propaganda machen und schon gar nicht basierend auf gerüchten die Sie hier verbreiten. (PS. wo haben Sie den diese Fakten her?)

    • olimimus am 11.08.2013 23:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @nwo2

      in jeder richtihen demokratie wäre eine wahl mit einer so geringen beteiligung für ungültig erklärt worden. mursi wurde nicht demokratisch gewählt, punkt. ich mag das land, bin schon oft dort in den ferien gewesen, nicht nur in den üblichen touristem hochburgen. ich hoffe dass es bei der nächsten wahl klappt. aber es kann gut sein dass ägypten noch eine menge regierungen verschleisst bis das land funktionierrnd regiert werden kann

    • stella am 11.08.2013 23:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Nwo2

      das ist keine Propaganda das sind Fakten.und die habe ich vor Ort.Ja er ist "Demokratisch" gewählt worden,aber erstens hatten die Menschen eine Wahl zwischen Pest und Cholera.und Zweitens,was hat er in einem jahr gemacht?Man hätte vielleicht besser nicht die ganze Macht an sich gerissen,und die Probleme im Land angeschaut (z.b Bildung etc) Volksnähe ,vertrauen das wäre was gewesen..komisch nachdem er weg war,gabs wieder Strom,Wasser und Benzin ohne Probleme.und hört auf von putsch zu reden.das Militär ist nicht an der Macht und sie haben nur aufs Volk gehört.die haben ihn nämlich demokratisch abgewählt.und jemand der aus einem Gefängnis ausgebrochen ist,gehört auch nicht auf eine Kandidaturliste..

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  • remo g. am 11.08.2013 20:26 Report Diesen Beitrag melden

    Gut so

    Man hat ja vor rund 80 Jahren was antidemokratische Elemente mit einem Staat so anstellen können. Ägypten hat das Glück eine kompetente Armee zu haben. Die Muslimbrüder können nicht in die Gesellschaft integriert werden da ihr Ziel der Umsturz der jetzigen liberaleren Ordnung ist.