Saudiarabien

05. November 2017 04:16; Akt: 05.11.2017 07:48 Print

König entlässt «einige schwache Seelen»

Im Kampf gegen Korruption greift der saudische Monarch Salman hart durch.

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In Saudiarabien haben in der Nacht zum Sonntag zahlreiche Prinzen, Minister und ranghohe Militärs ihre Posten verloren. Der überwiegende Teil der Würdenträger wurde auf Anordnung von König Salman entlassen.

Unter anderem wurden der Minister für die Nationalgarde, Prinz Moteib bin Abdullah, Wirtschaftsminister Adel al-Fakieh und der Kommandeur der Marine, Abdullah al-Sultan, von ihren Aufgaben entbunden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur SPA am Samstagabend.

Kronprinz als treibende Kraft

In einer offiziellen Erklärung hiess es, «einige schwache Seelen» hätten ihre Interessen über die Interessen der Öffentlichkeit gestellt, «um illegal Gelder anzuhäufen». Zugleich wurde offiziell ein Anti-Korruptions-Komitee unter der Führung von Kronprinz Mohammed bin Salman ins Leben gerufen.

Der Kronprinz, der erst vor wenigen Monaten von seinem Vater Salman zum Thronfolger ernannt wurde, gilt als treibende Kraft hinter den Personalentscheidungen in der Monarchie.

Neue Gangart

Der arabische Nachrichtenkanal al-Arabiya berichtete derweil, dass elf Prinzen, vier amtierende Minister sowie mehrere Dutzend ehemalige Minister festgenommen worden seien. Dies sei auf Anordnung des Anti-Korruptions-Komitees geschehen.

Unter den Festgenommenen soll auch der Milliardär Prinz Al-Walid bin Talal sein, der ein weltweites Geschäftsimperium führt. Bereits im September hatten die Behörden des Königreichs rund zwei dutzend Personen festgenommen – darunter einflussreiche Geistliche.

Der neue Kronprinz hatte Ende Oktober bei einem Wirtschaftsforum eine Abkehr seines Landes von ultrakonservativen Religionsprinzipien in Aussicht gestellt und eine Modernisierung des Staatsapparats propagiert.

Verschmähter Lieblingssohn

Neuer Minister der Nationalgarde wurde Chaled bin Ajjaf, der Prinz Moteib ersetzte. Dieser war der Lieblingssohn des verstorbenen Königs Abdullah. Lange galt er als führender Anwärter auf den Thron. Prinz Moteib war der letzte Vertreter des Abdullah-Zweigs der königlichen Familie, der noch einen höheren Posten in Saudi-Arabiens Machtgefüge innehatte. Wirtschaftsminister Fakieh wurde durch seinen Stellvertreter Mohammed al-Tuwaidschri ersetzt.

(roy/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Maler50 am 05.11.2017 05:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kleine Schritte aber immerhin

    Es macht den Anschein dass der König doch ernsthaft seine Reformen durchziehen gedenkt. Kleine Schritte aber immerhin Schritte vorwärts!! Es bleibt abzuwarten ob seine Maßnahmen von Dauer sind oder nur Augenwischerei.

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  • Andi Bühler am 05.11.2017 05:47 Report Diesen Beitrag melden

    Game of Thrones

    Das geht nicht um Korruption sondern um Machterhalt von König und Kronprinz

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  • woody am 05.11.2017 06:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht schlecht

    Dann währe Saudiarabien uns wenigstens in einer Sache ein Schritt voraus!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Insider am 05.11.2017 14:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aha!

    Und wann wird der radikalste von denen beseitigt, nämlich der König selbst?

  • F.Müller am 05.11.2017 14:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Salman macht das richtig

    König Salman von Saudiarabien muss nachhaltig aufräumen in seinem Land. Zuviele Kleriker im Land verbreiten falsch ausgelegte Ansichten des Koran in den Moscheen.Nicht vergessen: viele Attentäter von 9/11 stammten aus Saudiarabien!Die Erzkonservativen im grossen Wüstenland bestimmten die Musik gegen innen und aussen.Zeit hat Salman genug, um den hinterhältigen Burschen in seinem Land das Wasser endgültig abzugraben.

  • Samuel K. am 05.11.2017 14:00 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Nachricht aus Riad!

    Besonders gefreut hat mich die mitgeteilte Verhaftung von Prinz Alwalid bin Talal, einer der übelsten Profiteure und wohl reichster Multimilliardär Saudi Arabiens. Pikantes Details: Alwalid figuriert als "Botschaftsrat" auf der offiziellen Diplomatenliste der saudischen UNO-Mission in Genf, obwohl er diese Funktion gar nicht ausübt. Aber dies erlaubt ihm im Prinzip, steuerfrei in Genf zu wohnen und seinen Geschäften nachzugehen ohne einen Rappen zu bezahlen. Bis vor ein paar Jahren war er unter anderem Eigentümer des Luxushotels "Four Seasons" in Genf. Und das EDA drückt beide Augen zu...

  • Robert am 05.11.2017 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    Durchsichtig

    Aber gegen sich selber kann selbstverständlich nicht aufgeklärt werden. Ziemlich durchsichtig, dass gerade seine Widersacher arme Seelen sind.

  • tolle welt am 05.11.2017 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    Zum Glück

    sind die anderen alle viel netter als weisse!