Nordkoreanischer Überläufer

14. Juli 2017 08:31; Akt: 14.07.2017 08:31 Print

Dieser Mann schmuggelte kofferweise Geld für Kim

Jahrzehntelang besorgte Ri Jong-ho Devisen für Pyongyang. Der Exil-Nordkoreaner berichtet, warum Sanktionen gegen Nordkorea nutzlos sind.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die strenge Sanktionspolitik gegen Nordkorea ist völlig nutzlos. Das sagt ein Mann, der es wissen muss: Ri Jong-ho arbeitete drei Jahrzehnte lang für das berüchtigte Büro 39 in Pyongyang, das mit dubiosen Geschäftspraktiken Devisen für Diktator Kim Jong-un beschafft.

2014 flüchtete Jong-ho mit seiner Familie aus seiner Heimat und liess sich in den USA nieder. Jetzt verrät der 59-Jährige erstmals im Interview mit der «Washington Post» Einzelheiten zu den Operationen, durch die er Geld in sein Land schmuggelte.

Wie gelangen ausländische Devisen nach Pyongyang?

Die Devisen stammen in erster Linie von Erträgen aus Rohstofflieferungen an China. 90 Prozent des nordkoreanischen Handels werden mittlerweile mit dem Reich der Mitte abgewickelt. Die Geldtransaktionen werden dabei auf ganz schlichte Weise durchgeführt, berichtet Jong-ho. Einmal habe er selber dem Kapitän eines Schiffes eine Tasche voller Dollarnoten gegeben, damit er sie vom chinesischen Hafen Dalian zum nordkoreanischen Hafen Nampo transportierte.

Manchmal wurden die Geldtaschen auch mit dem Zug über die Grenze gebracht. Allein in den ersten neun Monaten des Jahres 2014 will Jong-ho auf diese Weise zehn Millionen Dollar für das Regime gescheffelt haben.

Warum die Sanktionen nichts bringen

Weiter berichtet der Exil-Nordkoreaner, warum die internationalen Sanktionen bedeutungslos sind: «Nordkorea hat zu 100 Prozent staatliche Unternehmen. Kommt eine Firma auf die Sanktionsliste, dann wird der Name des Unternehmens schon am nächsten Tag geändert. Die Firma funktioniert normal weiter, einfach unter neuem Namen», erklärt Jong-ho. Das Regime könne sogar die Namen von Privatpersonen ändern, falls sie sich auf der Liste befänden.

«China profitiert ebenfalls von den Geschäften mit Nordkorea. Deshalb kümmert es sich nicht um die Sanktionen», so der Überläufer. «Wenn die chinesische Regierung Pyongyang eine Warnung schickt, hören die Geschäftsaktivitäten für ein paar Tage auf. Dann machen sie wieder weiter. Wir haben unter den internationalen Sanktionen nie gelitten», gibt Jong-ho zu. Im Gegenteil: 2006 konnte Nordkorea seinen ersten Nukleartest durchführen.

In Nordkorea blühen illegale Geschäfte

Ähnliches berichtete ein weiterer Überläufer: Kim Kwang-jin flüchtete vor 15 Jahren mit seiner Familie nach Südkorea. Zuvor war er Manager der North East Asia Bank in Pyongyang gewesen. «Unsere Hauptaufgabe war, Geld für die Führung einzutreiben», erklärt der Mann der «Deutschen Welle». «Die Bank war an eine Versicherungsgesellschaft angeschlossen und verdiente ihr Geld durch Versicherungsgeschäfte.»

Die fragwürdigen Methoden der Kapitalbeschaffung in Nordkorea wurden auch kürzlich in einem CNN-Bericht (20 Minuten berichtete) beleuchtet. Pyongyang führe illegale Geschäfte auf der ganzen Welt, hiess es darin. Dabei gehe es um das Hacken von Banken, Waffenhandel, Drogengeschäfte, Geldfälschung und Handel mit gefährdeten Tierarten.

Eine weitere Geldquelle ist ein Hostel auf dem Gelände der nordkoreanischen Botschaft in Berlin. Das City Hostel sowie das Kongresszentrum For-X werden seit 2004 an zwei Betreiber vermietet. Damit erzielt die Botschaft jeden Monat hohe fünfstellige Beträge. Das Geld fliesst nicht nur in die Taschen Kim Jong-uns, sondern dient auch dazu, das nordkoreanische Atomprogramm zu finanzieren.

(kle)