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Stabübergabe in Peking
15. Februar 2012 11:26; Akt: 15.02.2012 12:26 Print
Wie der Vater, so der Sohn?
Ab 2013 dürfte Xi Jinpin in China das Sagen haben. Bei der Frage, wie der neue Staatspräsident tickt, fällt immer wieder der Name seines Vater, den jeder Chinese kennt – und der trotzdem tabu ist.
Der chinesische Vizepräsident Xi Jinping trifft Spitzenvertreter der US-Regierung.
Am Dienstag traf der chinesische Vizepräsident Xi Jinping mit US-Vizepräsident Joe Biden zusammen. Der 58-Jährige wird im Herbst dieses Jahres aller Voraussicht nach zum Generalsekretär der Kommunistischen Partei (KP) und damit zum neuen starken Mann Chinas gewählt. Von seinem Besuch erhofft man sich in Washington (und anderswo) Aufschluss darüber, wohin sich die aufstrebende Wirtschafts- und Militärmacht unter ihm entwickeln könnte. Welchen Weg eine Person einschlägt, hängt auch davon ab, wo sie herkommt. Doch genau diese Frage ist im Fall Xis in China Tabu.
Bildstrecken China feiertEine Kurzbiografie der staatlich-chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua erwähnt Xis berühmten Vater mit keinem Wort. Ein untrügliches Zeichen in einem Land, in dem Abstammung alles bedeutet. Xi Zhongxun hatte zum innersten Kreis um Staatsgründer Mao Tsetung – und zu dessen ersten Säuberungsopfern gehört. Der ehemalige Guerilla-Kommandant, Vize-Parlamentspräsident und Vize-Premier war 1962 vom «Grossen Vorsitzenden» wegen Illoyalität aus allen Ämtern entfernt worden. Nach dessen Tod und langen Jahren in der Versenkung wurde er Ende der 1970er-Jahre rehabilitiert. Unter seiner Federführung gründete China 1979 seiner erste Freihandelszone in Schensen.
Biografie seit drei Jahren zurückgehalten
Derlei «Leichen im Keller» sind beileibe keine Seltenheit für Mitglieder der chinesischen Führungsriege: Der Vater des aktuellen Präsidenten Hu Jintao, ein Teehändler, wurde während der Kulturrevolution denunziert und ins Gefängnis geworfen. Auf Hus Vorgänger Zhao Ziyang (1987-1989) wurden damals sogar Mordanschläge verübt. Hu Yaobang (1981-1987) wurde in ein Arbeitslager verbannt. Wer im Chaos der Kulturrevolution unbeschadet davonkam, bildete die Ausnahme, nicht die Regel. Doch der als vergleichsweise liberal und unorthodox geltende Xi eckte bald wieder an: Er soll Deng Xiaoping für die blutige Niederschlagung der Tiannamen-Proteste 1989 kritisiert haben – bis heute eine rote Linie, die niemand in China ungestraft überschreitet.
Xi senior verschwand danach aus der Öffentlichkeit und verstarb 2002. Das wieder erwachte Interesse an seiner Geschichte zehn Jahre später ist dem Aufstieg seines Sohns geschuldet. Die Behörden sind um eine offizielle Lesart bemüht, was sich aber aufgrund der verschiedenen Interessen als sehr schwierig erweist: Jia Juchuan, ein Historiker der KP, wurde damit beauftragt, eine offizielle Biografie über den umstrittenen Xi senior zu schreiben. Ein erster Band, der die Jahre bis 1949 behandelt, erschien 2008. Der zweite Band ist offenbar seit drei Jahren fertig, wird aber von den Behörden zurückgehalten. «So viele Funktionäre und andere Personen wollen Dinge abändern oder hinzufügen», sagte Jia gegenüber der «Washington Post». «Personen, die nichts von Geschichte verstehen, schreiben die Geschichte, und solche, die nichts von Biografien verstehen, schreiben Biografien», klagt er.
Welcher Jinping überwiegt?
Viele in China hoffen, Xi junior habe etwas von den relativ liberalen Eigenschaften seines Vaters geerbt. Als Sohn eines ranghohen Funktionärs, der später selbst Karriere macht, gehört er zwar zu den sogenannten «Prinzlein». Doch in seiner Verwandtschaft wimmelt es offenbar nicht von sich bereichernden Multmillionären. Sein Biograf betont vielmehr die einfachen Verhältnisse, aus denen er stammt: So soll Xi senior nach einem Bad darauf bestanden haben, dass sein Sohn im selben Wasser badet. Xi junior sagte einmal in einem Interview, er habe als Kind Mädchenkleider seiner Schwester mit Blumenmustern tragen müssen.
«Es gibt zwei Xi Jinpinggs», sagt Gao Wenqian, ein China-Spezialist der «Washington Post». Einer habe die «aufgeklärten Gene» seines Vaters, der andere sei ein Produkt des Machtapparats der KP. «Der zweite dominiert klar, aber man kann den Einfluss des ersten nicht ausschliessen», sagt er.
(kri)
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