Nordkoreas Provokationen

30. August 2017 08:35; Akt: 30.08.2017 09:25 Print

Kim will weitere Raketen über Japan schiessen

Der UNO-Sicherheitsrat hat Nordkoreas Abschuss einer Rakete über Japan hinweg einstimmig verurteilt. Pyongyang bestätigt den Test – und plant weitere Abschüsse.

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Der UNO-Sicherheitsrat hat den jüngsten Raketentest Nordkoreas in einer Sondersitzung einstimmig als «empörend» verurteilt. Nordkorea hatte zuvor bestätigt eine Mittelstreckenrakete über Japan hinweg gefeuert zu haben – und bereits weitere Raketentests angekündigt.

Trotz UN-Protest: Nordkorea plant weitere Raketentests. (Video: Reuters)

In einer Erklärung der 15 Länder des Gremiums hiess es am Dienstabend, es sei wichtig, dass die Regierung in Pyongyang sofortige und konkrete Massnahmen ergreife, um die Lage zu deeskalieren. Es müsse eine friedliche und politische Lösung geben. Die Erklärung enthielt keinen Verweis auf neue Sanktionen.

Trotz bereits geltender Sanktionen hatte Nordkorea am Dienstag eine Rakete über den Norden Japans hinweg in Richtung Pazifik gefeuert und dafür harsche internationale Kritik geerntet. Machthaber Kim Jong-un bestätigte den «erfolgreichen» Test einer Mittelstreckenrakete vom Typ Hwasong-12. Er sei «äusserst zufrieden».

Test ein «erster Schritt»

Der Raketenabschuss sei der erste Schritt der nordkoreanischen Armee gewesen, um im Pazifik den militärischen Vorposten der USA auf der Insel Guam einzudämmen. Nordkorea müsse mehr Raketen in Richtung des Pazifiks (also über das japanische Meer und Japan hinweg) schiessen, um die Fähigkeiten seiner Streitkräfte auszubauen, so Kim.

Washington unterhält auf dem US-Territorium Guam einen grossen Marine- und Luftwaffenstützpunkt. Nordkorea hatte vor drei Wochen gedroht, Raketen in Richtung Guam abzufeuern.

Die Mittelstreckenrakete vom Typ Hwasong-12 habe «auf der vorgesehenen Flugbahn» die Halbinsel Oshima und Kap Erimo auf der nordjapanischen Insel Hokkaido überquert. Sie sei «akkurat» am vorgesehenen Ziel im Pazifik gelandet. KCNA berichtete, Kim habe den Abschuss der Rakete persönlich überwacht.

«Eine Bedrohung für alle UNO-Mitglieder»

Es war nicht das erste Mal, dass eine nordkoreanische Rakete über Japan hinwegflog. Es sei aber das erste Mal, dass das unangekündigt geschehen sei, meldete der japanische Sender NHK. Ein Regierungssprecher in Tokio sprach von einer «beispiellos ernsten und schweren Bedrohung».

Die jüngsten Raketentests des nordkoreanischen Militärs unterminiere «absichtlich regionalen Frieden und Stabilität und haben weltweit grosse Sicherheitsbedenken ausgelöst», heisst es in einer im Anschluss an die Sondersitzung des Sicherheitsrats verbreiteten Erklärung. Der Rat betonte, dass «diese Aktionen Nordkoreas nicht nur eine Bedrohung für die Region, sondern für alle UNO-Mitglieder darstellen.»

Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats verbieten Nordkorea den Bau von Atomwaffen und Raketen. Wegen Verstössen bestehen bereits seit 2006 Sanktionen. Sie wurden vor wenigen Wochen verschärft.

«Kritischer Punkt erreicht»

US-Präsident Donald Trump verurteilte den Test und betonte: «Alle Optionen sind auf dem Tisch». Chinas Aussenministerium warnte, in dem Konflikt auf der koreanischen Halbinsel sei ein «kritischer Punkt» erreicht. Während Japan und seine Schutzmacht USA den Druck auf Pyongyang nun weiter erhöhen wollen, demonstrierte Südkorea militärische Stärke.

Trump, der bereits mehrmals mit einem Alleingang in dem Konflikt gedroht hatte, warf der kommunistischen Führung in Pyongyang vor, mit dem Test «ihre Verachtung für die Nachbarn, für alle Mitglieder der Vereinten Nationen und für einen Mindeststandard an akzeptablem Verhalten» signalisiert zu haben. Derartige Manöver festigten nur die Isolation des Landes.

Wiederholte Verstösse gegen UNO-Resolutionen

Mit seinen Raketentests hat Nordkorea wiederholt gegen Resolutionen des UNO-Sicherheitsrates verstossen. Der Konflikt um Nordkoreas Raketenprogramm spitzte sich deutlich zu, nachdem Pyongyang im Juli zwei Interkontinentalraketen testete, die womöglich auch Ziele auf dem US-Festland erreichen könnten. Der UNO-Sicherheitsrat beschloss daraufhin bereits eine Verschärfung der Strafmassnahmen gegen das Land.

(chk/sda)