Minenunglück

14. Oktober 2010 17:23; Akt: 14.10.2010 17:24 Print

Tauwetter zwischen Chile und BolivienTauwetter zwischen Chile und Bolivien

Chile und Bolivien streiten seit Jahrzehnten um einen Landstrich an der Pazifikküste. Die Rettung eines bolivianischen Bergmanns könnte eine Annäherung zwischen den beiden Ländern einläuten.

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Verbrüderung am Rand der Rettungsaktion: Der chilenische Präsident Sebastián Piñera und sein bolivianischer Amtskollege Evo Morales besuchen einen geretetten Bergmann. (Bild: Keystone/AP/Alex Ibanez,)

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Die Präsidenten Evo Morales und Sebastián Piñera haben unter normalen Umständen wenig gemeinsam. Der eine ist Indio, gelernter Bauer und erklärter Sozialist. Der andere ist Nachkomme der spanischen Eroberer, ehemaliger Unternehmer und Milliardär. Aber die letzten Tage waren keine normale Umstände und so kam es am Rand der Rettungsaktion der 33 Bergleute zu einer zaghaften Annäherung zwischen den beiden Staatsmännern. Am Mittwoch waren sie zusammen ins Krankenhaus gegangen, um den aus der Tiefe geretteten Bolivianer und einzigen Nicht-Chilenen Carlos Mamani zu begrüssen.

In einer darauffolgenden Ansprache dankte Morales dem chilenischen Volk für die Rettung «unseres Bruders Carlos Mamani und unserer Brüder, der chilenischen Bergarbeiter.» Bolivien werde das nie vergessen. Zeitungen schrieben über die Rettung Mamanis, sie könnte das «Symbol einer neuen Einheit» zwischen den beiden Ländern sein. Ihre Beziehungen sind historisch belastet, wobei die unterschiedlichen Lebensläufe ihrer derzeitigen Präsidenten noch das kleinste Problem darstellen.

Die Vergangenheit lastet schwer

Im sogenannten «Salperterkrieg» von 1879 bis 1884 hatte Bolivien seinen Meereszugang an Chile verloren. Bolivien und Paraguay sind heute die einzigen beiden Länder Südamerikas ohne Meeranschluss. Noch im Juni hatte Morales betont, dass die Beziehungen mit Chile auf Botschafterebene nur wieder aufgenommen werden könnten, wenn Bolivien wieder einen Pazifikzugang bekommt. 1978 scheiterten Verhandlungen zwischen den damaligen Präsidenten Augusto Pinochet (Chile) und Hugo Banzer (Bolivien) über die Rückgabe eines kleinen Küstenstreifens an Bolivien. Seither unterhalten die beiden Staaten keine diplomatischen Beziehungen mehr auf Botschafterebene.

Vielleicht bietet das Minenunglück nun eine Möglichkeit zur Versöhnung. Naturkatastrophen haben in der Vergangenheit schon öfter zu Tauwetter zwischen verfeindeten Staaten geführt. Als 1999 in kurzen Zeitabständen Griechenland und die Türkei von schweren Erdbeben heimgesucht wurden, führte die gegenseitige Hilfe zu einer Verbesserung der Beziehungen zwischen den Erzfeinden. Das Phänomen wird seither als «Erdbebendiplomatie» bezeichnet.

Misstöne im Tauwetter

Dass sich trotz der Rettung eines bolivianischen Bergmanns und warmen Gesten Jahrzehnte der Entfremdung nicht einfach in Luft auflösen, wurde bereits am Mittwoch klar. Carlo Mamani liess verlauten, er fühle sich inzwischen eigentlich mehr als Chilene. Und auch Evo Morales konnte sich einen kleinen klassenkämpferischen Seitenhieb nicht verkneifen. Im Krankenhaus erinnerte er seinen geretteten Landsmann Mamani vor laufender Kamera daran, dass ihm vom chilenischen Staat Entschädigungen zustehen und fügte hinzu: «Wenn es damit Probleme gibt, rufst du mich an.» Präsident Piñera stand zerknirscht daneben.

Ansprache von Evo Morales:

(kri)