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Toulouse-Attentäter
09. Juli 2012 15:32; Akt: 09.07.2012 15:42 Print
«Ich liebe den Tod, wie ihr das Leben liebt»
Er verhöhnt seine Opfer und die Polizei: In Frankreich sind Gespräche veröffentlicht worden, die der Attentäter von Toulouse mit der Spezialeinheit führte. Angehörige und Behörden sind empört.
Chronik eines Serienattentats: Am 22. März 2012 wurde Mohammed Merah, der sich über 32 Stunden in seiner Wohnung verschanzt hatte, durch einen Kopfschuss getötet.
In Frankreich werfen Tonbandaufnahmen der Gespräche zwischen dem Attentäter von Toulouse und der Polizei hohe Wellen. TF1 hatte am Sonntagabend in der Sendung «Sept à Huit» erstmals Auszüge aus den aufgezeichneten Verhandlungen zwischen Mohamed Merah und der Polizei gesendet. Der Franzose hatte im März bei drei Attentaten insgesamt sieben Menschen vor einer jüdischen Schule erschossen, darunter drei Kinder und einen Lehrer. Der 23-Jährige hatte sich als Mitglied des islamistischen Terrornetzwerks Al Kaida bezeichnet. Er wurde am 22. März nach 32-stündiger Belagerung seiner Wohnung von Elitepolizisten erschossen.
Bildstrecken Serienmörder beerdigt Video
Une vidéo de Mohamed Merah
L'intérieur de l'appartement de Merah
Merah erklärte während den langen Verhandlungen mit der Polizei seine Verbrechen. Der junge Mann wirkte dabei erschreckend kaltblütig und zeigte keinerlei Reue. Er machte sich gar über seinen Verhandlungspartner lustig. Er sagte, er habe gewusst, dass der Geheimdienst hinter ihm her sei. «Meine Disko-Besuche, meine modischen Kleider, meine gefärbten Haare» sei Teil «seiner Tarnung» gewesen, meint er.
Über seine Reisen nach Pakistan und Afghanistan sagt der Terrorist: Er habe nicht glauben können, dass der Geheimdienst ernsthaft gemeint habe, dass er sich dort nur in den Ferien befand. «Ihr glaubt wirklich, dass man dort Ferien macht? Ihr habt den grössten Fehler eurer Karriere begangen.» In der viereinhalbstündigen Tonbandaufnahme erzählt der 23-Jährige, in Pakistan «viele Al-Kaida-Brüder» und «zahlreiche europäische Dschihadisten», darunter Franzosen, Spanier und Deutsche, getroffen zu haben.
Attentat war nicht geplant
Einer der schrecklichsten Momente des Gesprächs ist Merahs Schilderung von der Schiesserei vor der jüdischen Schule. Er sagte, er habe an jenem Morgen eigentlich ein Attentat aufs Militär geplant gehabt, das er aber schliesslich nicht habe ausführen können. «Ich nahm wieder mein Motorrad und fuhr zufällig an der Schule vorbei. Es war nicht geplant. Nicht, dass ich es nicht vorgehabt hätte, aber an diesem Morgen wars nicht mein Ziel.»
Der Schluss der Aufnahme ist besonders tragisch. «Seid ihr euch darüber bewusst, dass ihr einen Mann vor euch habt, der vor dem Tod keine Angst hat?», fragte Merah seinen Verhandlungspartner. «Ich liebe den Tod, wie ihr das Leben liebt.» Am Schluss bittet er, noch einmal mit seiner Mutter reden zu dürfen. Die Behörden billigten ihm diese Möglichkeit zu. Doch dann wies er diese wieder zurück und beendete abrupt die Verhandlungen. Kurz darauf wurde er von den französischen Spezialeinheiten mit einem Kopfschuss getötet.
Kein Respekt vor Angehörigen
Innenminister Manuel Valls verurteilte die Entscheidung des Senders TF1, Auszüge der Aufnahmen auszustrahlen. Er warf dem Sender vor, damit «die Familien der Opfer nicht respektiert zu haben». Auch die Angehörigen der Opfer selbst zeigten sich schockiert und entsetzt. Opferanwälte kündigten einen Eilantrag an, um jegliche weitere Ausstrahlung der Tonaufnahmen verbieten zu lassen. Die Rundfunkaufsichtsbehörde CSA erklärte, sie habe den Fernsehsendern empfohlen, auf eine Ausstrahlung zu verzichten.
Es stelle sich zudem die Frage, wie der Sender an die Aufzeichnungen gekommen sei. Die Pariser Staatsanwaltschaft nahm nach Justizangaben Vorermittlungen wegen Verletzung des Ermittlungsgeheimnisses auf. Der Sender rechtfertigte inzwischen die Ausstrahlung mit seinem Informationsauftrag. Die Nachrichtenchefin von TF1, Catherine Nayl, wies den Vorwurf des Sensationsjournalismus zurück. Die gesendeten Auszüge umfassten «sehr wichtige Informationen über die Art und Weise, wie die Männer der Eliteeinheit Raid verhandelt haben», sagte Nayl der Nachrichtenagentur AFP. Das Dokument beweise, dass die Polizisten bis zum Schluss versucht hätten, Merah lebend zu ergreifen.
(kle)

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