Nach Bluttat

18. März 2012 20:56; Akt: 19.03.2012 08:12 Print

Todesschütze war ein braver Familienvater

Bekannte und Freunde beschreiben ihn als ausgeglichen, ruhig und als Familienmenschen: Was liess GI Robert Bales zum Mörder von 16 Frauen, Männern und Kindern werden?

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Ist laut Kollegen kein Rambo-Typ: Staff Sergeant Robert Bales. (Bild: epa)

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Gegen den US-Soldaten, der in Afghanistan 16 Menschen erschossen haben soll, wird nach Angaben aus Kreisen des US-Militärs vermutlich noch in dieser Woche Anklage erhoben. Der Prozess werde dann in den USA stattfinden, sagte am Sonntag ein Rechtsexperte des US-Militärs in Afghanistan der Nachrichtenagentur AP. Der Verdächtige, der 38-jährige Unteroffizier Robert Bales, sitzt derzeit in einem Militärgefängnis in Fort Leavenworth im Staat Kansas in Haft. Bales ist ein zweifacher Familienvater aus dem US-Staat Washington, den Nachbarn als freundlich beschrieben.

Hinweise darauf, dass es noch einen zweiten Tatbeteiligten gebe, wie dies von Afghanen vermutet wurde, gebe es nicht, sagte der Gewährsmann. Bales wird verdächtigt, in der Provinz Kandahar in die Häuser von Afghanen eingedrungen zu sein und neun Kinder, vier Männer und drei Frauen erschossen zu haben. Fünf Menschen, darunter drei Kinder unter zehn Jahren, wurden verwundet.

Zu Bales wurde am Wochenende einige Einzelheiten bekannt. Gerichtsunterlagen zufolge wurde er vor zehn Jahren wegen eines tätlichen Übergriffs auf seine damalige Lebensgefährtin festgenommen. Die Ermittlungen wurden eingestellt, nachdem Bales 20 Therapiestunden zur Aggressionsbewältigung absolviert hatte. Auch ein Verfahren gegen ihn wegen eines Unfalls mit Fahrerflucht vor drei Jahren wurde laut Gerichtsunterlagen eingestellt.

Kriegsveteran wollte nicht nach Afghanistan

Wie sein Anwalt John Henry Browne sagte, zog sich Bales bei einem Einsatz im Irak Verletzungen zu, in deren Folge ihm ein Teil eines Fusses amputiert wurde. Als der Kriegsveteran hörte, dass er in Afghanistan stationiert werden sollte, habe er nicht gehen wollen, sagte Browne. Einen Tag vor dem Amoklauf in zwei afghanischen Dörfern am vergangenen Sonntag habe Bales gesehen, wie ein Kamerad bei einer Explosion sein Bein verloren habe. Ob sein Mandant an einer posttraumatischen Belastungsstörung gelitten habe, könne er nicht sagen, sagte Browne.

Nach Angaben eines Gewährsmanns aus den Pentagon hatte Bales wenige Stunden vor der Tat Alkohol getrunken und damit Anordnungen des US-Militärs verletzt.

Zugführer überrascht von den Vorwürfen

Bales war seit November 2001 bei den US-Streitkräften. Vor Beginn seines Einsatz in Afghanistan im vergangenen Dezember diente er mehr als drei Jahre im Irak. Ihm wurden mehr als 20 Auszeichnungen verliehen, darunter drei Medaillen für gutes Verhalten im Militärdienst.

Sein ehemaliger Zugführer zeigte sich von den Vorwürfen überrascht. Dass Bales 16 Menschen getötet haben solle, passe zu 100 Prozent nicht zu dessen Charakter, sagte Chris Alexander am Samstag. Bales sei eine sehr stabile Person und habe die Leben mehrere anderer Soldaten gerettet. Alexander war Bales' Zugführer während dessen Zeit im Irak. Nach Angaben von Alexander war Bales Börsenhändler, bevor die Terroranschläge vom 11. September 2001 ihn zum Eintritt in die US-Streitkräfte animierten.

(dapd)