Tabubruch

18. Juli 2017 14:49; Akt: 18.07.2017 16:10 Print

Frau in Minirock erregt Saudiarabien

Das Video ihres Spaziergangs ging viral: Jetzt sucht die Sittenpolizei nach der jungen Frau, die in Sommerkleidern durch einen historischen Ort flaniert.

Hat einen Skandal ausgelöst: Im Video schlendert eine Unbekannte durch einen saudiarabischen Ort. (Video: Twitter/Jesus Fatima)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Bis gestern war Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann in Saudiarabien. Ziele der Reise: diplomatische Beziehungen pflegen, den Freihandel vorantreiben und – so wurde es öffentlich propagiert – über Menschenrechte diskutieren.

Vor allem die Frauenrechte des Königreichs lösen international immer wieder Diskussionen aus: Das Land schreibt die Vollverschleierung vor, die Arbeitsrechte sind eingeschränkt, Autofahren ist verboten.

Der Bundesratssprecher zeigte sich nach dem Besuch zufrieden: «Wir waren positiv überrascht, mit welcher Offenheit die Diskussion geführt wurde», sagte er der Nachrichtenagentur SDA.

Spazieren im Minirock

Zumindest ausserhalb des Königshauses ist das Land von der gesellschaftlichen Öffnung noch weit entfernt. Das zeigt ein Video, das das Land zurzeit in Aufruhr versetzt. Darin wandelt eine junge Frau im knappen Mini durch die Gassen einer alten Festung in der Ortschaft Ushayqir.

Das Video wurde zunächst auf Snapchat geteilt und ging schnell viral. Die Sittenwächter horchten auf: Aufgrund des Videos habe man den Kontakt zu den relevanten Autoritäten hergestellt, so die islamische Religionspolizei Mutaween.


Laut der saudischen Tageszeitung «Okaz» hat der zuständige Gouverneur die Polizei aufgefordert, die Frau ausfindig zu machen.

Auf Twitter läuft ein Wettstreit zwischen Befürwortern und Gegnern der Aktion. Ein konservativer Vertreter bezeichnet den Spaziergang als Ausdruck der ignoranten, liberalen Gesellschaft.

«Schockiert» zeigt sich hingegen der saudische Philosoph und Schriftsteller Wael al-Gassim. Allerdings nicht, weil die Frau unüblich viel Haut zeigt, sondern aufgrund der «wütigen und verängstigten Tweets», die nun kursieren.

Übernommen vom «Tages-Anzeiger», bearbeitet von 20 Minuten.

(20 Minuten)