Hamas-chef Maschaal

09. Dezember 2012 15:05; Akt: 09.12.2012 15:17 Print

«Palästina vom Mittelmeer bis zum Jordan»

Chaled Maschaal zeigt sich im Konflikt mit Israel kompromisslos. Der Hamas-Exilchef bekräftigte bei seinem bahnbrechenden Besuch im Gazastreifen seine Weigerung, den jüdischen Staat anzuerkennen.

Chaled Maschaal bei seinem Besuch im Gazastreifen nach 45 Jahren Exil. (Video: Youtube/AlJazeeraEnglish)
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Bei den Feiern der radikalislamischen Hamas anlässlich ihrer Gründung vor 25 Jahren hat sich Exilchef Chaled Maschaal kompromisslos im Konflikt mit Israel gezeigt. Entsprechend scharf fiel dann auch Israels Kritik aus.

In einer Rede im Gazastreifen sprach Maschaal Israel am Samstag das Existenzrecht ab. Zugeständnissen bei Verhandlungen über das Gebiet eines Palästinenserstaates erteilte er eine Absage.

«Palästina ist vom Mittelmeer bis zum Jordan und vom Norden bis zum Süden unser Land und unsere Nation», sagte Maschaal in Gaza-Stadt vor rund 100'000 Anhängern. «Wir können keinen Zollbreit und keinen Teil davon abgeben», fuhr er fort. Auch weder die Legitimität der Besetzung Palästinas noch Israel selbst könnten sie anerkennen.

«Die Befreiung Palästinas, ganz Palästinas, ist ein Recht, eine Pflicht und ein Ziel», sagte Maschaal an der Seite seines Stellvertreters Mussa Abu Marsuk sowie von Hamas-Regierungschef Ismail Hanija.

Die Palästinenser müssten ihre Rechte mit Widerstand und allen Formen des Kampfes einfordern. Der Antrag der Palästinenser bei der UNO auf einen aufgewerteten Beobachterstatus sei dabei ein «Fortschritt».

«Ein Tag des Sieges»

Die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) rief Maschaal zur Einheit auf. Sie sei ein «Bezugspunkt» für alle Palästinenser. Die von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas geleitete Dachorganisation politischer und militärischer palästinensischer Gruppen strebt einen unabhängigen Palästinenserstaat an.

Ihre stärkste Fraktion ist die Fatah von Abbas, die das Westjordanland regiert. Die Fatah steht aber mit der radikalen Hamas im Konflikt.

Die «Teilung» der Palästinenser «gehört der Vergangenheit an», sagte Maschaal dazu. «Heute ist ein Tag des Sieges und des Stolzes.» Schon im Dezember 2011 hatte Maschaal erklärt, die Bewegungen ausserhalb der PLO, neben der Hamas auch der Islamische Dschihad, seien «auf dem Weg des Beitritts zur PLO».

Die Hamas war 1987 im Zuge der Ersten Intifada gegründet worden. Ihre Anhänger kamen am Samstag mit grünen Fahnen, Mützen und anderen Emblemen der Hamas auf dem Katiba-Platz zusammen.

Die Veranstaltung fand unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Hunderte Polizisten und dutzende Mitglieder der Essedin-al-Kassam-Brigaden, dem bewaffneten Arm der Hamas, säumten den Platz.

«Maschaal verdient den Tod»

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kritisierte bei der wöchentlichen Kabinettssitzung Abbas, dass dieser Maschaals «Äusserungen zur Zerstörung Israels nicht verurteilt» habe. Abbas strebe «leider eine Einheit mit der Hamas an».

Ein Sprecher Netanjahus schrieb über Twitter, die Hamas feiere «25 Jahre des Mordes an Israelis mit Raketen und Selbstmordattentaten». Der Chef der Kadima-Partei, Schaul Mofas, erklärte gar, Israel hätte Maschaals Besuch im Gazastreifen zum Anlass nehmen müssen, um ihn zu töten. «Maschaal verdient den Tod.»

Die radikalen Äusserungen des Hamas-Chefs Chaled Maschaal zeigen nach Einschätzung des israelischen Staatspräsidenten Schimon Peres das wahre Gesicht seiner Organisation. Die im Gazastreifen herrschende Hamas sei eine «Terrororganisation».

Peres forderte nachdrücklich eine Rückkehr Israels zu Friedensverhandlungen mit Abbas. Es gebe nur die Wahl zwischen «einer Politik der zwei Staaten (in Nahost) oder der Politik der Zerstörung Israels», erklärte er. Die Zeit dränge. Man müsse einen Schlussstrich ziehen und rasch zu Friedensgesprächen mit Abbas voranschreiten, mahnte Peres.

(sda)