Sex-Ring gesprengt

05. Mai 2014 17:19; Akt: 05.05.2014 18:28 Print

Verdächtigte Pädophile – alle wieder frei

Die meisten der elf Verdächtigen haben in den Vernehmungen pädophile Neigungen zugegeben, jedoch keine Straftaten eingeräumt. Für einen Haftbefehl reicht dies nicht aus.

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Die in Deutschland gefassten mutmasslichen Mitglieder eines Pädophilen-Rings sind vorerst wieder auf freiem Fuss. Es bestehe ein «Anfangsverdacht», der für einen Haftbefehl aber bislang nicht ausreiche, sagte der Einsatzleiter der Polizei, Holger Herrmann, am Montag in Magdeburg.

Gegen die elf Verdächtigen wird wegen des Anfangsverdachts des sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie Besitzes und Verbreitung von Kinderpornografie ermittelt. Nach Angaben von Herrmann sind drei der Tatverdächtigen bereits «einschlägig vorbestraft».

Nach der Festnahme seien bei Durchsuchungen Rechner, Datenträger und Kommunikationstechnik beschlagnahmt worden. Die meisten Verdächtigen hätten in den Vernehmungen pädophile Neigungen zugegeben, jedoch keine Straftaten eingeräumt.

Die ersten Ermittlungen hätten noch keinen dringenden Tatverdacht bestätigt, der einen Haftbefehl begründen würde. Es sei nun Sache der Polizei, dies zu ermitteln. «Wir stehen im Augenblick noch am Anfang der Ermittlungen», betonte auch Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht.

Ein Verdächtiger aus der Schweiz

Die Tatverdächtigen – zehn Männer im Alter zwischen 23 und 60 Jahren sowie eine 57-jährige Frau – waren am Samstag in Aschersleben gestellt und vorläufig in Gewahrsam genommen worden. Sie stammen laut Polizei aus Aschersleben, Berlin, Dresden, Leipzig und Dortmund; einer der Männer kommt aus der Schweiz.

Die Gruppe kannte sich laut Polizei aus einem Pädophilen-Chatroom im Internet. Am 25. April hatte es demnach einen ersten Zeugenhinweis zu dem geplanten Treffen in Sachsen-Anhalt gegeben, zu dem ein 54-Jähriger aus Aschersleben eingeladen hatte.

Ziel dieses konspirativen Treffens sei es gewesen, «Aufenthaltsorte von Kindern zu besichtigen und neue Kontakte zu Kindern zu knüpfen», sagte Herrmann. Die Tatverdächtigen besuchten demnach am Samstag einen Kinderflohmarkt und den Zoo in Aschersleben, wo sie sich «hauptsächlich» am Kinderspielplatz aufhielten.

Fünfjährige Nichte als Lockvogel

Die fünfjährige Nichte des Tatverdächtigen aus Aschersleben wurden nach Erkenntnissen der Ermittler dabei als eine Art Lockvogel missbraucht, um Kontakt zu anderen Kindern zu bekommen. Sie wurde dem Jugendamt übergeben, ist aber inzwischen wieder bei ihrem Vater.

Die Polizei hatte die Verdächtigen nach eigenen Angaben «immer im Blick und unter Kontrolle». Beim Verlassen des Zoos wurde die Gruppe gefasst. Die Identität der Verdächtigen wurde geklärt; zudem wurden Unterkünfte in Aschersleben, Berlin und Dortmund durchsucht und Datenträger beschlagnahmt.

Wohl auch internationale Ermittlungen

Herrmann geht davon aus, dass die Ermittlungen – auch international – ausgeweitet werden und «noch weitere Personen betreffen» werden. In dem betreffenden Chatroom seien noch mehr Menschen aktiv als die jetzt elf bekannten Verdächtigen.

Die Ermittlungen liefen «auf Hochtouren», sagte Herrmann. Derzeit werde die Zusammenarbeit mit anderen Polizeibehörden und Staatsanwaltschaften koordiniert.

Herrmann räumte ein, dass die Polizei im Gegensatz zu sonst üblichen Verfahren bereits «im Anfangsstadium» der Ermittlungen und damit sehr frühzeitig zugegriffen habe. «Wir hoffen, dass wir nun schnell weiterkommen mit den Ermittlungen», sagte er.

Stahlknecht betonte, die von dem Zeugen geschilderten Umstände hätten eine Straftat möglich erscheinen lassen. Deshalb habe die Polizei «zügig» gehandelt.

(sda)