Trumps UNO-Rede

19. September 2017 21:46; Akt: 20.09.2017 07:56 Print

Nationalismus als Programm für die Welt

von Martin Suter, New York - Mit seiner ersten Rede vor der UNO stellte der US-Präsident seine Anhänger zufrieden. Andere Länder hörten die markigen Worte mit Sorge.

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In seiner ersten Rede vor der UNO-Generalversammlung zog US-Präsident Donald Trump am Dienstag in New York alle Register. Nordkoreas Diktator Kim Jong-un, den er als «Rocket Man» (Raketenmann) lächerlich zu machen suchte, drohte er an, sein Land «total zu zerstören». Die Rede betonte Trumps Überzeugung, dass souveräne Staaten stark sein müssten und die Interessen ihrer Bürger allem anderen voranzustellen hätten.

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Mit der Tonlage werden die Anhänger Donald Trumps in den USA zufrieden sein. Daneben war an der Rede Folgendes bemerkenswert:

1. Die Wortwahl war bezeichnend

Die Rede wurde im Wesentlichen von Trumps Berater Stephen Miller entworfen, der auch frühere aussenpolitische Ansprachen des US-Präsidenten geschrieben hatte. Die nationalistisch-populistische Grundhaltung lässt sich durch die Wortwahl belegen. In der Rede kamen folgende Schlüsselwörter auffällig häufig vor:

«nation»: 73-mal
«America»/«United States»: 53-mal
«people»: 50-mal
«regime»: 20-mal
«United Nations»: 17-mal
«peace»: 15-mal
«freedom»: 9-mal
«terrorism/terrorist»: 7-mal

Insgesamt lässt sich die Rede mit folgender Wortwolke darstellen:


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2. Trump bricht Tabu beim Thema Nordkorea

Ähnlich wie in der «Achse des Bösen» des früheren US-Präsidenten George W. Bush nahm sich Trump eine Reihe von Regierungen für geharnischte Kritik vor. Am drastischsten äusserte er sich zu Nordkorea, dessen Diktator Kim Jong-un nuklear aufrüstet und Lenkwaffen mit interkontinentaler Reichweite baut. «Der Raketenmann ist auf einer Selbstmordmission für sich selbst und sein Regime», sagte der US-Präsident. Falls Kim nicht in eine vollständige Denuklearisierung der Halbinsel einwillige, drohe seinem Land die «totale Zerstörung».

Trumps Formulierung schien den Einsatz von Atomwaffen gegen Nordkorea einzuschliessen. Diese nukleare Drohung vor versammelter Weltgemeinschaft kommt einem Tabubruch gleich. Sie wird viele Regierungschefs bei der UNO mit grosser Sorge erfüllen. Ob sich Kim davon beeindrucken lässt, ist eher fraglich.

UN-Vollversammlung: Trump droht Nordkorea

3. Ungelöste Widersprüche zum Iran und Venezuela

Auch die Mullah-Regierung in Teheran kritisierte Trump als undemokratisches «Regime». Er deutete an, dass die USA aus dem vom Vorgänger Barack Obama ausgehandelten Nuklearabkommen austreten würden. Trumps Härte gegenüber Nordkorea gebe jedoch allen Anhängern des Iran-Deals zusätzliche Argumente zu Gunsten dieser diplomatischen Lösung in die Hand, argumentiert der Irankenner Vali Nasr:


Ähnlich widersprüchlich äusserte sich Trump zu Venezuela und seiner sozialistischen Regierung unter Präsident Nicolás Maduro. Trump forderte, dieses dritte von ihm harsch kritisierte Land müsse zur Demokratie zurückkehren und seinen Bürgern die Freiheit zurückgeben. Doch zuvor hatte er betont, dass es «keine Alternative für souveräne und unabhängige Staaten» gebe. Auf den Widerspruch zwischen Souveränität und Einflussnahme machte zum Beispiel Hillary Clintons Ex-Sprecher Brian Fallon in einem Tweet aufmerksam:


4. Philosophisch – aber nicht durchdacht

Die Rede war im Vorfeld von einem Mitarbeiter des Weissen Hauses als «tief philosophische Ansprache» bezeichnet worden, die Trumps Vision eines «von Prinzipien geleiteten Realismus» vorstellen werde. Im Kern formulierte Trump diese Grundauffassung mit den Worten: «Ich werde immer Amerika an die erste Stelle setzen, so wie ihr, die Führer eurer Länder, eure Länder an die Spitze stellen solltet.»

Die Vereinten Nationen waren aber ein schlecht passendes Forum für diese nationalistische Vision. Alle Staaten – wie auch die Schweiz –, die stattdessen primär auf Zusammenarbeit und eine Absprache zwischen Ländern setzen, werden sich unter Trump mit einer schwierigen Supermacht zurechtfinden müssen.

Trumps vollständige Rede (rund 40 Minuten):


(Quelle: YouTube/CNN)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lecramsong am 19.09.2017 22:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo er recht hat...

    Jeder Staatschef sollte erst zu seinem eigenen Land schauen. Nur wegen etwas Patriotismus geht die Demokratie nicht unter. Zudem, nur weil man zuerst zu seinem Land schaut, heisst das nicht, dass man nich mit anderen Länder zusammen Arbeiten kann / will oder Soll...

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  • Weltbürger am 20.09.2017 00:50 Report Diesen Beitrag melden

    Krank

    Da bezeichnet er die UNO als eine Versammlung Untätiger. War das Ironie? Die USA gehören zu den Veto-Mächten und verhindern - neben den anderen Veto-Mitgliedern - vieles, was zu einer friedlicheren Welt beitragen kann. Das ist schon dreist, sich so zu gebärden. Fast zeitgleich mit seiner Ankündigung, weniger an die UNO zahlen zu wollen, kam die Nachricht von der Erhöhung des Wehretats der USA in dreistelliger Milliardenhöhe. Eine kranke Welt.

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  • History am 19.09.2017 21:53 Report Diesen Beitrag melden

    Totaler Nonsens

    Trump ist nicht einmal einem kleinen Diktator gewachsen. Anstatt Kim Jong Un zu ignorieren und mit überlegten kleinen diplomatischen Schritten die Schlinge der Sanktionen immer enger zu ziehen macht er den irren Kim "great". Trump verschafft Kim Jong Un die Publicity, die dieser sonst nie bekommen würde. Diese Welt ist zu kompliziert für "the Donald".

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Max M am 20.09.2017 18:27 Report Diesen Beitrag melden

    Sich der Elite beugen, nein danke

    Genau das ist der Wunsch der Elite. Staaten auflösen und sich einen leicht kontrollierbaren Einheitsbrei anzüchten. Nur die Elite, deren Mitglieder grossteils einer völlig geschlossenen Gesellschaft angehören, sollen eine Einheit bleiben. Oder warum glaubt ihr, dass z.B. ein Soros extreme finanzielle Mittel aufwendet, um Migranten mit seinen NGOs nach Europa zu schleusen, und sich eine offene Gesellschaft wünscht, obwohl er selber der geschlossensten Gesellschaft überhaupt angehört? Man muss keinen Alu-Hut tragen um das zu verstehen...

    • rike am 20.09.2017 20:16 Report Diesen Beitrag melden

      Genau

      auf den Punkt gebracht, leider laufen noch viele Menschen mit der rosaroten Brille in Europa herum, anstatt mal sich Gedanken um die Zukunft unserer Nachkommen zu machen!

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  • ;) am 20.09.2017 14:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Okaj

    "«Ich werde immer Amerika an die erste Stelle setzen, so wie ihr, die Führer eurer Länder, eure Länder an die Spitze stellen solltet.»". Bem nächsten Streit (wie zb Bankgeheimnis) einfach mal darauf zurück kommen ;)

    • Steinwerfer am 20.09.2017 17:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @;)

      Das können wir natürlich machen - allerdings wären dann unsere Banken die längste Zeit auf dem internationalen Parkett tätig gewesen...

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  • Dino am 20.09.2017 13:55 Report Diesen Beitrag melden

    Rechts, das andere Rechts

    Viele Europäer scheinen noch nicht begriffen zu haben, dass der rechte Flügel in den USA, sprich die Konservativen und zu einem Stück auch die Libertären nicht mit dem Europäischen rechten Flügel verglichen werden kann und dass das politische Spektrum überhaupt ein Kreis ist und keine Linie. Nunja, man kann noch hoffen, dass diese Erkenntnis irgendwann kommt.

  • Heidi Berger am 20.09.2017 13:29 Report Diesen Beitrag melden

    best president ever

    So genial, dieser Präsident; schlichtweg der Hammer und der erste, der dieses Amtes würdig ist. Donald, ich will ein Kind von Dir!

    • Steinwerfer am 20.09.2017 17:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Heidi Berger

      Wahahahahaaa... der ist wirklich gut.

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  • Karl Wilhelm am 20.09.2017 13:25 Report Diesen Beitrag melden

    ... es war einmal ein Völkerbund

    Oh je - wo sind wir nur angekommen ! Das die UNO schon immer als Macht-Instrument elitärer Staaten missbraucht wurde daran hat sich die Welt gewöhnt. Durch Manipulation, Meinungsmache, Erpressung, Stimmenkauf wurden Kriege "gerechtfertigt", Boykotte organisiert und damit ganze Völker ins Elend gestürzt, mit UN-Mandat als Freifahrtschein und Rechtfertigung ! Nun wurde die nächste "Stufe gezündet"- die totale Vernichtung eines ganzen Staates wird "salonfähig" ! Die Maske ist gefallen ...