Prostitution gegen Armut

25. September 2011 11:09; Akt: 25.09.2011 11:09 Print

Indiens Kampf gegen die Tempel-HurenIndiens Kampf gegen die Tempel-Huren

von Adrian Eng - Prostitution hat in Indien eine lange Tradition. Bereits kleine Mädchen verrichten in Tempeln Liebesdienste. Doch jetzt gibt es Widerstand.

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Indische Mädchen werden bereits früh zur Prostitution gezwungen. (Bild: Keystone)

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Indien, das Land der Mythen, der Spiritualität und der Traditionen, kämpft gegen den Schatten seiner Vergangenheit. Noch heute werden Mädchen durch religiöse Kulte zur Prostitution gezwungen. Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen wollen mit dieser Tradition aufräumen. Doch leicht ist dies nicht.

Im indischen Glauben ist der Geschlechtsakt, das zusammenkommen von Mann und Frau, ein göttlicher Akt. Die Hingabe der Frau zu diesem gilt deshalb als Hingabe zu Gott selber und ist alles andere als Sünde. Der Devadasi-Kult wollte es, dass sich Jungfrauen (zwischen fünf und neuen Jahren) noch vor ihrer Heirat in einem Tempel hergaben, meist einem Priester oder Gottesdiener. Viele Mädchen blieben auch später im Tempel und verrichteten Liebesdienste.

Anschaffen für die Familie

In der Moderne wurde dieser Brauch abgeändert und treibt viele vorwiegend aus ärmsten Familien stammende Mädchen in die Prostitution. Die Familien begannen die Jungfräulichkeit ihrer Mädchen zu verkaufen. Diese konnten dann nicht mehr weiter verheiratet werden, Schulen waren zu teuer. Die Mädchen blieben in der Prostitution. Aus der religiösen Tradition wurde eine Einnahmequelle für viele arme Familien.

In Indien arbeiten laut «Human Rights Watch» 20 Millionen Frauen als Prostituierte. Davon sind rund 35 Prozent ins Geschäft eingestiegen, bevor sie 18 Jahre alt waren. Die Frauen kommen vor allem aus Dörfern im Westen des Landes. Mit ihren Einkünften ernähren sie ganze Familien. Eine Prostituierte in Neu Delhi verdient pro Tag rund 20 Dollar, eine ganze Familie auf dem Land kommt auf etwa einen Dollar.

Bildung gegen Not

Verschiedene Organisationen, wie etwa Plan India, wollen dem Treiben nun ein Ende setzen. Für sie ist das beste Mittel gegen die Prostitution die Bildung. Darum verstärken sie ihre Bemühungen in den armen Gegenden im Westen des Landes und eröffnen Schulen für die Kinder.

Auch Medien berichten vermehrt über den Missstand. CNN hat in einer Dokumentation die 13-jährige Puja aus dem Distrikt Bharatpur vorgestellt. Sie besucht als eines der wenigen Mädchen in ihrer Region eine von Plan India gegründete Schule. Anders als ihre Mutter, die zur Prostitution gezwungen wurde, will sie nicht im Milieu arbeiten. Sie träumt davon, Schauspielerin zu werden. Mit dem Besuch der Schule ist sie diesem Traum ein Stück näher.