Kunsthaus Zürich

15. Oktober 2010 15:15; Akt: 15.10.2010 16:45 Print

Ein Picasso aus TeheranEin Picasso aus Teheran

von Kian Ramezani - Iran besitzt die wohl bedeutendste Sammlung westlicher Kunst ausserhalb Europas und den USA. Eine prominente Leihgabe ist jetzt im Kunsthaus Zürich zu sehen.

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Am Freitag hat das Kunsthaus Zürich seine Picasso-Retrospektive eröffnet. Die rund siebzig Werke sind Leihgaben aus Museen und Privatsammlungen aus aller Welt, darunter New York, London, Paris, Zürich – und Teheran. «Der Maler und sein Modell», 1927 vom spanischen Meister geschaffen, stammt aus dem Museum für Zeitgenössische Kunst Teheran. Dorthin war das 214 x 200 cm grosse Ölgemälde 1975 von der Fondation Beyeler verkauft worden. Und das wenig bekannte Museum birgt weitere Kunstschätze, darunter Werke von Monet, Van Gogh, Pissarro, Renoir, Gauguin und Miró. Mitten in der iranischen Haupstadt befindet sich die wohl grösste und bedeutendste Sammlung westlicher Kunst ausserhalb Europas und der USA. Ihr Wert wird heute auf rund drei Milliarden Franken geschätzt.

Lieblingsprojekt der Kaiserin

Das Museum und seine Sammlung blicken auf eine bewegte Geschichte zurück. In den 70er-Jahren waren die Kassen des Schahs von Persien aufgrund des Ölbooms randvoll. Seine kunstbegeisterte Frau Farah Diba beauftragte einen ihrer Cousins, überall auf der Welt Gemälde und Skulpturen westlicher Herkunft zusammenzukaufen. Gleichzeitig sollte der gelernte Architket mit der Planung eines representativen Museumbaus beginnen. Die Freude über die Eröffnung 1977 sollte aber nur kurz währen. Zwei Jahre später bereitete die islamische Revolution Teherans Aufstieg zur Kunstmetropole ein jähes Ende. Das Museumspersonal verstaute die Schätze damals in aller Eile im Keller, um sie vor islamischen Hitzköpfen und Plünderern zu schützen. Und dort blieben sie in den darauffolgenden Jahren, die von Revolutionswirren, antiwestlicher Rethorik und dem Grauen des Iran-Irak-Kriegs geprägt waren.

«Kunst, die keiner sieht»

In der Amtszeit des reformorientierten iranischen Präsidenten Mohammad Chatami (1997-2005) lockerte sich das gesellschaftliche Klima, was auch den Spielraum für das Museum wieder vergrösserte. 2005, kurz vor dem Amtsantritt Mamhud Ahmadinedschads, wurden die Werke erstmals wieder vollzählig gezeigt. In die Freude über die grosse Resonanz in der Bevölkerung mischten sich aber auch Sorgen. Der damalige Museumsdirektor Ali-Reza Samiazar befürchtete, das Klima würde sich unter dem neuen Präsidenten wieder verschlechtern: «Die Leute kamen, weil sie wussten, dass es vielleicht so bald keine Gelegenheit mehr geben wird, die Sammlung zu sehen». Zu Beginn sah es so aus, als sollte er recht behalten.

Die neue iranische Regierung unter Mahmud Ahmadinedschad setzte einen neuen Direktor ein, der die westlichen Werke wieder in den Keller verbannte, angeblich wegen Platzmangels. Ende 2007 berichteten die «Los Angeles Times» und der britische «Guardian» über die «Kunst, die keiner sieht» und die «Picassos im Keller». Ob und wie die iranische Führung diese Kritik aufnahm, sei dahingestellt. Fakt ist, dass die Sammlung 2009 im Rahmen der Ausstellungsreihe «Manifestationen zeitgenössicher Kunst dieser Welt» wieder zugänglich gemacht wurde. Sie wurde 2010 fortgesetzt und sogar bis November verlängert.

Ein Besuch im Museum für Zeitgenössische Kunst Teheran ist in vielerlei Hinsicht lohnenswert. Der avantgardistische Bau aus den 70er-Jahren ist ein echter Hingucker in der sonst eher eintönigen Architektur der Teheraner Innenstadt. Neben den europäischen und amerikanischen Werken gibt es auch interessante Ausstellungen iranischer Künstler, so im Bereich persischer Kalligraphie. Ein vermutlich einzigartiges Schauspiel bietet sich jeden Winter im Garten: Wo sonst auf der Welt hat man jemals einen von Alberto Giacomettis Bronzemännern im Schnee waten gesehen?

Eine Gymnasiastin bestaunt die Werke Picassos:
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