Meningitis-Epidemie

27. Oktober 2012 02:11; Akt: 27.10.2012 04:11 Print

Das Labor des Grauens

von Bea Emmenegger - Die Chemiefirma, deren Produkt für eine Meningitis-Epidemie in den USA verantwortlich ist, entpuppt sich gemäss FDA als wahres Schmuddellabor.

storybild

Eine Laborantin des US-Zentrums für Seuchenkontrolle und Prävention untersucht das pilzbefallene Medikament, das zu über 300 Fällen von Meningitis in den USA führte.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die US-amerikanische Medikamenten- und Nahrungsmittelkontrollbehörde FDA hat gestern einen achtseitigen Bericht über die Firma New England Compounding in Massachusetts veröffentlicht, bei dessen Lektüre einem übel werden kann.

Die Firma setzt Medikamente in neuer Form zusammen, um beispielsweise ein Dragee für Kinder in die erträglichere Form eines Sirups zu bringen. So produzierte New England Compounding auch eine Steroid-Injektion gegen Rücken- und Nackenschmerzen. Diese Spritzen führten zu über 300 Fällen von Hirnhautentzündung in den USA, 25 Menschen sind bisher daran gestorben. Schuld daran sind wahrscheinlich Verunreinigungen im Medikament.

Bei der Inspektion des Labors fand die Food and Drug Administration Schimmel, Pilzbefall, «grünliche und gelbliche Rückstände» auf Geräten, die zum Wägen der Inhaltsstoffe verwendet werden. Und vor allem fand sie interne Berichte über Verunreinigungen, die weit über der Limite lagen, bei der Gegenmassnahmen ergriffen werden müssen.

Ein schmutziges Geschäft

Doch die Firma tat – nichts. «Es gab keine Untersuchung der Firma, als die Verunreinigungen die Limiten übertrafen», schreibt die FDA, «und die Quelle der Verunreinigungen wurde nicht festgestellt.» Weiter: «Es gibt keine Belege dafür, dass Massnahmen ergriffen wurden, um die mikrobielle Verunreinigung (Bakterien und Schimmel) aus der Firma zu entfernen.»

Einige Tage vor der Veröffentlichung des FDA-Berichts hatte eine Behörde in Massachusetts ihrerseits festgestellt, dass Sauberkeit nicht zu den Stärken von New England Compounding gehört und schmutzige Türmatten, Geräte mit Rückständen und einen lecken Boiler beanstandet.

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

20 Minuten ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bruno am 27.10.2012 06:09 Report Diesen Beitrag melden

    Vielleicht..

    Vielleicht hat die Firma ja einen Manager, der seine stärken in der Gewinnmaximierung hat, aber bisher nicht wusste, dass hygiene auch wichtig ist.

    einklappen einklappen
  • branchr branchr am 27.10.2012 08:19 Report Diesen Beitrag melden

    genau...

    einige Tage vor der Veröffentlichung des FDA Berichts hatte eine Behörde festgestellt, dass Sauberkeit nicht zu den Stärken dieser Firma gehörte!!!!???? und was genau tat die Behörde in all den Jahren vorher ?????

    einklappen einklappen
  • Susanne am 27.10.2012 18:28 Report Diesen Beitrag melden

    Typisch FDA

    Ich habe schon Audits der FDA erlebt. Wie die ausländische Firmen überprüfen, wenn sie ein Produkt in den USA zulassen sollen, grenzt schon an Schikane. Aber bei eigenen Firmen, da versagt die FDA...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Susanne am 27.10.2012 18:28 Report Diesen Beitrag melden

    Typisch FDA

    Ich habe schon Audits der FDA erlebt. Wie die ausländische Firmen überprüfen, wenn sie ein Produkt in den USA zulassen sollen, grenzt schon an Schikane. Aber bei eigenen Firmen, da versagt die FDA...

    • Eye am 28.10.2012 01:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt

      genau

    • Looking Out am 28.10.2012 15:16 Report Diesen Beitrag melden

      in etwa so

      nicht nur FDA - auch die Ratingagenturen. GErichte, Staatsanwälte... Protektionismus eben. Und wir lassen es zu.

    einklappen einklappen
  • A.B. am 27.10.2012 14:53 Report Diesen Beitrag melden

    Wartet ab..

    Solche Storys wird man nun immer wie häufiger zu Lesen bekommen!

    • Adrian Bergmann am 27.10.2012 17:01 Report Diesen Beitrag melden

      Voll-Treffer

      Du redest meine Sprache, die Sparmassnahmen sind die Folgen dafür!! Das ist nur der Anfang!!

    • laborratte am 27.10.2012 18:31 Report Diesen Beitrag melden

      wir müssen sparen!

      ja wir müssen bei der gesundheit sparen! sonst können sich die leute die smartphones und die abos dazu nicht leisten. nicht zu vergessen sind auch die silbrigen rädli an den autos. die kann man dann als grabbeilage mitgeben.

    • Phil am 27.10.2012 19:00 Report Diesen Beitrag melden

      Solche Sprüche...

      kriegt man immer wieder zu lesen - Schade, dass ihr zwei nicht noch irgendwas à la "die Globalisierung" oder "die Banken" sind daran schuld reingebracht habt. Okay, erklärt mal, warum man solche Stories über private Pharma-KMUs, die sich nicht an Hygienevorschriften halten, öfter zu lesen bekommen wird, hm? Aber Hauptsache man hat mal was gesagt, gell?

    einklappen einklappen
  • Scarlett am 27.10.2012 10:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Akkreditierung?

    In der Schweiz werden Labors regelmässig überprüft!

    • Hans am 27.10.2012 17:54 Report Diesen Beitrag melden

      Jetzt noch.....,

      es fragt sich nur wie lange noch !

    einklappen einklappen
  • Christoph am 27.10.2012 10:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    8-seitiger Bericht?

    kann es sein, dass ein FDA Bericht lediglich 8 Seiten enthält, mit Titelblatt, Inhaltsverzeichnis und standartisierter Einleitung wird so ein Dokument wohl bereits mehr als 8 Seiten umfassen, und sonst wird der Bericht wohl nicht besonders detailiert sein?

    • M.M. am 27.10.2012 19:31 Report Diesen Beitrag melden

      Standard

      Titel und Inhaltsverzeichnis werden NIE zur tatsächlichen Seitenzahl hinzugezählt. Auch wird so ein Bericht keine seitenlange Einleitung enthalten.

    einklappen einklappen
  • Alessandro am 27.10.2012 09:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    aussen hui, innen pfui

    wenn man es kennt, wie die FDA europäische Pharmafirmen inspiziert und wie kleinlich sie nur auf die kleinsten Feststellungen reagiert (auch wenn nur regulatorisch, wie das Fehlen eines Visums auf einem von 100 000 Protokolle), dann muss man sich schon wundern, wie es so weit kommen kann. Aber es ist hier wie bei vielen Dingen, welche die Amis betrifft. Nach Aussen hui, innen pfui...