Machtlose Beobachter

03. Januar 2012 14:24; Akt: 03.01.2012 14:44 Print

«Sein Sturz ist nicht mehr aufzuhalten»«Sein Sturz ist nicht mehr aufzuhalten»

von Kian Ramezani - Assads Taktik, mit der Beobachtermission in Syrien auf Zeit zu spielen, könnte aufgehen, sagt Nahost-Experte Ulrich Tilgner. Trotzdem sei sein Regime langfristig am Ende.

«Wir haben die Heckenschützen mit unseren eigenen Augen gesehen», sagt ein Beobachter der Arabischen Liga Ende Dezember in der syrischen Stadt Dera. (Video: Youtube/anaskasham)
  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Wegen der anhaltenden Gewalt syrischer Sicherheitskräfte gegen Oppositionelle wächst die Kritik an dem Einsatz von Beobachtern der Arabischen Liga. Selbst innerhalb der Organisation gibt es Stimmen, die den sofortigen Abbruch der Mission fordern. Im Interview beleuchtet Nahost-Experte Ulrich Tilgner, wie Diktator Assad die divergierenden Interessen innerhalb der Arabischen Liga zu seinem Vorteil nutzt und warum er am Ende doch wird gehen müssen.

Ihre Beobachter bräuchten mehr Zeit, fordert die Arabische Liga. Fehlt es an Zeit oder liegt das Problem anderswo?
Das Problem liegt darin, dass die Arabische Liga der syrischen Opposition nicht in die Hände arbeiten will. Viele ihrer Mitgliedsländer stehen zu Hause selbst unter Druck.

Zwischen dem Leiter der Mission und dem Generalsekretär der Arabischen Liga ist es zu Misstönen gekommen.
Das zeigt, wie gespalten die arabische Welt ist. Der sudanesische General Mohammed al-Dabi ist ein Kompromisskandidat. Länder wie Algerien, Marokko, aber auch Jordanien haben kein Interesse daran, dass Assad gestürzt wird – ganz im Gegensatz zu Golfstaaten wie Saudi-Arabien und Katar.

Welches Interesse haben diese Länder am Ende Assads?
Wenn Assad geht, verliert ihr Erzfeind Iran seinen wichtigsten Verbündeten im Nahen Osten. Deshalb unterstützt Saudi-Arabien die syrische Opposition auch mit Geld und Waffen.

Und die Gefahr ethnischer und religiöser Verwerfungen?
Mit denen könnten die Golfstaaten relativ gut leben, Syrien ist weit weg.

Gefangene sollen verlegt und Strassenschilder vertauscht worden sein. Was bezweckt die syrische Führung mit diesem durchsichtigen Katz-und-Maus-Spiel?
So durchsichtig ist es leider nicht. Dass Gefangene verlegt worden sind, ist schwer zu beweisen, weil unabhängige Beobachter keinen Zugang zu allen syrischen Gefängnissen erhalten. Die Opposition kann solche Behauptungen aufstellen, doch die Beobachter müssen verifizieren und Beweise vorlegen.

Dann geht Assads Plan auf?
Kurzfristig vielleicht. Ein irakischer Politiker sagte mir, er gebe seinem Regime noch ein paar Monate. Ich persönlich gehe von ein bis anderthalb Jahren aus. Assads Sturz ist nicht mehr aufzuhalten. Um diesen zu verhindern, müsste er der Opposition gewaltige Angebote machen, aber solche sind nicht in Sicht.

Droht die Arabische Liga nach ihrem beherzten Eingreifen in den Libyenkrieg und den Boykottbeschlüssen gegen Syrien wieder in die Bedeutungslosigkeit zu versinken?
Im vergangenen Jahr hat sich die Arabische Liga unter dem Vorsitz Katars sehr weit vorgewagt. Das wurde inzwischen wieder korrigiert. Langfristig wird die Organisation wieder macht- und bedeutungslos werden.

20min Login Facebook Connect
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 72 Stunden, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.
  • samuel striicher am 04.01.2012 13:05 Report Diesen Beitrag melden

    Wo bleibt die Wahrheit?

    leider nicht die wahrheit über syrien. Informiert euch auf anderen Kanälen.

  • Nico am 04.01.2012 12:38 Report Diesen Beitrag melden

    Unsere tägliche portion propaganda...

    so ein quatsch! in diesem bericht wird das land dargestellt als ob es tatsächlich eine legitimierte opposition gäbe. wer auch nur ein bischen etwas von geostrategie versteht sieht aber den grösseren zusammenhang. ausserdem sollte mitlerweile jeder schweizer bürger etwas gelernt haben aus der vergangenheit. siehe irak, afghanistan, lybien... syrien und der iran sind nur ein weiteres teil des puzzles, jedoch ein teil, an dem sich der amerikanische militärisch-industrielle komplex die zähne endgültig ausbeissen wird. das provoziert den grössten krieg, der die menschheit je gesehen hat! traurig