Skandal in der Charité

24. Oktober 2012 16:01; Akt: 24.10.2012 18:23 Print

Babyleiche verschwunden - Arzt verprügelt

Unglaubliche Zustände im Berliner Charité-Krankenhaus: Die Staatsanwaltschaft sucht nach einer Babyleiche, die das Krankenhaus längst bestattet hat. Und ein Chefarzt wird von Unbekannten verprügelt.

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Die Berliner Charité steckt tief in den Negativschlagzeilen. (Bild: Keystone/Marc Tirl)

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Verwirrung pur an der Berliner Charité: Als die Berliner Staatsanwaltschaft die Leiche des am 5. Oktober verstorbenen Frühchens obduzieren wollte, fehlte von dieser jede Spur. «Die Leiche ist nicht da», sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Mittwoch. Man ermittle auf Hochtouren.

Kurze Zeit später erfolgte die Entwarnung aus der Charité: Das tote Kind sei vermutlich bereits beerdigt worden, teilte das Krankenhaus mit. Das Klinikum habe die Berliner Staatsanwaltschaft am Dienstag über die Identität des Säuglings und den Wohnort der Eltern informiert. Da das Kind im Deutschen Herzzentrum Berlin verstorben sei, habe die Charité keine Kenntnisse von den näheren Umständen nach dem Tod des Kindes. «Nach unserem vorläufigen Kenntnisstand wurde das Kind beigesetzt.»

Eine Sprecherin des Herzzentrums bestätigte schliesslich: «Der Weg des Leichnams des Kindes ist nachvollziehbar.» Weitere Details wollte sie mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht bekanntgeben. Die Frage bleibt, wieso die Staatsanwaltschaft von der Bestattung nichts erfahren hatte.

Gynäkologe mit Holzlatten verprügelt

Doch damit nicht genug: Während die offiziellen Behörden der verschwundenen Babyleiche hinterherjagten, übten Unbekannte offenbar Selbstjustiz. Am Dienstag ist der Chef der Gynäkologie laut Spiegel Online in seinem Büro brutal überfallen worden. Zwei Männer drangen am Nachmittag ins Büro des Arztes ein, traten ihn und droschen mit Holzlatten auf ihn ein. Beim brutalen Angriff brachen ihm die Schläger eine Rippe und fügten ihm diverse Prellungen sowie Schürfwunden zu. Der Grund: Die Täter warfen dem Gynäkologen vor, eine Patientin falsch behandelt zu haben.

Ob der Überfall in Zusammenhang mit den Vorkommnissen auf der Frühgeborenenstation steht, ist nicht bekannt, die Täter sind flüchtig.

(jbu)