17. Januar 2007 22:18; Akt: 17.01.2007 22:23 Print

Geschlagen, getreten, an Ketten aufgehängt

Der Deutsch-Türke Murat Kurnaz hat in seiner Anhörung vor dem deutschen Verteidigungsausschuss massive Misshandlungen in einem US-Gefangenenlager im südafghanischen Kandahar geschildert.

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Kurnaz wiederholte seine Vorwürfe gegen Soldaten der deutschen Elitetruppe KSK (Kommando Spezialkräfte). Abgeordnete von Koalition und Opposition zeigten sich nach der knapp dreistündigen Aussage des langjährigen Guantánamo-Häftlings am Mittwochabend erschüttert.

Der 24-Jährige sei nach eigenen Worten vier oder fünf Tage lang an Ketten aufgehängt und nur herabgelassen worden, um von Ärzten auf seine weitere «Folterfähigkeit» überprüft zu werden, sagte der Grüne Winfried Nachtwei.

Kurnaz selbst äusserte sich nicht öffentlich. Er erschien mit einem langen Bart vor dem Gremium, das sich zur Klärung des Falles in einen Untersuchungsausschuss umgewandelt hat. Am Donnerstag soll Kurnaz vor dem BND-Untersuchungsausschuss aussagen, der öffentlich tagt. In dem Fall ermittelt auch die Staatsanwaltschaft Tübingen.

Der in Bremen geborene Türke war Ende 2001 nach eigener Aussage in Pakistan festgenommen und nach einem Zwischenstopp in Afghanistan nach Guantánamo gebracht worden. Erst im August 2006 kam Kurnaz frei.

Er erklärte, ein KSK-Soldat habe ihn an den Haaren gepackt, mit dem Kopf auf den Boden geschlagen und getreten. Der zweite Soldat habe dabei gestanden. Das Verteidigungsministerium hatte Kontakte zwischen KSK-Soldaten und Kurnaz bestätigt, die Misshandlungsvorwürfe aber zurückgewiesen.

(sda)