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Kriegsverbrechen im Irak
25. Januar 2012 11:37; Akt: 25.01.2012 13:24 Print
«Ich werde immer als Monster gelten»
Beim Massaker von Haditha töteten US-Soldaten 24 Zivilisten – darunter Kinder. Frank Wuterich hatte die Truppe angeführt und stand nun vor einem Militärgericht. Ins Gefängnis muss er nicht.

Frank Wuterich befindet sich zusammen mit seiner Anwältin auf dem Weg zum Militärgericht. (Bild: AFP)
Es war eines der schwersten Kriegsverbrechen, die US-amerikanische Soldaten im Irak begangen hatten. Eine Gruppe Marine-Infanteristen unter dem Kommando von Frank Wuterich reagierte auf den Tod eines Kameraden bei einem Bombenanschlag mit einem regelrechten Rachefeldzug. Am 19. November 2005 zog die Truppe durch die Stadt Haditha in der Provinz al-Anbar im Nordwesten des Iraks. Rund drei Stunden lang gingen sie von Haus zu Haus und töteten 24 Menschen. 14 Männer, drei Frauen und sieben Kinder – das jüngste davon gerade mal ein Jahr alt. Kinder seien laut Untersuchungen von Nahem getroffen worden, anderen Opfern wurde in den Kopf geschossen, schreibt «The Telegraph».
Die US-Armee hatte anfangs erklärt, die Zivilisten seien durch einen Sprengsatz ums Leben gekommen. Recherchen des US-Magazins «Time» brachten das Massaker 2006 schliesslich ans Licht. Folgen hatte dies für die beteiligten Soldaten aber keine. Am Dienstag entschied ein Militärrichter in Kalifornien, dass auch der letzte der ursprünglich acht Soldaten, Frank Wuterich, nicht ins Gefängnis muss. Damit endet der letzte Prozess in dem Fall. Die Verfahren gegen sieben andere Soldaten, die sich wegen des Massakers zu verantworten hatten, waren in den vergangenen Jahren aus verschiedenen Gründen bereits eingestellt worden.
90 Tage Haft und doch kein Gefängnis
Das Militärgericht auf dem Stützpunkt Camp Pendleton verurteilte den Unteroffizier Frank Wuterich nach Angaben eines Armeesprechers am Dienstag (Ortszeit) wegen Verletzung der Dienstpflicht zwar zu 90 Tagen Haft. Diese muss er aber aus Verfahrensgründen nicht absitzen. Wuterich habe keinerlei Emotionen gezeigt, als das Urteil verkündet wurde, schreibt «The Telegraph».
Wuterich hatte sich am Montag schuldig bekannt, bei der Tötung von 24 Zivilisten im irakischen Haditha durch seine Einheit im November 2005 seine Dienstpflicht verletzt zu haben. Er gab zu, seinen Marine-Soldaten befohlen zu haben: «Shoot first and ask questions later» – also zuerst zu schiessen, dann erst die Fragen zu stellen. Aufgrund des Geständnisses liess die Anklage den Vorwurf des Totschlags fallen. Nach der zwischen Anklage und Verteidigung geschlossenen Vereinbarung hatten Wuterich maximal drei Monate Gefängnis gedroht.
Wuterich hatte sich bei den Angehörigen für seine Taten entschuldigt, diese aber auch verteidigt. Den Befehl «Shoot first, ask later», habe er «nicht in der Absicht erteilt, dass sie Zivilisten erschiessen. Es ging darum, dass sie gegenüber dem Feind nicht zögern sollten». Die Verteidigung argumentierte, dass es wegen der heftigen Kampfsituation, in der sich die Truppe befand, Tote gegeben hatte. Die Marine-Soldaten hätten geglaubt, sie würden angegriffen.
Unterschiedliche Versionen
Es liegen unterschiedliche Aussagen darüber vor, was am 19. November 2005 ganz genau passiert ist. Sicher ist, dass an besagtem Morgen eine Strassenbombe explodierte. Der Fahrer von Wuterichs Truppe kam dabei ums Leben. Wuterich schoss danach auf fünf Männer, die er verdächtigte, die Bombe gelegt zu haben. Er rechtfertigte sich damit, dass sich die Männer, die, wie man später sah, unbewaffnet gewesen waren, geweigert hatten, auf seinen Befehl hin anzuhalten.
Wuterichs Männer stürmten daraufhin zu vier Nachbarshäusern. Laut den Aussagen der Marines hatten sie den Eindruck gehabt, sie seien von den Häusern aus beschossen worden. Die Nachbarn sagten hingegen, die Marine-Truppen seien von niemandem beschossen worden. Die US-Soldaten hingegen seien mehrere Stunden lang von Haus zu Haus gezogen und hätten die unbewaffneten Zivilisten exekutiert – darunter einen 76-jährigen Mann im Rollstuhl.
Immer mit Massaker verbunden
Wuterich sagte, dass ihm bewusst sei, «dass mein Name immer mit dem Massaker verbunden sein wird, dass ich als kaltblütiger Baby-Mörder gelte, ein Monster ausser Kontrolle». Seine Truppe habe sich aber unter den extremen Umständen ehrenhaft verhalten. Dass Zivilisten starben, tue ihm leid, in derartigen Situationen sei das aber nicht immer zu verhindern.
Bei der Verkündung des Strafmasses am Dienstag degradierte das Militärgericht den Unteroffizier zum einfachen Gefreiten. Gehaltseinbussen wurden aber nicht gegen den 31-Jährigen verhängt. Das Gericht führte als mildernden Umstand Wuterichs Situation als alleinerziehender Vater an.
Im Irak sorgte das Urteil für Aufregung. Ali Badr, ein Bewohner des Dorfs Haditha und ein Verwandter eines Opfers, sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, es sei «eine Beleidigung für alle Iraker» und ein «deutlicher Beweis, dass die Amerikaner die Menschenrechte nicht respektieren». Besonders in der Kritik steht der Satz «shoot first, ask questions later». Khalid Salman, der Anwalt der Angehörigen der Opfer, sagte, dass der Satz «muslimisches Blut abwertet». Er werde das Urteil anfechten. «Das hier ist kein Verkehrsvergehen.»
(ske/sda)
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Alle 172 Kommentare

























nicht euer ernst?!?
Es nervt mich wenn User hier solche Dinge rechtfertigen "nur" weil Krieg ist. Man geht doch nicht Kinder töten weil ein Kamerad ums Leben kam.
ihr wisst wie krieg sein könnte
ihr wisst nicht was krieg überhaupt ist! ihr könnt nur gut kommentieren und stellt euch ein virtuelles krieg im kopf zusammen. wisst ihr was? die menschen die im krieg waren, die reden gar nicht über krieg sie wollen gar nicht an das erinnert werden. ich kenne solche die im krieg waren mit denen kann man nicht einfach über das reden. also hört auf solchen unsinn zu erzählen, vonwegen ihr könnt sie verstehen,sofort entscheidungne treffen.
Und wer von Euch war schon im Krieg?
Sicher hört sich diese Tat scheusslich an. Aber keiner, der nicht schon mal in der Situation von diesen Soldaten war, hat das Recht darüber zu urteilen. Dort herrschte KRIEG. Dort war nicht das grösste Problem, ob ich den Feierabendzug noch rechtzeitig erwische. Oder ob ich diese oder die andere Handtasche zur Arbeit neheme. Jeder Soldat der das erste Mal aktiv in einer Krieg involviert ist, ist ein erster Linie ein Opfer. Opfer seines Landes, Opfer der Politiker, Opfer der Regierung....
@Walter
Ich war nie im Krieg und ich nehme an du auch nicht. Aus den selben Gründen wie du habe ich daher auch oft ein gewisses Verständnis für das Fehlverhalten von Soldaten. Wenn sie innert Sekunden eine Entscheidung über Leben und Tod treffen müssen. Z.B. wenn ein Wagen vor dem Checkpoint nicht bremst und sie schiessen und Zivilisten töten, dann ist es ein Kollateralschaden. Tragisch aber unvermeidbar. Aber wenn sie 3 Stunden lang von Haus zu Haus ziehen und Kleinkinder erschiessen, dann ist das unentschuldbar! Und es sollte aus rein politischen Gründen schon eine viel härtere Strafe geben!