Partei ermittelt

05. November 2012 11:01; Akt: 05.11.2012 11:37 Print

Wen Jiabaos Vermögen unter der Lupe

Nach einem Bericht über das Milliardenvermögen des chinesischen Regierungschefs Wen Jiabao hat die KP eine Untersuchung eingeleitet. Wens «moralische Einstellung» wird offenbar hinterfragt.

storybild

Wen Jiabao ist wegen seines Vermögens unter Beschuss. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Chinas Kommunistische Partei hat offenbar eine Untersuchung zum Vermögen der Familie von Regierungschef Wen Jiabao eingeleitet. Die «New York Times» hatte vergangene Woche berichtet, Wens Familie besitze Reichtümer in Milliardenhöhe.

Wen selbst habe den Ständigen Ausschuss des Politbüros der KP, dem er selbst angehört, in einem Schreiben um die Untersuchung gebeten, berichtete die Zeitung «South China Morning Post» am Montag. Er reagiere damit auf einen Bericht der «New York Times» vom Donnerstag, wonach seine Familie Reichtümer in Höhe von umgerechnet 2,5 Milliarden Franken angehäuft habe.

Dem «NYT»-Bericht zufolge verfügt Wen selbst über keine Beteiligungen, genannt werden aber unter anderem seine Mutter, seine Frau, sein Sohn und seine Tochter.

Die «South China Morning Post» berichtete, konservative Parteigrössen, deren Unzufriedenheit mit Wens «moralischer Einstellung» bekannt sei, hätten den Regierungschef gedrängt, «ausführliche Erklärungen zu allen wesentlichen Anschuldigungen abzugeben».

Dementi und Zensur

Der Bericht der «New York Times» steht dem Bild Wens entgegen, ein bescheidener Staatsdiener zu sein, der streng gegen Korruption und Vetternwirtschaft in der Volksrepublik vorgeht. Die Enthüllungen sind besonders brisant, da am Donnerstag der 18. Parteitag der Kommunisten beginnt, bei dem Wen Jiabao und Präsident Hu Jintao die Übergabe der Führung an die nächste Generation auf den Weg bringen sollen.

Anwälte von Wens Familie hatten den Bericht am Sonntag als «unwahr» zurückgewiesen. Die chinesischen Behörden reagierten unterdessen mit weitreichenden Zensurmassnahmen im Internet auf den Artikel. Die «NYT»-Webseite war am Wochenende in China nicht zugänglich, und alle Kommentare in chinesischen Internetforen zu dem Artikel wurden gelöscht.

Dass nun über die parteiinterne Untersuchung der Vorwürfe berichtet wurde, ist ungewöhnlich. Normalerweise achtet die Kommunistische Partei sehr darauf, dass ihre Interna nicht nach draussen dringen.

(sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bruno Schmid am 05.11.2012 11:26 Report Diesen Beitrag melden

    was wollt ihr denn?

    China ist doch ein Musterschüler der Freien Marktwirtschaft. Das Volk hungert während Führung und engste Freunde Millarden beiseite schaffen...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bruno Schmid am 05.11.2012 11:26 Report Diesen Beitrag melden

    was wollt ihr denn?

    China ist doch ein Musterschüler der Freien Marktwirtschaft. Das Volk hungert während Führung und engste Freunde Millarden beiseite schaffen...

    • Congming am 05.11.2012 12:11 Report Diesen Beitrag melden

      Genau

      Es gibt wohl kein kapitalistischeres Land als China, die Chinesen waren schon immer ein Volk von Händlern, Bauern und Beamten. Gratis gibt es nichts, sogar in Spitälern muss man vorher zahlen, sonst wird man nicht behandelt.

    • Teddy am 05.11.2012 12:28 Report Diesen Beitrag melden

      eben nicht

      In China existiert eben gerade keine freie Marktwirtschaft. Die Wirtschaft ist unterwandert mit Vetternwirtschaft und nur parteitreue Personen provitieren von der wirtschaftlichen Entwicklung. Partei Mitglieder Zonen bebautes Land um, und verschachern dieses dann teuer an Spekulanten oder gründen Sonderwirtschaftszonen, was das Stück Land noch atraktiver und wertvoller macht. Das hat absolut nichts mit freier Marktwirtschaft zu tun.

    • Alex am 05.11.2012 17:54 Report Diesen Beitrag melden

      @ Bruno Schmid & Co

      Keiner hat recht. In China waren schon immer die Beamten die reichsten Leute. Diese Joint Ventures, die ausländische Firmen mit chinesischen Funktionären machen lohnen sich eben für diese Funktionäre, aber die Firmen alleine könnten ohne diese Beziehungen gar nichts erreichen. Ohne die richtigen Leute im Boot zu haben kann man in China nicht arbeiten, jedenfalls wenn man nicht gerade ein internationaler Grosskonzern ist. Es ist noch ein langer und steiniger Weg, bis wir eine ähnliche "Marktwirtschaft" sehen, wie wir sie im Westen kennen, wenn überhaupt.

    einklappen einklappen