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Ölpest
25. Februar 2010 12:17; Akt: 25.02.2010 14:52 Print
Wettlauf gegen die Zeit
Nachdem Millionen Liter Öl absichtlich abgelassen wurden, erweisen sich die schwimmenden Barrieren am norditalienischen Fluss Po als unzureichend.
Der Kampf gegen die Ölpest ist für Feuerwehr und Zivilschutz zum Wettlauf gegen die Zeit geworden. «Die Strömung ist zu stark, daher werden wir jetzt feste Barrieren aufbauen», kündigte der Präfekt von Piacenza, Luigi Viana, am Morgen an. Der Fluss ist durch den besonders regenreichen Winter stark angeschwollen. Die Barrieren im Norden hätten das Öl aufhalten sollen, damit es hätte abgesaugt werden können.
Helfer versuchen Öl aus dem Po-Nebenfluss Lambro abzuschöpfen.(Bild: Keystone)
Die Ausmasse der Katastrophe sind bisher noch nicht abzuschätzen. Die Behörden rieten der Bevölkerung der betroffenen Gebiete inzwischen, kein Leitungswasser mehr zu trinken. Ein Gesundheitsrisiko durch den Verzehr von Lebensmitteln aus der Gegend bestehe hingegen bisher nicht, betonte der italienische Landwirtschaftsverband Coldiretti.
Nach Angaben von Umweltschützern verendeten bereits Dutzende Wasservögel und Wildtiere. Sollte die schwarze Flut die Adria erreichen, seien auch hier etwa 10 000 Arten der Meeresflora und - fauna in Gefahr, befürchteten die Experten.
Kläranlage verseucht
Am Dienstag hatten Unbekannte vermutlich absichtlich mehrere Tanks der stillgelegten Raffinerie Lombarda Petroli di Villasanta geöffnet. Zwischen zwei und zehn Millionen Liter Heiz- und Dieselöl waren zum Teil in der Kläranlage von Monza aufgefangen worden.
Der Rest des Altöls - italienische Medien sprachen von 600 000 Litern - schwappte zunächst in den Po-Nebenfluss Lambro. Nördlich von Piacenza erreichte die Ölpest dann am Mittwoch die 650 Kilometer lange Wasserader.
Bauspekulanten am Werk?
Die Verseuchung der Kläranlage, die etwa 70 Prozent der giftigen Flüssigkeit aufgefangen haben soll und nun für voraussichtlich drei Wochen ausser Gefecht gesetzt ist, stellt ein weiteres Problem dar. Denn die Abwässer der rund 800 000 Einwohner der Gegend fliessen im Moment ungeklärt in den Lambro.
Die Hintergründe der Tat lagen auch am Donnerstag noch weitgehend im Dunkeln. Die Staatsanwaltschaft von Monza eröffnete Ermittlungen gegen Unbekannt. Italienische Medien vermuteten Bauspekulationen hinter der kriminellen Tat. So seien Grossbauprojekte in der Nähe der seit Jahren stillgelegten Raffinerie geplant.
Politiker fordern Ausnahmezustand
Der Zivilschutz geht davon aus, dass all das Öl, das nicht abgeschöpft werden kann, in den nächsten vier Tagen die Po-Mündung erreicht. Die Region Lombardei forderte die Regierung auf, den Ausnahmezustand für die Region zu gewähren.
Die grüne Partei «Legambiente» forderte dies für ganz Italien und drängte die Regierung zu grösserer Eile. «Diese Umweltkatastrophe ist bisher mit einer unglaublichen Langsamkeit behandelt worden», klagte der Präsident der Organisation, Vittorio Cogliati Dezza, am Donnerstag.
Fachleute der italienischen Fraktion der Naturschutzorganisation «World Wide Fund For Nature» (WWF) hatten bereits am Mittwoch von einem «Desaster mit Langzeit-Auswirkungen» gesprochen.
(sda)






















