US-Jobmarkt

06. Juli 2012 18:44; Akt: 07.07.2012 01:19 Print

Schwache Zahlen sind Munition für Mitt Romney

Nur 80 000 neue Jobs gab es in den USA im Juni. Das sind keine guten News - weder für die 8,2 Prozent Arbeitslosen, noch für Präsident Barack Obama.

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Willard Mitt Romney wurde am 12. März 1947 in Detroit (Michigan) geboren. Er entstammt einer traditionsreichen Mormonen-Familie, deren Wurzeln bis in die Anfänge der Religionsgemeinschaft in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zurückreichen. Vater George Romney mit dem jüngsten seiner vier Kinder. Es verdankt seine Vornamen dem Hotelmagnaten Willard Marriott, einem Freund und Glaubensbruder von George, und dessen Cousin Milton «Mitt» Romney, einem erfolgreichen Football-Quarterback. Der sechsjährige Mitt beim Baseball. Er wuchs in gut situierten Verhältnissen auf. Sein Vater war anfangs in der Aluminium-Branche tätig und wechselte dann in die in Detroit dominierende Autoindustrie. Mitt Romney 1957 als Zehnjähriger am Steuer eines Autos der Marke Nash, das von der American Motors Corporation (AMC) hergestellt wurde. George Romney war 1954 Chef des Unternehmes geworden und rettete es vor dem Konkurs. 1962 kandidierte George Romney mit Erfolg als Gouverneur von Michigan. Aus diesem Anlass entstand das Foto mit Ehefrau Lenore, den beiden Töchtern Lynn und Jane und ihren Familien sowie dem jüngeren Sohn Mitt (hinten). Der ältere Sohn Scott war damals auf Missionseinsatz in England. George und Mitt Romney 1964 beim Besuch der Weltausstellung in New York. Vier Jahre später bemühte sich Romney senior erfolglos um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner. Er war danach vier Jahre lang Bauminister im Kabinett von Wahlsieger Richard Nixon. Als 19-jähriger Student an der renommierten Universität Stanford in Kalifornien beteiligte sich Romney (rechts) an Kundgebungen gegen die Anti-Vietnamkriegsbewegung. Von 1966 bis 1968 war Mitt Romney (l.) als Missionar in Frankreich tätig. Ein solcher Einsatz wird von jungen männlichen Mormonen erwartet. Überschattet wurde der Einsatz von einem schweren Unfall, bei dem Romney am Steuer eines Citröen DS unverschuldet mit dem Auto eines katholischen Priesters kollidierte. Er wurde lebensgefährlich verletzt, die Ehefrau des Missionsleiters kam ums Leben. 1969 heiratete der damals 22-jährige Mitt seine zwei Jahre jüngere High-School-Liebe Ann Lois Davies. Sie hatte während seiner Missionstätigkeit in Frankreich auf ihn gewartet und war ihm zuliebe der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage beigetreten. Mitt und Ann mit den fünf Söhnen Tagg, Ben, Matt, Craig und Josh (von links) in einer Aufnahme von 1982. Die Familie lebte damals bereits in Massachusetts, wo Romney an der Elite-Universität Harvard studiert hatte und danach als Unternehmensberater in Boston arbeitete. 1977 wurde Romney von William Bain (r.) in dessen Beratungsfirma geholt. Gemeinsam gründeten sie 1984 die Private-Equity-Gesellschaft Bain Capital. Mitt Romney wurde ihr Chef und damit zum Multimillionär. 1994 versuchte Mitt Romney den Sprung in die Politik: Er wollte dem demokratischen Urgestein Edward Kennedy den Sitz im US-Senat abjagen. Bei der Bekanntgabe seiner Kandidatur waren auch seine Eltern Lenore und George Romney (links) anwesend. Anfangs sah es gut aus, doch nachdem Kennedy ihn als «Arbeitsplatzvernichter» angeprangert hatte, verlor Romney mit 41 zu 58 Prozent klar. Der nächste Karrieresprung führte Romney 1999 an die Spitze der Olympischen Winterspiele 2002 in Salt Lake City. Diese waren nach einem Korruptionsskandal akut gefährdet, doch Romney schaffte den Turnaround und machte die Spiele zu einem grossen Erfolg. Erfolgreich verlief auch sein zweiter Anlauf in der Politik: 2002 wurde er zum Gouverneur von Massachusetts gewählt, womit er endgültig in die Fussstapfen seines Vaters trat. Als grösste Errungenschaft betrachtete er lange ein Gesetz, dass allen Einwohnern von Massachusetts eine Krankenversicherung ermöglichte. Bei der Unterzeichung im April 2006 war auch Edward Kennedy (Mitte) anwesend, der lange für dieses Anliegen gekämpft hatte. Vor dem Hintergrund von Barack Obamas Gesundheitsreform wird Romney heute deswegen aus den eigenen Reihen hart kritisiert. Auf eine zweite Amtszeit als Gouverneur verzichtete Mitt Romney, weil er 2008 für die Präsidentschaft kandidieren wollte. Er unterlag jedoch in der republikanischen Vorausscheidung gegen John McCain (l.), unter anderem weil er auf die Wähler hölzern und unnahbar wirkte. Vier Jahre später folgte der zweite Anlauf: Am 2. Juni 2011 gab er gemeinsam mit Ehefrau Ann seine Kandidatur für die Wahl 2012 bekannt. Ann Romney war 1998 an Multipler Sklerose erkrankt, 2008 wurde bei ihr ausserdem Brustkrebs diagnostiziert. Mitt hatte deswegen zeitweise erwogen, seine politische Karriere aufzugeben. Mitt Romney im Kreis seiner Mitbewerber. Obwohl das republikanische Feld als schwach eingestuft wurde, hatte der Mormone aus dem liberalen Massachusetts lange Mühe, sich bei der weit nach rechts gerückten Parteibasis gegen konservativere Rivalen durchzusetzen. Mitt Romneys Familie ist inzwischen enorm gewachsen, er ist bereits 18-facher Grossvater. Der Kinderreichtum ist Ausdruck des beinahe sprichwörtlichen Familiensinns der Mormonen.

Das ist Mitt Romney.

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Eine Arbeitslosenquote von unverändert 8,2 Prozent und ein schwächer als erwarteter Zuwachs an neuen Jobs bringen US-Präsident Barack Obama in Bedrängnis. Nur 80 000 zusätzliche Arbeitsplätze wurden im Juni ausserhalb der Landwirtschaft gemeldet. Damit verfehlt der Zuwachs den dritten Monat in Folge Werte, die einen spürbaren Aufschwung signalisieren könnten.

Für Obama sind die Daten ein herber Rückschlag - ein viel zu geringer Zuwachs, um die für US-Verhältnisse deprimierende Sitation am Arbeitsmarkt zu verbessern. Bis zur Wahl im November verbleiben dem Amtsinhaber nur noch vier solcher Monatsberichte, um den Eindruck zu zerstreuen, seine Wirtschaftspolitik verfehle das wichtigste Ziel - die Schaffung neuer Jobs.

Jobverluste im öffentlichen Sektor

Im Vorjahresmonat war der Beschäftigungsanstieg mit 84 000 ähnlich enttäuschend gewesen, insgesamt gab es im vergangenen Jahr nur vier Monate, in denen der Anstieg über 200 000 neuen Arbeitsplätzen lag. Zuwächse in solcher Grössenordnung aber sind notwendig, um nach Einschätzung von Experten den Verlust von über acht Millionen Jobs in Folge der Finanzkrise der Jahre 2008 und 2009 allmählich zu kompensieren und die Arbeitslosenquote spürbar zu senken. Aber der Beschäftigungsaufbau im privaten Sektor, der inzwischen deutlich bessere Zahlen aufweist, reicht nicht aus, um den fortschreitenden Abbau von Arbeitsplätzen im öffentlichen Dienst auszugleichen.

Der leitende Wirtschaftsberater im Weissen Haus, Alan Krueger, machte die oppositionellen Republikaner für die Arbeitsmarktmisere mitverantwortliche. Sie hätten Konjunkturprogramme blockiert. «Würden wir mehr in solche Programme investieren, so hätten wir ein deutlich besseres Bild», sagte er. Er verwies darauf, dass der private Sektor seit 29 Monaten einen kontinuierlichen Beschäftigungszuwachs aufweise.

Daten sind Munition für Romney

Die Republikaner wiederum antworteten auf den Arbeitsmarktbericht sofort mit scharfen Angriffen auf die Obama-Regierung. Ihr wahrscheinlicher Präsidentschaftskandidat Mitt Romney sprach in einer ersten Stellungnahme von «deprimierenden Nachrichten». Nicht nur die Daten vom Arbeitsmarkt, sondern alle Nachrichten aus der Wirtschaft zeigten, dass Obama versagt habe. «Die Politik dieses Präsidenten hat nicht dazu geführt, dass Amerika wieder zum Arbeiten kommt», sagte Romney.

Die Börse reagierte auf die Nachrichten mit Kursverlusten auf breiter Front, die von den Telekommunikationswerten angeführt wurden. Die anderen in den vergangenen Tagen bekannt gewordenen ökonomischen Daten liessen allerdings Hoffnung auf einen allmählich sich beschleunigten Wirtschaftsaufschwung aufkommen. Insbesondere der Automobilsektor überraschte mit positiven Zahlen. Chrysler beispielsweise meldete einen Zuwachs von Verkäufen von 20 Prozent in den ersten sechs Monaten und erreichte damit in etwa wieder die Zahlen vor der grossen Krise. Und auch die Daten über den privaten Konsum weisen nach oben. Der deutliche Anstieg des Dollars insbesondere gegenüber dem Euro hat allerdings dazu geführt, dass die Gewinne im Exportsektor stark schrumpften.

(dapd)