Wie die Kinder

20. Juni 2012 13:25; Akt: 20.06.2012 13:41 Print

David und Cristina kreuzen die Klingen

von Kian Ramezani - Am G20-Gipfel kam es zum Wortgefecht zwischen den Regierungschefs Grossbritanniens und Argentiniens über die Falkland-Inseln. Fazit: Politiker sind auch nur Menschen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das alles beherrschende Thema am G20-Gipfel im mexikanischen Los Cabos mag die Euro-Krise gewesen sein, doch David Cameron und Cristina Fernández de Kirchner hatten noch eine bilaterale Angelegenheit zu besprechen: Die Kontroverse um die britischen Falkland-Inseln, die Argentinien für sich beansprucht und um die sie vor dreissig Jahren sogar einen Krieg ausfochten.

Bisher pflegten die beiden Regierungschefs ihre Ansichten zu diesem Reizthema aus sicherer Entfernung und über Communiqués kundzutun. Doch an den G20-Sitzungen sassen sie über längere Zeit im selben Raum. Ganz offensichtlich hatten sich beide auf ein potentiell heikles Aufeinandertreffen vorbereitet.

Die Kontaktaufnahme ging vom britischen Premier aus. Recht unvermittelt soll er die argentinische Präsidentin abgepasst und ihr dafür gedankt haben, dass sie sich wie er für eine aktivere Rolle der Europäischen Zentralbank in der Eurokrise ausgesprochen hatte. Dann fügte er an, Argentinien täte gut daran, im Falkland-Disput die Meinung der Inselbewohner zu respektieren. Zudem würden diese bald eine Volksbefragung durchführen.

Kirchner-Entourage stand bereit

Wenn Cameron dachte, er könne Kirchner mit seiner wohlwollenden Einleitung und dem anschliessenden Seitenhieb überrumpeln, täuschte er sich: Die argentinische Präsidentin hatte für ihren Amtskollegen ein Falkland-Dossier mit den entsprechenden UNO-Resolutionen zusammengestellt und wollte es ihm aushändigen. Das lehnte Cameron ab und verschwand. Doch Kirchners Entourage war vorbereitet und filmte die peinliche Szene.

Das Aufeinandertreffen hätte an dieser Stelle enden können, doch auf beiden Seiten kam nun die PR-Maschinerie in Gang. Aus London verlautete, Kirchner habe von England-kritischen Schlagzeilen in spanischsprachigen Medien «geschwafelt», in einem Tempo, das selbst ihren Übersetzer überforderte. Wenn Argentinien einen Brief aufgeben wolle, solle es sich an das Büro der britischen Delegation wenden. «Aber eigentlich brauchen wir keinen Brief von Kirchner, um zu wissen, was in den UNO-Resolutionen steht», hiess es.

Der argentinische Aussenminister Hector Timerman bezeichnete Grossbritannien seinerseits an einer eigens einberufenen Pressekonferenz als «berühmteste Kolonialmacht der Welt». Auf die Frage der BBC, ob Kirchner den G20-Gipfel dafür missbraucht habe, das Thema Falkland in Erinnerung zu rufen, antwortete er: «Sie lügen.»

Cameron der «Pirat», Kirchner «aufdringlich»

Revolverblätter an der Heimatfront schlachteten die Episode genüsslich aus, wobei patriotische Gefühle das eine oder andere Detail verzerrten. So nannte die britische «Mail Online» die argentinische Präsidentin «aufdringlich», obwohl die Kontaktaufnahme von Cameron ausgegangen war. Die «Crónica» aus Buenos Aires hingegen bezeichnete Cameron als «Piraten».