Familiendrama in den USA

02. Dezember 2012 20:46; Akt: 03.12.2012 00:00 Print

25-Jähriger ermordet Vater im Klassenzimmer

Mit Messer und Bogen bewaffnet stürmt ein junger Mann ein College in Wyoming. Was sich nach einem klassischen Amoklauf anhört, stellte sich als blutiges Familiendrama heraus.

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Am Freitagmorgen um 9 Uhr betritt ein 25-Jähriger das College in Casper, Wyoming. Bewaffnet mit zwei Messern und einem Bogen begibt er sich in ein Klassenzimmer und schiesst dem Lehrer einen Pfeil quer durch den Kopf – vor den Augen der versammelten Schülerschaft. Der Getroffene stürzt sich auf den Angreifer und ringt mit ihm, bis sich alle Schüler in Sicherheit bringen können. Wenig später ist er tot. Sein Mörder sticht darauf mehrmals auf sich selbst ein, auch er erliegt seinen Verletzungen.

Zu dem Zeitpunkt war die Standardprozedur des Colleges für einen Amoklauf längst im Gang: Nach dem ersten Notruf wurden alle Türen der Schule verriegelt, ebenso die der anderen Schulen im Bezirk, und alle verfügbaren Sicherheitskräfte wurden schnellstmöglich zum Tatort beordert. Doch was erst wie ein Amoklauf aussah, war gar keiner. Wie sich herausstellte, hatte der Täter vor seiner Attacke auf den Lehrer dessen Lebensgefährtin in ihrer Wohnung mit mehreren Messerstichen getötet. Die örtliche Polizei erklärte zugeknöpft, der Mörder und seine Opfer seien «in Beziehung zueinander» gestanden. Der «Spiegel» wird konkreter: Der 25-jährige Bogenschütze hat seinen Vater und dessen Lebensgefährtin ermordet.

Wie konnte es dazu kommen?

Nachdem diese Details in der Nacht auf Sonntag bekannt wurden, rätselt die USA, wie es dazu kommen konnte. Alle Beteiligten galten als freundliche und angenehme Zeitgenossen, selbst der Mörder. Der ermordete Lehrer James «Jim» Krumm, seine Lebensgefährtin und Arbeitskollegin, die Mathematiklehrerin Heidi Arnold, galten an der Schule als gute und sehr beliebte Lehrer. Für die Polizei ist Jim Krumm nun auch ein Held, weil er sterbend, mit einem Pfeil im Kopf mit seinem Mörder rang, bis alle Schüler die Klasse verlassen konnten.

Auch der Mörder Chris Krumm ist nie wirklich negativ aufgefallen. Er habe gerne ausdauernd gelächelt, heisst es, habe aber irgendwie neben den Dingen gestanden. Er galt als Top-Schüler, nur seine «sozialen Fähigkeiten waren nicht toll», sagt eine Lehrerin. Chris war wegen einem gut dotierten Job nach Vernon, Connecticut an die Ostküste gezogen – 3270 Kilometer weit weg von Casper.

Die Ausgangslage schien ein erfülltes Leben zu versprechen, doch das Schicksal löste dieses Versprechen nicht ein. Die Ermittler fanden heraus, das Chris an seinem neuen Wohnort völlig isoliert lebte. Auch seinen guten Job, der ihn an die Ostküste geführt hatte, verlor er bald. Machte er seinen Vater und dessen Freundin für seine Misere verantwortlich? Chris fuhr 30 Stunden quer durch die USA und vollzog seine Tat. Sie wirkt wie ein Racheakt – ein bis ins letzte Detail geplanter.

(rey)