Gesuch aus Polen

01. Juni 2016 11:01; Akt: 01.06.2016 11:01 Print

Polanski muss wieder vor US-Auslieferung zittern

Der Antrag der US-Justiz, Roman Polanski auszuliefern, wurde 2015 abgelehnt. Der polnische Justizminister will nun Berufung gegen den Entscheid einlegen.

Weil er Sex mit einer 13-Jährigen hatte: Polen fordert, das Auslieferungsverbot aufzuheben. (Video: Reuters)
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Vergangenen Herbst konnte der polnisch-französische Regisseur noch aufatmen, als ein Gericht seine Überstellung in die USA ablehnte. Doch der Justizminister der nationalkonservativen Regierung bringt den Fall wieder ins Rollen.

Die polnische Regierung will die Überstellung des Filmregisseurs Roman Polanski an die US-Justiz vorantreiben. Es gebe mit Washington ein Auslieferungsabkommen und dieses besage, dass der Angeklagte an die USA übergeben werden müsse, erklärte Justizminister Zbigniew Ziobro am Dienstag. Gegen ein vergangenes Jahr von einem Gericht in Krakau beschlossenes Auslieferungsverbot erhob Ziobro Einspruch.

Schutz durch Prominenz

Die US-Behörden haben eine Auslieferung Polanskis wegen eines Sexualverbrechens vor fast 40 Jahren beantragt. Der Regisseur von Filmen wie «Der Pianist», «Chinatown» und «Tanz der Vampire» hatte sich 1977 schuldig bekannt, bei einem Fotoshooting in Los Angeles Sex mit einer 13-Jährigen gehabt zu haben, war aber nach 42 Tagen im Gefängnis ausser Landes geflohen. Polanski hat die polnische und französische Staatsbürgerschaft. Er lebt in Paris, reist aber oft nach Polen, wo er aufgewachsen ist.

Justizminister Ziobro, der auch Generalstaatsanwalt Polens ist, habe beim Obersten Gerichtshof beantragt, das Urteil aus Krakau zu annullieren, weil es dem Auslieferungsabkommen mit den USA widerspreche, hiess es aus seinem Büro. Ziobro argumentierte, Polanskis Status als Prominenter habe ihn bisher vor einer Auslieferung geschützt.

«Herr Polanski ist ein freier Mann»

Das Gericht in Krakau hatte im Oktober entschieden, dass der mittlerweile 82-Jährige Polanski seine Strafe abgesessen habe, zum einen mit seiner Haft in den USA, zum anderen, als er bei einem erfolglosen US-Auslieferungsantrag von 2009 bis 2010 in der Schweiz zehn Monate in Gewahrsam war - zum Teil im Hausarrest. Der Richter argumentierte zudem, dass die US-Justiz 1977 kein faires Verfahren für Polanski gewährleistet habe. Einen Monat später hatte die Staatsanwaltschaft noch entschieden, dagegen keinen Einspruch zu erheben. Ziobro kam erst nach dem Urteil als Justizminister der neuen nationalkonservativen Regierung ins Amt.

Polanskis Krakauer Anwalt Jan Olszewski sagte der Nachrichtenagentur AP, er habe mit einem solchen Schritt Ziobro gerechnet. Aber: «Die Entscheidung des Gerichts steht und Herr Polanski ist ein freier Mann. Aber ich kann nicht ausschliessen, dass diese Situation seine Entscheidungen beeinflussen wird, nach Polen zu kommen.» Polanski wird in Polen sehr bewundert, wo er auch seinen Oscar-gekrönten Film «Der Pianist» aus dem Jahr 2002 gedreht hatte.

(sep/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jan am 01.06.2016 11:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Justizindustrie

    Bald der einzige Wirtschaftszweig der wächst, und zwar weltweit.

  • Tanja am 01.06.2016 12:31 Report Diesen Beitrag melden

    Falscher Film

    das erinnert mich irgendwie an eine Hexenjagd.... lasst es doch jetzt mal gut sein!

  • Böser Bube am 01.06.2016 12:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Shame on u PiS

    Es ist fast schon unglaublich. Eine Auslieferung eines eigenen Staatsbürgers voranzutreiben - und das nach 40 (!) Jahren. Also bitte... Polanski ist schliesslich kein Kriegsverbrecher.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rob62 am 01.06.2016 21:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sorry Polanski

    Vor der Weltmacht USA muss sich jeder beugen, egal aus welchem Land oder welcher Staatsangehörigkeit.

  • Schnabias am 01.06.2016 17:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Witz!

    Nun fangen die Polen auch noch an, Dreck zu schmeissen! Wenn man sich zurück erinnert an den Prozess damals in den USA, kommt man zum Schluss, dass der damalige Richter ganz klar voreingenommen war. Zudem hat die damals 13jährige die Klage vor einigen Jahren zurückgezogen. Und das Schlimmste: die Polen wollen nun allen Ernstes einen eigenen Staatsbürger ausliefern. Wann wurde je ein im Ausland angeklagter Amerikaner von den USA ausgeliefert? Eben! Musste mich eh damals als Schweizer über die Verhaftung bei uns schämen, aber das hier ist einfach nur noch lächerlich.

  • Polanski denkt sich: am 01.06.2016 13:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nie mehr Polen

    Und nun wird er nicht mehr nach Polen reisen. In Polen können die nun entscheiden was sie wollen.

  • mario am 01.06.2016 12:40 Report Diesen Beitrag melden

    CH musste Polanski liefern!

    Damals hat CH Justiz versagt. Weil Polanski gute Filme macht, heisst nicht dass er ohne Bestrafung davon kommt.

  • Tanja am 01.06.2016 12:31 Report Diesen Beitrag melden

    Falscher Film

    das erinnert mich irgendwie an eine Hexenjagd.... lasst es doch jetzt mal gut sein!