Neues Prostitutionsgesetz

06. April 2016 21:12; Akt: 07.04.2016 09:18 Print

Frankreich geht Freiern an den Kragen

Das französische Parlament hat ein Gesetz zur Bekämpfung von Prostitution verabschiedet. Neu werden Freier bestraft und Prostituierte als Opfer betrachtet.

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Die französische Nationalversammlung hat zum vierten Mal über ein neues Prostitutionsgesetz abgestimmt. Sein Kernstück: die Bestrafung der Freier und die Entkriminalisierung der Prostituierten.

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Das Gesetz, über das im Parlament seit zweieinhalb Jahren gestritten wird, sieht vier Änderungen vor:
• Geldstrafen von bis zu 1500 Euro und «Aufklärungslektionen gegen käuflichen Sex» für Freier. Im Wiederholungsfall sind 3750 Euro fällig.
• Die Prostituierten sollen als «Opfer» gehandelt und straffrei gestellt werden. Die Neuregelung schafft damit ein vom damaligen Innenminister Nicolas Sarkozy im Jahr 2003 erlassenes Gesetz ab, das die Prostituierten wegen «passiven Kundenfangs» unter Strafe stellte.
• Ausstiegswillige Sexarbeiterinnen haben Anrecht auf Schutz und Hilfe vom Staat – unter anderem auf finanzielle Unterstützung. Dafür soll ein Fonds von 4,8 Millionen Euro eingerichtet werden.
• Ausländische Prostituierte erhalten Aufenthaltsbewilligungen über mindestens sechs Monate, wenn sie den Ausstieg aus einem Menschenhandelsring wagen.

Ein langes Hin und Her

Eigentlich steht der Gesetzesentwurf seit dem 4. Dezember 2013. Damals hatte die Nationalversammlung mit 268 zu 138 Stimmen dafür gestimmt, künftig die Freier strafbar zu machen. Doch dann boykottierte die konservative Mehrheit im Senat die Reform und schickte den Entwurf zurück an die Nationalversammlung für eine neue Lesung.

Zwischen Juni 2015 und März dieses Jahres kam es zu zwei weiteren Lesungen des Gesetzes, weil die Senatoren die zentralen Punkte des Textes immer wieder kippten. «Diesmal haben wir es endlich», sagte der sozialistische Abgeordnete Guy Geoffroy jetzt gegenüber «20 Minutes» erfreut. Die Mitglieder der Nationalversammlung hatten diesmal das «letzte Wort».

Andere Länder, andere Strafen

Mit dem neuen Prostitutionsgesetz wird Frankreich nach Schweden, Norwegen, Grossbritannien und Island das fünfte europäische Land, das die Freier statt der Prostitutierten bestraft.

Künftig sollen auch in Deutschland Kunden mit Freiheitsentzug bestraft werden, wenn sie Sex bei einer Zwangsprostituierten kaufen. Das Bundeskabinett hat einen Gesetzesentwurf zur strafrechtlichen Verfolgung von Zwangsprostitution beschlossen, schreibt «Spiegel Online». Freier müssen mit Haftstrafen von drei Monaten bis zu fünf Jahren rechnen. Zuhältern drohen bis zu zehn Jahre Haft, wenn sie die Hilflosigkeit von Frauen ausnutzen oder sie durch Gewalt zur Ausübung der Prostitution zwingen.

Sehr liberale Gesetze in der Schweiz

Die Schweiz ist von dem noch Lichtjahre entfernt: Hierzulande sind sexuelle Dienstleistung und Konsum von bezahltem Sex legal, solange die Frauen über 18 Jahre alt sind. Frauen ab 16, die sich aus freien Stücken prostituieren, machen sich dadurch zwar nicht strafbar, ihre Freier dagegen schon. Ebenso machen sich Zuhälter und Bordelle strafbar, die Minderjährige beschäftigen. Ähnlich sieht es in Italien aus: Dort sind zwar Bordelle verboten, Strassen- und Wohnungprostitution sind jedoch erlaubt.

Die Niederlande haben eine ähnlich liberale Prostitutionsgesetzgebung wie die Schweiz. Insbesondere in Grossstädten gelten Rotlichtviertel und die sogenannten Koberfenster auch als Touristenattraktionen.

(kle)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Zlottl am 06.04.2016 18:34 Report Diesen Beitrag melden

    Völlig absurd

    Prostitution ist nicht umsonst das älteste Gewerbe der Welt. Über die Jahrtausende haben schon viele, mit teilweise weitaus drastischeren Mitteln versucht, die Prostitution zu unterbinden - ohne Erfolg. Gerade der Versuch, die Prostitution in Hinterzimmer und dunkle Gassen zu verbannen, führt ja gerade dazu, dass die Frauen wie Ware behandelt werden. Legal aber streng kontrolliert ist der weitaus bessere Weg für alle Beteiligten.

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  • Olfrygt am 06.04.2016 18:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Prohibition

    Verbote haben in solchen Themen nie etwas gebracht, Menschen haben einfach gewisse Bedürfnisse. Was sollen Menschen tun die aus gewissen Gründen leider keine normale Beziehung zu stande bekommen? Natürlich verstehe ich auch die Argumente der Gegner, aber solange die Damen freiwillig in diesem Milleu tätig sind, was es durchaus auch gibt, haben doch beide Seiten gewonnen.

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  • Chris BE am 06.04.2016 18:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Patong

    Nun wird den französischen Rentnern Thailand sehr schön ins Auge leuchten. ;-)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Karlsson am 07.04.2016 08:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unschlüssig

    Ich halte Prostitution für falsch aber hier bin ich mir unschlüssig, ob die Strafen nun richtig oder falsch sind und etwas bringen.

  • Heinz Ketchup am 07.04.2016 07:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grenze

    Gute Zeiten um ein Bordell an der Grenze zu Frankreich auf zu machen. Ein paar tausend Arbeitsplätze wandern ab. De, NL und CH freuen sich drüber.

  • Stephan Loeffel am 07.04.2016 01:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    in 10jhr wieder weg

    absurd, eine weitere Sarcocy Idee. In 10 Jahren ist wieder alles anders, weil undurchführbar.

  • kante am 07.04.2016 00:49 Report Diesen Beitrag melden

    missbrauch

    in zukunft kann in frankreich theoretisch jede frau die mit einem mann ins bett steigt, den liebhaber verklagen. einfach behaupten das sie sich verkauft hat. niemand kann das gegenteil beweisen. DAS kommt halt davon wenn frauen zuviel in der politik mitreden.

    • Dr. Gabber am 07.04.2016 05:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @kante

      Nein, das kommt davon wenn wieder ein realirätsferner Theoretiker eine "gute Idee" hatte.

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  • Dan am 07.04.2016 00:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ..

    Häh? und ich dachte die Franzosen haben das erfunden?