Zustand «kritisch»

14. November 2017 15:14; Akt: 14.11.2017 15:14 Print

Überläufer wurde in Brust und Bauch getroffen

Am Montag konnte sich ein nordkoreanischer Deserteur mit letzter Kraft nach Südkorea retten. Jetzt werden neue Details seiner dramatischen Flucht bekannt.

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Dutzende Schüsse haben die Soldaten des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un auf einen ihrer Kameraden abgefeuert, als dieser aus der gemeinsamen Sicherheitszone beider Länder nach Südkorea flüchtete.

Am Montag war der Nordkoreaner mit einem Auto auf die südkoreanische Grenze im Dorf Panmunjom zugefahren. Dort stehen sich nord- und südkoreanische Truppen in nächster Nähe gegenüber. Nahe eines nordkoreanischen Wachpostens verliess er das Fahrzeug und sprintete über die Demarkationslinie. Nordkoreanische Soldaten feuerten laut Angaben Seouls rund 40 Schüsse auf ihn ab. Der Mann wurde mindestens fünfmal getroffen, etwa in Brust und Bauch, wie im Verlauf des Dienstags bekannt wurde.

Fünf Kugeln entfernt

Er konnte sich trotz seiner Wunden auf die südliche Seite retten und suchte Deckung hinter einem Gebäude. Er kollabierte rund 50 Meter hinter der Demarkationslinie, wie «Korea Joongang Daily» schreibt. Er wurde von südkoreanischen Soldaten unter einem Laubhaufen gefunden und in ein Spital gebracht. Bei einer ersten Operation wurde unter anderem eine AK-47-Kugel entfernt. Solche Waffen sind in der gemeinsamen Sicherheitszone von Nord- und Südkorea eigentlich nicht erlaubt.

Am Dienstag machte Seoul Angaben zum Gesundheitszustand des Soldaten: Ärzte hätten fünf Kugeln aus seinem Körper entfernt und würden zwei weitere dort vermuten, sagte ein Sprecher zur südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap. Anders als in früheren Berichten wurde sein Zustand als «kritisch» eingestuft. Nordkorea hat sich derweil noch nicht geäussert.

Erstmals Schüsse in Sicherheitszone abgefeuert

Südkoreas Verteidigungsminister Song Young-moo sagte, das sei das erste Mal, dass nordkoreanische Truppen Schüsse in die gemeinsame Sicherheitszone abgefeuert hätten. Die südkoreanischen Soldaten hätten die Situation aber richtig eingeschätzt und das Feuer nicht erwidert.

Im Grenzdorf Panmunjom wurde nach dem Koreakrieg von 1950 bis 1953 der Waffenstillstand unterzeichnet, der bis heute gilt. Seitdem sind rund 30'000 Nordkoreaner nach Südkorea geflohen, die meisten aber über China.

Trump sollte Grenzzone besuchen

Panmunjom befindet sich in der vier Kilometer breiten entmilitarisierten Zone, entlang der beide Seiten Hunderttausende von kampfbereiten Soldaten stationiert haben. Sie ist mit Stacheldraht, Panzersperren und Minenfeldern befestigt. In Panmunjom stehen sich nord- und südkoreanische Soldaten in nächster Nähe gegenüber.

Der Ort wird oft von amerikanischen Präsidenten besucht, die so die Verbundenheit der USA zu Südkorea unterstreichen. Ein geplanter Abstecher von Präsident Donald Trump während seiner Asienreise war wegen schlechten Wetters abgesagt worden.

(nk/ap)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sein am 14.11.2017 11:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    meine güte

    es ist schon unglaublich was menschen auf dieser welt durmachen müssen wenn sie frei sein möchten! ich bin einfach nur dankbar, dass ich frei bin zu entscheiden was ich denke, fühle und lebe. wir menschen haben ja schon einen schaden....

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  • Blödsinn am 14.11.2017 12:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Willkommen in der Freiheit

    Krass, war mal auf der nordkoreanischen Seite. Dass die dort scharf schiessen würden hätte ich nicht gedacht. Zum Glück hat der Desserteur überlebt.

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  • Benny Zurbuchen am 14.11.2017 12:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Entmilitarisierte Zone??

    Ich hätte nicht gedacht dass in der DMZ, d.h. ja Demilitarisierungszone von Waffen gebrauch machen kann erstaunlich dass da noch nicht mehr passiert ist in den 60 Jahren seitdem Koreakrieg! Alles Gute den geflüchteten Soldaten

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Soldat am 14.11.2017 16:57 Report Diesen Beitrag melden

    Egal woher

    Egal woher man ist oder auf welcher Seite man steht wie kann man nur auf einen Kameraden feuern mit dem man Dienst geleistet hat.

  • bebbeli am 14.11.2017 15:20 Report Diesen Beitrag melden

    Fliehen

    Es ist schrecklich, wenn du aus deinem eigenen Land fliehen musst. Die Gründe sind sicher vielfältig, aber die meisten sind bekannt. Nur damit es dir in einem anderen Land besser geht, gehst du nicht die Gefahr ein, erschossen zu werden.

    • Housi am 14.11.2017 18:43 Report Diesen Beitrag melden

      Fliehen 2

      Es ist ja nicht aus seinem Land geflohen sondern eben IN sein Land

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  • Patrick Küng am 14.11.2017 15:18 Report Diesen Beitrag melden

    Gab schon früher Schusswechsel!

    Es ist nicht wie hier beschrieben zum eraten Mal passiert. Schon früher gab es Schusswechsel direkt in Panmunjom und vor allem auch tote Südkoreanische Soldaten zb beim Übertritt eines Sowjetischen Journalisten gab es ein 20 min Schusswechsel zwischen beiden Seiten!

  • marine am 14.11.2017 15:13 Report Diesen Beitrag melden

    ..Realität..

    ich glaube es ist egal in welchem Land man als Militär ist. Soviel ich weiss, werden Desserteure immer erschossen. Wünsche diesem Menschen alles Gute.

  • PoloX am 14.11.2017 14:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hahahaha

    Peinlich