Exil in Botschaft

19. Mai 2017 11:11; Akt: 19.05.2017 14:27 Print

Londoner Polizei droht Assange mit Verhaftung

Die Staatsanwältin stellt die Ermittlungen wegen Vergewaltigungsvorwürfen gegen den Wikileaks-Gründer ein. Trotzdem droht dem Australier Ungemach.

Jahrelang in der ecuadorianischen Botschaft in London gefangen: Julian Assange. (Video: Tamedia/AFP)
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Die schwedische Staatsanwaltschaft stellt die Ermittlungen wegen Vergewaltigungsvorwürfen gegen Wikileaks-Gründer Julian Assange ein. Das teilte Anklägerin Marianne Ny in Stockholm mit. Nach langem Tauziehen um eine Befragung des Australiers zu den Vorwürfen aus dem Jahr 2010 war Assange im November in der Botschaft Ecuadors verhört worden. «Diese Befragungen haben zu weiteren Ermittlungsmassnahmen geführt», hiess es in der Entscheidung der Staatsanwaltschaft. «Es ist jetzt nicht möglich, weitere Schritte zu unternehmen, um die Ermittlungen voranzubringen.»

Die Frauen, die Julian Assange belasteten

Kurz nach Bekanntgabe des Beschlusses twitterte Assange folgendes Bild:

Und auf dem offiziellen Twitter-Account von WikiLeaks wurde die Botschaft so verkündet:

Assange hält sich seit 2012 in der ecuadorianischen Botschaft in London auf, um dem schwedischen Haftbefehl zu entgehen. Der Australier fürchtete, von Schweden aus in die USA ausgeliefert zu werden, wo ihm eine Verurteilung für die Wikileaks-Enthüllungen droht. Die USA machen ihn dafür verantwortlich, dass über seine Plattform brisante US-Dokumente aus den Kriegen in Afghanistan und im Irak veröffentlicht wurden.

«Der Verdächtige hat das Land verlassen, und angesichts der Fakten und der Umstände in diesem Fall wird nicht erwartet, dass es in absehbarer Zukunft möglich ist, die Entscheidung auszuführen, ihn nach Schweden auszuliefern», erklärte die schwedische Anklage. Die Ermittlungen könnten aber wieder aufgenommen werden, sollte Assange vor Ablauf der Verjährungsfrist 2020 nach Schweden zurückkehren.

Assange «froh und erleichtert»

Assanges schwedischer Anwalt feierte die Einstellung der Ermittlungen als Sieg. «Wir haben den Fall gewonnen», sagte der Jurist dem schwedischen Radio. «Das ist ein totaler Sieg für Julian Assange. Er ist natürlich froh und erleichtert.»

Die Anwälte des Australiers hatten immer wieder eine Aufhebung des Haftbefehls beantragt. Assange hatte die Vergewaltigung stets bestritten. Weitere Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen ihn waren im Sommer 2015 verjährt.

Vorgehen Assanges unklar

Wann und ob Assange sein Exil nach der Nachricht verlassen würde, war zunächst unklar. Assange würde verhaftet, sollte er die Botschaft von Ecuador in London verlassen, wie die Londoner Polizei heute mitteilte.

Assange hatte angekündigt, im Falle der Freilassung von Whistleblowerin Chelsea Manning freiwillig in die USA zu gehen, hatte das später aber wieder relativiert. Manning war am Mittwoch auf freien Fuss gekommen.

(woz/afp)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rebekka B am 19.05.2017 11:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wurde auch Zeit

    Endlich. wäre eh nur politisch motiviert gewesen...

  • emf949 am 19.05.2017 11:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Endlich, und jetzt?

    Was werden die Amerikaner sich einfallen lassen um ihn zu verhaften?

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  • play am 19.05.2017 11:20 Report Diesen Beitrag melden

    Schöne Meldung

    Die schönste Meldung des Tages. Er befürchtete nicht an die schwedische Justiz ausgeliefert zu werden, es sind die Amerikaner von welcher er sich fürchten musste. Bei einer Auslieferung wäre er für nichts als die Wahrheit welcher er an den Tag gebracht hat, einfach verschwunden und wohl getötet worden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • B.B. am 20.05.2017 14:43 Report Diesen Beitrag melden

    Vive le Assange

    Es lebe ASSANGE, der Kämpfer gegen zwei grossen Terror Staaten!

  • Anony Mouse am 20.05.2017 07:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Merkwürdig

    Also entweder jemand wird der Tat verdächtigt, dann kann man doch nicht einfach einen Haftbefehl auflösen. Wäre ja noch schöner, besonders dem Opfer gegenüber (auch, er will einfach nicht, also geben wir auf)... Oder das ganze war doch eine Finte und man hat in Schweden die Geduld verloren für USA den Lakaien zu spielen. Denke USA wird bald selber einen Haftbefehl erlassen und hat den Schweden gesagt dass sie ihm sausen lassen sollen, damit er sich in falscher Sicherheit wiegt.

    • schweiz/suisse/svizzera am 20.05.2017 10:13 Report Diesen Beitrag melden

      Enttäuscht von Schweden

      Nun ist klar, das sie Handlanger der USA waren. Eigentlich liebe ich Schweden. Allerdings das Land, nicht den Staat (frei nach Grönemeyer)

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  • Information am 20.05.2017 07:31 Report Diesen Beitrag melden

    Es nennt sich Stealthing und ist ein

    zunehmender Trend bei Sexualpraktiken. In der Schweiz gilt dieses Verhalten seitens eines Mannes genau wie in Schweden als Vergewaltigung. Und, es gab bereits eine Verurteilung wegen Vergewaltigung in der Schweiz deswegen. Was soll also Amerika mit den unfairen Sexpraktiken dieses Mannes zu tun haben. Und bis zum heutigen Tag will er nicht wahrhaben, dass Frauen ein Recht darauf haben, sich während des GV und vor allem in den Folgemonaten sicher zu fühlen. Auch bei den Kommentaren scheint die Einsicht grösstenteils zu fehlen, dass Männer mitverantortlich sind beim Sex.

  • Mike am 20.05.2017 02:03 Report Diesen Beitrag melden

    England Handlanger der USA

    England ist seit je her Handlanger der USA und daher war diese Reaktion logisch! Keiner dieser Länder ist wirklich demokratisch. Ob Golfkrieg oder Afghanistan sie haben die USA immer hirnlos unterstützt und sind daher an der weltweiten terrorangst mitschuldig

  • Markus am 19.05.2017 19:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur eine Falle ?

    Womoeglich nur eine Falle . Er verlaesst die Botschaft und die Ermittler beginnen wieder. Irgengwie muss man ihn ja fangen ....

    • Murat Kurmaz am 19.05.2017 20:45 Report Diesen Beitrag melden

      Lebensgefahr ?

      Ich traue den Briten, Schweden und Nordamerikanern nicht. Wenn der Assange die Botschaft verlässt, wird er vielleicht entführt und/oder umgenietet.

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