Digitale Kontrolle in Nordkora

10. November 2017 11:55; Akt: 12.11.2017 17:18 Print

Kims Internet besteht aus 168 Seiten

Die meisten Nordkoreaner haben mittlerweile Zugang zu Computer und Handy. Deren Nutzung wird vom Regime jedoch streng kontrolliert.

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Der Sci-Tech-Glaskomplex in der nordkoreanischen Hauptstadt verfügt über 3000 Computer-Arbeitsplätze, die der Allgemeinheit zur Verfügung stehen. Von den rund 25 Millionen Nordkoreanern besitzt mittlerweile jeder Zehnte ein Smartphone. Der Internetzugang scheint endlich auch im Land von Kim Jong-un angekommen zu sein.

Doch hat das nordkoreanische Internet wenig zu tun mit dem in westlichen Ländern. Es gleicht dem Intranet eines mittelgrossen Unternehmens, abgeschottet vom Rest der Welt. Über ein System namens Kwangmyong, was so viel wie «Licht» oder «Helligkeit» bedeutet, lassen sich nur etwa 168 Seiten aufrufen, wie ein Regierungsmitarbeiter laut der «Welt» berichtet. Das staatliche Betriebssystem heisst «Roter Stern», der Browser «Mein Land».

Nur Eritrea ist weniger internetfreundlich

Über Kwangmyong lassen sich zum Beispiel Textnachrichten schicken oder Videokonferenzen abhalten. Über die Suche gelangt man zu Informationen zu Restaurants, Kochrezepten oder zur Homepage der Universität. Privilegiertere erhalten Zugang zu E-Shopping und Internet-Banking.

Fast keiner besitzt einen eigenen PC, und selbst E-Mail-Adressen müssen geteilt werden. In puncto Internetfreundlichkeit belegt Nordkorea den zweitletzten Platz, unterboten nur noch von Eritrea.

Gehackte Versionen des nordkoreanischen Betriebssystems fördern verborgene Features zutage, die der Kontrolle der User dienen. Versucht man, die zentralen Funktionen zu verändern, führen die Rechner sofort einen Neustart durch. Um subversive Aktivitäten zurückzuverfolgen, werden von USB-Sticks hochgeladene Dateien automatisch mit einem Wasserzeichen versehen.

Auf Überwachung ausgelegt

Staatschef Kim Jong-un ist der erste Staatschef des Landes, der mit dem Internet aufgewachsen ist. Er sehe die Vorteile eines vernetzten Nordkorea – vor allem zur sozialen und politischen Kontrolle, glaubt «Die Welt».

Die Art der Zensur zeige eine neue Strategie der Informationskontrolle, sagt Nat Kretchun, stellvertretender Direktor des Open Technology Fund, der Zeitung. Früher seien Informationen mittels grossen personellen Aufwands kontrolliert worden. Heute hätten die Behörden Internetgeräte und -anwendungen für die Überwachung entwickelt. Handys und internetfähige Geräte in Nordkorea seien in erster Linie auf Überwachung und Kontrolle ausgelegt, sagt Ketchum.

Nordkoreanische Handys können keinen Kontakt zum Ausland aufnehmen. Dieses Defizit versucht das Regime mit Hunderten von Klingeltönen und der Möglichkeit, Selfies aufzunehmen, zu kompensieren.

(chi)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • luca am 10.11.2017 16:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    mal ein interessanter Artikel. Der leider sehr wahrscheinlich wieder früh verschwinden wird, da es wichtiger ist welcher "Promi" jetzt auf instagram 13 follower hat. setzt eure Prioritäten doch auf wissenswerte, interessante Artikel wie diesen und nicht diesen 08/15 klatsch.

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  • Hugo am 10.11.2017 17:53 Report Diesen Beitrag melden

    168 Seiten können viel sein wenn...

    sie zu 100% aus puren Informationen bestehen. Bei uns entfallen bei 168 Seiten schätzungsweise 3/4 zugunsten von Werbung und Angebote suspekter Art aus Gewerben jeglicher. Im restlichen 1/4 steht auch nicht mehr wirklich viel schlaues. Wichtig ist demzufolge nicht nur das Wissen über die Anzahl Seiten sondern über dessen Informationsgehalt. Wenn man jedoch den Geschichten glauben schenkt die man aus NK zu hören bekommt werden wohl 167 Seiten vom Regime und dessen genialität handeln und auf der einzig übriggebliebene Seite wird dann noch ein Bildschirmfüllendes Bild ihres Führers angezeigt.

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  • kunstraser am 10.11.2017 19:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Error 404 Not Found

    Laut Kims Internet Nordkorea wurde 2014 Fusballweltmeister, im Final schlugen sie China 2:0! Zuvor schlugen Nordkoreaner Japan 7:0 und USA 4:0 :)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Beat Biberli aus Niedergösgen am 13.11.2017 09:02 Report Diesen Beitrag melden

    Besser als nichts

    Auf meinem alten Commodore 128 hatte ich auch kein Internet. Die Nordkoreaner können wenigstens ins Internet. Ich finde 168 Seiten sehr grosszügig von Kim!

  • Diana dollores am 12.11.2017 22:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    darknet

    Dafür haben sie das beste darknet Mann bekommt fast alles!!

  • Diegito am 11.11.2017 15:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Noch weniger.

    Mein Internet besteht aus 20min, ll, einer Pornoseite und Google. Der Rest interessiert mich nicht.

  • carmen diaz am 11.11.2017 09:50 Report Diesen Beitrag melden

    das sind, vorausgesetzt...

    ...youporn, facebook, instagram, twitter, tinder, snapchat, youtube und switzerland tourismus gehören zu den 168 seiten, immer noch 160 seiten mehr als 98,4% der internet nutzer überhaupt benötigen...

  • James Lehmann am 11.11.2017 09:41 Report Diesen Beitrag melden

    Stimmt nicht alles in diesem Artikel

    Wenn man nahe der Grenze ist, kann man doch sicherlich das Handy modifizieren. Habe dies in etlichen Dokus über Nordkorea gesehen. Es gibt ja einige Exilkoreaner in China und Südkorea. Des Weiteren schmuggeln xLeute Filme über die Grenze. Das muss auch gesehen werden können. Sehr begehrt auf dem Schwarzmarkt seien Südkoreanische Operas. Habe ich alles schon anderswo in Dokus gesehen.

    • Ratmal Werwol am 11.11.2017 19:53 Report Diesen Beitrag melden

      @James

      Was Sie in Dokus sehen oder gesehen haben, entspricht der nordkoreanischen Realität nur zu einem geringen Teil. Wenn Sie wissen möchten, wie es wirklich ist, möchte ich Ihnen einen Besuch des Landes ans Herz legen. Sie werden dann schnell merken, dass man vieles zwar tun könnte, es aber doch lieber lassen sollte. Denn sonst ist man ganz schnell weg vom Fenster. Und das dann aber im wahrsten Wortsinn.

    • bruus am 13.11.2017 15:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @James Lehmann

      es werden mit handys und laptops vorallem auch sim-karten ins land geschmuggelt über den fluss zwischen china und NK . mit diesen simkarten können die nordkoreaner ins aussland telefonieren um zB nach china geflüchtete bekannte/verdwandte zu kontaktieren.

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