«Politically Incorrect»

20. September 2011 16:50; Akt: 21.09.2011 11:20 Print

Eine schrecklich hasserfüllte Familie

von Philipp Dahm - Schweizer und deutsche Rechtsaussen spannen zusammen, um gemeinsam gegen den Feind vorzugehen: Mit Propaganda und Pauschalisierungen machen sie Front gegen die «Fremden».

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Sprachrohr von «Politically Incorrect»: Die Berner Pfarrerin Christine Dietrich mischt seit 2007 beim Islamhasser-Netzwerk mit. Sie soll damals die Verantwortung für das Portal übernommen haben. Im selben Jahr wurde auf der Website verbreitet, sie arbeite nicht mehr für PI. Tatsächlich schrieb die Geistliche unter dem Pseudonym «Thorin Eisenschild» weiter für das Hassportal. Das Bild zeigt sie in einer Reportage von «Russia Today». PI rühmte sich kurz danach mit dem Auftritt der «tapferen Christine», inzwischen ist das Video nicht mehr auf der Seite. Die Verantwortung an Dietrich übergeben haben will Stefan Herre. Er gründete «Politically Incorrect» 2004. Der frühere Lehrer rief ein Portal ins Leben, das sich dem bedingunslosen Kampf gegen den Islam verschrieben hat. 2009 hielt Dietrich bei einem Protest gegen einen Moscheebau in Köln eine Messe. Gegendemonstranten bezeichnete die Schweizerin laut «Zeit» als «pathologisch Gute». Sie sagte sich 2007, 2010 und nun auch 2011 von der Webseite los. Die Kölner Demo wurde von der «Bürgerbewegung Nordrhein-Westfalen» (Pro-NRW) organisiert, deren Gründer Manfred Rouhs ist. Rouhs war zuvor in Parteien wie der NPD, den «Republikanern» und anderen rechten Gruppen wie der «Deutschen Liga für Volk und Heimat» tätig. Sowohl Rouhs als auch Bernd Schöppe vom Vorstand der Pro-NRW sind mit PI-Gründer Herre per Du. Pro-Aktivisten publizieren laut «Frankfurter Rundschau» regelmässig Artikel auf PI. Auch die im Oktober 2010 gegründete Partei «Die Freiheit» ist auf PI aktiv. Gegründet hat sie René Stadtkewitz, nachdem ihn die CDU ausgeschlossen hat. Grund dafür war eine Anti-Islam-Diskussion mit Geert Wilders, die Stadtkewitz mit PI-Gründer Herre organisiert hatte. Sein Stellvertreter ist Marc Doll, der ebenfalls früher bei der CDU war. «Freiheit»-Mitglieder betonen trotz ihrer intoleranten Haltung ihre Treue zum Grundgesetz und opponierten bei Herre teilweise gegen Pro-NRW, die für sie zu weit rechts stünden. Doll log aber auch gegenüber der «Frankfurter Rundschau»: «Keiner von uns ist bei PI drin.» «Freiheit»-Mitglied Marco Pinto schrieb als PI-Autor «Frank Furter»: «Es schadet uns allen, wenn PI so auftritt wie rechte Hetzerseiten.» Und dann über einen PI-Autoren namens «Kewil», er sei «im Grunde der Moslem auf PI. Er kommt, integriert sich nicht, will ständig extra Würste, baut nen Haufen Scheisse und wundert sich dann über das Echo.» Michael Stürzenberger (alias «Byzanz») von der «Freiheit» ist ein hochaktiver PI-Autor. Er war früher Pressesprecher von Monika Hohlmeier. Die Franz-Josef-Strauss-Tochter musste 2004 nach einigen Affären ihren Ministerposten in Bayern räumen. Der «Spiegel» zitiert Stürzenberger, er habe «tiefsten Hass auf diese Ideologie. Meiner vollsten Überzeugung nach muss der Islam von allen Seiten angeschossen werden.» Christian Jung ist Landesvorsitzender der «Freiheit» in Bayern und gehört laut «Frankfurter Rundschau» als «Nockerl» zum engsten PI-Zirkel. Am weitesten rechts steht aber wohl PI-Autor «Michael Mannheimer» (im Bild links), der zum bewaffneten Widerstand aufrief. Ausserdem betreibt Karl-Michael Merkle, so sein wahrer Name, die Website «Nürnberg 2.0», auf der Linke und «Gutmenschen» denunziert werden. Engmaschiges Beziehungsnetz: Die rechte Postille «Junge Freiheit» schrieb an PI: «Lieber Stefan, es wäre klasse, wenn du die Geschichte über ‹Linkstrend stoppen› auf PInews weiterdrehen könntest.» Im April 2011 wollte PI-Gründer Herre Terry Jones von «Stand Up America» einladen. Der Pastor hatte für Furore gesorgt, als er angekündigt hatte, öffentlich den Koran verbrennen zu wollen. Dirk Hülsenbeck, Geschäftsführer der CDU-Senioren, schrieb laut «Frankfurter Rundschau», er habe «Sympathien» für das PI-Engagement und wolle deshalb gelegentlich «brauchbare Infos» liefern. Der schwedische Rechtsextremist Patrik Brinkmann schrieb an PI: «Hier haben sie einige ‹gute› photos mit einige NS-Msulims, vielleicht können sie die fotos ferr PI verwenden.» PI kann als internationale Hass-Seite gesehen werden, weil sie auch Kontakte zu den Schwedendemokraten... ... zum Niederländer Geert Wilders und seiner «International Freedom Alliance», zur SVP, zur belgischen Vlaams Belang und der English Defence League unterhält. PI-Ortsgruppen sind angeblich in der Schweiz, Österreich und Tschechien gegründet worden.

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«In Deutschland und dem übrigen Europa arbeiten Juden seit Jahrzehnten beharrlich und mit immer grösserem Erfolg an der Übernahme unseres Kontinents. Das zentrale Ziel des Judentums ist die Weltherrschaft. Diesem Ziel ist das GESAMTE ‹religiöse› Leben des Judentums untergeordnet. In Anbetracht der verfassungswidrigen Ent-Ethnisierung der deutschen Bevölkerung halte ich daher die Zeit für gekommen, die schonungslose Anwendung des Widerstandsrechts (und der Widerstandspflicht) aller Deutschen auszurufen! Das Widerstandsrecht erlaubt diesen Kampf ausdrücklich mit allen Mitteln, auch bewaffnet. Bürger Deutschlands! Polizeien Deutschlands! Soldaten und Offiziere Deutschlands! Erhebt euch!»

Sammellager für Hassprediger und Agitatoren

Was sich liest wie die (grammatikalisch falsche) Standard-Propaganda aus dem Dritten Reich ist in Wahrheit ein Aufruf vom 8. April 2011, der auf «Politically Incorrect» (PI) veröffentlicht wurde. Die Seite ist ein Sammellager für Hassprediger und Agitatoren, aber nicht für Antisemiten. Im obigen Gewaltaufruf von «Michael Mannheimer» wurden die Begriffe Muslime und Islam durch Juden und Judentum ausgetauscht: Was den Knüppel-Jargon angeht, brauchen sich moderne Rechtsaussen nicht hinter Alt-Nazis zu verstecken. Leider zählen auch Schweizer Schäfchen und Hirten zu jener Gemeinde, die zum Dschihad gegen den Islam bläst: Ein Politiker und eine Pfarrerin sind willige Helfershelfer der «Anders-Nazis».

Das überlieferte Faschistenbild passt nicht zu der Gruppe, weil die sich oberflächlich von Antisemitismus und Antiamerikanismus distanziert. Was sie zusammenhält, ist der Hass auf den Islam, der durch ihr Sprachrohr «PI» verbreitet wird. Stefan Herre gründete das Portal im November 2004 als Fanseite für George W. Bush. 2007 will er die Leitung Christine Dietrich übertragen haben, die in der Gemeinde Siselen BE tätig ist, doch Recherchen der «Frankfurter Rundschau» und der «Berliner Zeitung» ergaben, dass das deutsch-schweizerische Duo gemeinsame Sache gegen Muslime machte. Unter ihrer Führung mauserte sich das Portal zum Sammelbecken für rechtsgerichtete Organisationen wie «Die Freiheit» und «PRO»-Bewegung (siehe Bildstrecke).

«Türkenfritz» und «Kopftuchschlampe»

Aus der NS-Darstellung des Juden mit der Hakennase wird bei «PI» der Muslim mit der Schweinenase, den Europa vom Kontinent vertreibt. Andersgläubige werden als «Kopftuchschlampe», «Türkenfritz» oder als «muslimisch-osmanische Verbrecherhorden» beschimpft, während ihre Kritiker als «Vaterlandsverräter», «Gutmenschen» oder «linke Geier» abgestempelt werden. Das Portal habe «sektenähnlichen Charakter», sagte Aussteiger Jens von Wichtingen 2007: «Man lebt in seiner eigenen Welt. Gut und Böse. Schwarz und Weiss. Man steigert sich in einen… Wahn.» Wohin solcher Wahn führen kann, bewies ein norwegischer Attentäter, der am 22. Juli aus seiner anti-islamischen Haltung heraus 69 Menschen tötete.

Obwohl Anders Breiviks Meinungen explizit auf «PI» vertreten werden, bemühte sich Gründer Stefan Herre eiligst, seiner missionarischen Gemeinde den Mund zu verbieten, weiss die «Frankfurter Rundschau». Bei Fragen zu dem Massaker müssten sich die Autoren klar von jeglicher Gewalt distanzieren und zum Grundgesetz bekennen, um nicht als geistige Brandstifter zu gelten. Seine Schweizer Mitstreiterin Dietrich gab aber selbst zu, dass das Gedankengut des Täters «auch in diesem Forum stehen» könnte. Inzwischen hat sich die Pfarrerin vordergründig von dem Hassportal losgesagt. «Ich distanziere mich hiermit offiziell von Politically Incorrect», sagte sie dem «Tages-Anzeiger».


«Noch nicht wahrgenommen, dass das ein Problem ist»: Christine Dietrich im November 2009 bei einem Interview anlässlich des Besuchs des islamkritischen Schriftstellers Robert Spencer. Spencer wurde von Anders Breivik in dessen «Manifest» 162-mal zitiert. Quelle: YouTube

Keine Blatt passt dagegen zwischen Oskar Freysinger und PI: Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Berlin mit dem niederländischen Scharfmacher Geert Wilders sprach auch das «Schweizer Urgestein», wie auf «PI» nachzulesen ist: «Der Schweizer Nationalrat monierte, dass man ganz ernsthaft versuche, die tickende Zeitbombe der gefährlichen islamischen Weltanschauung mit immer mehr Sozialhilfe-Zuwendungen einzudämmen», lobt das Portal den SVP-Mann. «Diese Rede des Schweizer Freiheitskämpfers wird mit Sicherheit einmal als historisch gewertet werden.»


Freysingers Rede in Berlin am 3. September 2011. Quelle: YouTube

Wohin solche Reden und die Beschwörung der «muselmanischen Gefahr» führen, zeigt sich auch in Anschlägen auf Moscheen. Mit Schmierereien, Schweineblut oder Kot werden Gotteshäsuer geschändet: Der Online-Dienst «heise» schreibt von einer «schleichenden Kristallnacht» und spielt damit auf den November 1938 an, als Nazis 1406 Synagogen zerstörten.


Ein Bericht des Satiremagazins «Quer» vom «Bayerischen Rundfunk» über PI. Quelle: YouTube


«Islam ist keine Religion, sondern eine intolerante Ideologie»: Nach Robert Spencer halten die «Freiheit»-Parteimitglieder Rene Stadtkewitz und Marco Pino (PI-Name «Frank Furter») am 11. Septemer 2011 in New York eine Rede (Quelle: YouTube).


Ein «Kulturzeit»-Bericht über PI mit einem Interview mit Henryk Broder. Quelle: YouTube

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • erker lärungsbedürftig am 29.09.2011 00:03 Report Diesen Beitrag melden

    erklärungsbedürftig

    Jetzt habe ich mir die Mühe gemacht, die ganzen tubes hier anzuschauen, in der Auffassung, nun entblätterte sich der gesammelte Extremismus. Und was sehe ich: gar nichts. 20 min. : das ist aber doch erklärungsbedürftig, was Ihr hier abliefert

  • Matthias W. am 20.09.2011 18:14 Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    Der erste Teil dieses Artikels, ist so was von daneben. Wird heute etwas gegen den Islam gesagt, wird es verglichen mit dem was im 2.Weltkrieg geschah. Respektloser gegenüber den Opfern der Nazis geht es nicht mehr. Dieser Vergleich entbehrt jeglicher Grundlage!!

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  • D. Wunderli am 20.09.2011 18:19 Report Diesen Beitrag melden

    Zuwenig Nachwuchs, ergo Migrantenkinder

    Das Problem ist nicht der Islam, sondern schlecht zu uns passende ausländische Kulturen. Je weniger Kinder die westlichen Länder haben, desto mehr sind wir auf Migrantenkinder angewiesen (Altersvorsorge, Fachkräfte etc.). Und je mehr Migrantenkinder es gibt, desto schwieriger wird es, unsere Kultur zu behalten. Also entweder selber zwei oder mehr Kinder haben oder sich damit abfinden, dass unsere Kultur immer mehr aufgeweicht wird. Aber sicher nicht dem Islam die Schuld geben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • erker lärungsbedürftig am 29.09.2011 00:03 Report Diesen Beitrag melden

    erklärungsbedürftig

    Jetzt habe ich mir die Mühe gemacht, die ganzen tubes hier anzuschauen, in der Auffassung, nun entblätterte sich der gesammelte Extremismus. Und was sehe ich: gar nichts. 20 min. : das ist aber doch erklärungsbedürftig, was Ihr hier abliefert

  • Ursula Schüpbach am 23.09.2011 12:35 Report Diesen Beitrag melden

    PI-Schreiberlinge in den Kommentarzeilen

    Eigentlich beweisen sie auch hier jetzt, was PI-intern gefordert wird: Agitieren im Netz mit möglichst vielen Kommentaren bei Online-Plattformen. Und dies natürlich in jedem Fall mit Fantasienamen -- aber nie mit den Klarnamen. Es ist wirklich sehr gut, was die FR per Recherchen rausfand, aber auch, dass sich Schweizer Medien der Sache annehmen. PI ist ein unsäglicher Moloch.

  • Kritiker am 23.09.2011 07:46 Report Diesen Beitrag melden

    Grundgesetz

    Ich meine, man kann PI vollkommen zu Recht wegen diverser Auswüchse und Schrott in den Kommentaren kritisieren. Aber: Wer wagt es denn sonst, die Missstände im Islam zu kritisieren, die ihn inkompatibel zu unserem Grundgesetz machen? Und was ist daran grundgesetzwidrig, eine pseudo-religiöse Gewaltideologie zu kritisieren? Niemand ist dazu verpflichtet, Mördern oder Kinderschändern gegenüber tolerant zu sein, das nennt man Meinungsfreiheit. Mit dem Islam ist es genauso. Wo ist genau das Problem der FR?

  • Rheinknie am 22.09.2011 23:49 Report Diesen Beitrag melden

    PI: Kritik&Skepsis, wo andere schweigen

    PI ist ein Blog und kämpft mit typischen Internetproblemen: einige Aussagen im (stark frequentierten) Kommentarbereich sind echt das Letzte. Dennoch ist PI eines der schnellsten und am besten recherchierenden Newsportale, das ich kenne. Und: sie geben offen zu, wenn sie mal zu vorschnell waren und korrigieren sich an prominenter Stelle (nicht auf S. 34 bei den Erotik-Annoncen, wie manche "Qualitäts-Medien"). Neben der meist seriösen Islam-Kritik ("-phobie" darf man nur unbegründete Ängste nennen) punktet PI v.a. bei der EU/Euro-Thematik und Deutscher Innenpolitik. "PI Dir Deine Meinung selbst"

  • T.G. am 22.09.2011 20:59 Report Diesen Beitrag melden

    ich warte

    Auf den Beitrag über Indymedia und dessen toleranzerfülltes, von Respekt für Andersdenkende nur so strotzendes Umfeld. Wär doch mal was.