12-Jähriger vor Gericht

01. November 2012 14:46; Akt: 01.11.2012 18:18 Print

Neonazi-Vater vom eigenen Sohn erschossen

Ein 12-Jähriger steht in Kalifornien für den Mord an seinem Vater, einem Neonazi-Führer, vor Gericht. Dieses muss entscheiden, ob das von Hass geprägte Umfeld des Kindes zu der Tat beigetragen hat.

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Ein Zwölfjähriger muss sich in den USA als mutmasslicher Mörder seines Vaters, eines bekannten Neonazi- Anführers verantworten. Als er zehn war, soll der Junge den schlafenden Jeffrey Hall mit dessen Revolver erschossen haben.

Im Falle einer Verurteilung drohe dem Kind bis zum 23. Lebensjahr Jugendhaft, berichtete die «Los Angeles Times» am Donnerstag. Das Gericht im kalifornischen Riverside wird klären müssen, ob das von Gewalt geprägte Umfeld des Kindes zu der Tat beigetragen hat.

Die jüngere Schwester des Jungen musste am Mittwoch in den Zeugenstand treten. Ob sie vorab gewusst hätte, dass ihr Bruder die Tat plante, wollte der Ankläger Michael Soccio wissen.

Die 11-jährige habe mit dem Kopf genickt und «Ja» gesagt, berichtete die Zeitung «Riverside Press-Enterprise». Ihr Bruder habe ihr vier Tage vor der Tat von seinen Plänen erzählt. Am Tatmorgen, dem 1. Mai 2011, schlief sie noch in ihrem Zimmer.

«Gewalt und Rassismus»

Im Gericht wurde auch ein Video von einem Polizeiverhör mit dem Jungen gezeigt. Darin fragte eine Polizistin das Kind nach einem Beispiel für eine Sache, die man nicht tun dürfte. «Ich habe meinen Dad erschossen», gab der Junge zur Antwort.

Der an einer Lernschwäche leidende Junge sei von seinem Vater regelmässig geschlagen worden, erklärte die Verteidigung zum Auftakt des Prozesses. In dem Haus hätten immer wieder Neonazi-Treffen stattgefunden.

Ausserdem habe er Zugang zu Waffen gehabt. All dies habe den Sinn des Kindes für Recht und Unrecht vernebelt. «Was macht jemand, der ein Ungeheuer oder einen Mörder erschaffen möchte? Er steckt ihn in ein Haus, wo es Gewalt, Kindesmissbrauch und Rassismus gibt», sagte Verteidiger Matthew Hardy.

Nicht länger ausgehalten

Ankläger Michael Soccio erklärte dagegen: «Der Junge unterscheidet sich nicht von anderen Mördern.» Nach seinen Worten hätte er den Vater auch erschossen, wenn dieser Mitglied einer Friedens- und Freiheitspartei gewesen wäre.

Der Staatsanwalt ist überzeugt, dass der Zehnjährige die Tat beging, weil sein Vater sich von seiner Stiefmutter trennen wollte, an der er sehr hing, und er das alleinige Sorgerecht haben wollte. Der Verteidiger warf hingegen der Frau vor, das Kind zu dem Mord angestiftet zu haben.

In einer dem Gericht vorgespielten Videoaussage erklärte der Junge, er habe es nicht länger ausgehalten, dass sein Vater ihn und die Geschwister geschlagen habe. Ausserdem habe der Mann gedroht, das Haus mit den Kindern darin in Brand zu stecken. «Ich beschloss, es zu beenden», sagte er der Polizei.

(sda)