Asow-Sommercamps

06. September 2017 08:35; Akt: 06.09.2017 09:52 Print

9-Jährige üben Schiessen und Messerkampf

In Sommerlagern schwören Kämpfer des rechtsnationalen Asow-Bataillons Kinder auf Patriotismus ein – und lehren sie den Krieg.

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In der Nähe der Hauptstadt Kiew führten die Kämpfer des Asow-Bataillons auch diesen Sommer ein Lager für Kinder durch. Wie der «Guardian» in einer Videoreportage zeigt, lernen die Kinder mit Gewehren zu schiessen, mit den Fäusten zu kämpfen ... ... und Verletzte abzutransportieren. Die Lagerleiter sagen, die Instruktoren seien alle Sportler ... ... und es gehe um eine gesunde Lebensweise. Am Lagerfeuer werden patriotische Lieder eingeübt. Hauptfigur in dem Video ist Anton, ein 16-Jähriger aus Kiew. Er bezeichnet sich als undiszipliniert und sagt: «Ich höre nicht auf meine Eltern, ich lebe für mich selbst.» Antons Eltern glauben, ihr Sohn gerate mit all seinen Computern, Xboxes und Skateboards auf Abwege. Der Vater, ein Ex-Soldat, möchte aber einen Krieger grossziehen. Anton (r.) spricht mit seinem Freund Dima über das bald beginnende Sommerlager. Dort lernen die Jugendlichen in Sprechgesängen, die Ukraine über alles andere zu stellen. Das Asow-Bataillon war in der Kriegsphase von 2014 erfolgreich. Es geriet jedoch in Kritik, weil sich in seinen Reihen viele Ultranationalisten und sogar Neonazis tummeln. Schon das gelbe Asow-Abzeichen erinnert an die SS-Rune der deutschen Nationalsozialisten. Das Videoteam fand bei den Instruktoren des Camps Tattoos mit einem Hakenkreuz, ... ... mit Totenköpfen und dem «S» des SS-Schriftzugs ... ... sowie dem rassistischen Ausdruck «White Pride» («Weisser Stolz)». Anton sagt, im Lager habe niemand über Faschismus oder Nazis gesprochen. Aber den Patriotismus ... ... findet Anton jetzt sehr wichtig. «Die Ukraine ist wichtiger als auf meinem Skateboard zu fahren», sagt er.

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Anton bezeichnet sich selbst als Slacker. Er lebe nach eigenen Regeln, sagt der 16-jährige Jugendliche aus Kiew. Doch das will er jetzt ändern. «Ich will gehorsam sein», sagt er, bevor er ins Sommerlager der rechtsnationalistischen Asow-Miliz aufbricht.

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Der Teenager ist die Hauptfigur einer neuen Videoreportage des britischen «Guardian» (Video unten). Sie beschreibt, wie in dem Lager ausserhalb der ukrainischen Hauptstadt etwa 60 Kinder und Jugendliche im Alter von 9 bis 17 Jahren einem täglichen Kampftraining unterzogen werden. Laut «Guardian» sind schon vier solcher Lager in Betrieb; weitere würden für nächstes Jahr gebaut.

Boxen und Messerkampf

Die Kinder im Lager richten hölzerne oder echte Gewehre auf imaginäre Feinde, kriechen unter Drahtverhauen hindurch und hüpfen auf Hindernisläufen durch Lastwagenpneus. Die Kids marschieren in Formation. Sie lernen boxen und mit Messern zu kämpfen.

Lob und Strafe werden kollektiv verteilt. Einmal müssen die Kinder in unbequemer Stellung Kniebeugen machen, während sie im Chor rufen: «Ich werde nie rauchen.» Grund der Tortur: Im Gepäck eines Jungen ist ein Päckchen Zigaretten gefunden worden.

Die Ukraine über alles

Durch gemeinsamen Gesang am Lagerfeuer wird den jungen Ukrainern Patriotismus eingeimpft. «Ich realisiere, dass die Ukraine wichtiger ist als mein Skateboard», sagt Anton. Für den Lagerleiter ist patriotisches Denken das wichtigste Lernziel: «Aus der Ukraine wandert die Intelligenz aus», beklagt der Asow-Kämpfer. «Nur Nationalisten können diesem Land etwas bringen.»

Das patriotische Element wird auch in einer Reportage des US-Senders NBC über ein Asow-Camp unterstrichen. In ihr kommt der neunjährige Smolny vor, der über alle Schlachten der ukrainischen Geschichte genau Bescheid weiss und inbrünstig patriotische Lieder singt.

Neonazis und Rechtsnationalisten

Zusammen mit anderen Milizen wurde das Asow-Bataillon 2014 gegründet. Es spielte eine wichtige Rolle bei der Verteidigung des Landes gegen separatistische, von Russland unterstützte Kämpfer im Osten des Landes. International gerieten die Asow-Milizen unter scharfe Kritik, weil sich unter ihnen zahlreiche Neonazis und Rechtsnationale befanden.

Der Lagerleiter behauptet, von den Trainern der Kinder im Sommercamp trage niemand Tattoos mit Emblemen von Rechtsradikalen. Doch Videobilder widersprechen ihm: Zu sehen sind ein Hakenkreuz auf einem Ellenbogen, eine SS-Rune am Hals und die Worte «White Pride» am Oberschenkel.

Die Lagerleitung weist den Vorwurf zurück, die Kinder würden nur für den Krieg ausgebildet. «Daran denken wir nicht», sagt der Lagerleiter. «Unser Lager ist militärisch und patriotisch.» Antons Vater, ein Ex-Soldat, gibt aber offen zu, dass ihm das martialische Element zusagt: «Ich will einen Kämpfer grossziehen.»

Kein Frieden in der Ostukraine

Es wäre verständlich, wenn das Asow-Bataillon mit einem künftigen Bedarf an Kämpfern rechnete. Nach einer Reportage der amerikanischen Website «The Daily Signal» befinden sich die Milizionäre seit Monaten im Osten der Ukraine in Abwartestellung. Von der eigentlichen Front, wo reguläre Truppen in Schützengräben den Separatisten gegenüberstehen, seien die Asow-Kämpfer entfernt, schreibt die zur konservativen Heritage-Stiftung gehörende Website. Doch womöglich werde der geltende Waffenstillstand nicht lange halten. «Wir sind entschlossen, diesen Befreiungskrieg zu führen», sagt ein Asow-Kämpfer.

Im Lager bei Kiew findet Anton die täglichen Übungen hart. «Ich hatte es mir ein bisschen einfacher vorgestellt», sagt er. «Am Anfang war es aufregend, doch mit der Zeit wurde es monoton», klagt er. Wird er nächstes Jahr zurückkommen? «Ich glaube nicht. Aber ich bin mir nicht sicher – vielleicht doch.»

Videoreportage des «Guardian»:


(Quelle: Youtube/The Guardian)


(sut)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Träumer am 06.09.2017 09:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nachdenklich

    Genau darum wird es nie Frieden geben auf der Welt!

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  • Lilac am 06.09.2017 09:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht gar nicht

    Da werden Kinder ja gerade zu Gewalt erzogen. Die sollten doch noch Kinder sein dürfen. Kann nicht verstehen, dass die Eltern das zulassen.

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  • Beobachter am 06.09.2017 08:49 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist der Grund

    Die von der NATO unterstuetzte rechtsradikale Regierung hat Minderheiten immer mehr bedraengt und dikriminiert. Kein Wunder wehen sich Minderheiten in der Ukraine. Fast alle Leiter sind Sportler? Gesunder Lebensstiel? Warum macht man dann nicht ein Sportcamp mit Ziel die Kinder fuer Olympia zu motivieren? Und um den Geist der Olumpiade zu foerdern am Bessten ein Camp mit verschiedenen Nationalitaeten also inklusive Minderheiten die in der Ukraine leben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Gutfrau am 06.09.2017 18:59 Report Diesen Beitrag melden

    Realität

    Absolut sinnvoll. So werden die Kinder rechtzeitig mit der ungeschönten Realität vertraut gemacht. Diese Aktion zeugt von Weitblick und verdient meinen Respekt.

  • Hellebarde am 06.09.2017 18:45 Report Diesen Beitrag melden

    Briefmarken sammeln kann nicht jeder.

    So lange sie Ihre Waffen nicht nach Moskau, oder Bern richten. Ist mir des Wurst.

  • Markus R. am 06.09.2017 18:23 Report Diesen Beitrag melden

    Arme Kinder !!

    Weltweit gibt es etwa eine Million Kindersoldaten, und nun müssen sie in diesem Feriencamp lernen, was sonst Männer lernen. Etwas anderes wäre wenn sie Räuber und Gendarm spielen würden.

  • Das ABC am 06.09.2017 18:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Konsequenzen

    Wer einem Kind beibringt, wie man mit Messern und Waffen umgeht kann auch gleich einem geistig Verwirrten eine Pistole in die Hand drücken. Ein Kind kann die Folgen nicht abschätzen.

  • nacho am 06.09.2017 17:15 Report Diesen Beitrag melden

    NATO ist Financier von ASOW.

    NATO war auch Financier der terroristischen UCK im Kosovo. Heute, im Nachhinein, gilt die UCK als Befreiungsarmee, da die NATO/der Westen sich den Kosovo geschnappt und von Serbien losgelöst hat. Die ETA gilt heute noch als Terror-Organisation, da sie für eine Abspaltung von Spanien (und somit vom "Westen") ist. Ist also immer eine Frage, von welcher Seite man was betrachtet.

    • Nordländer am 06.09.2017 17:42 Report Diesen Beitrag melden

      @nacho

      Genau so läuft es auch in der Ukraine, seit der Westen den Umsturz provoziert hat.

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