Tödlicher Tumor

02. März 2012 18:21; Akt: 02.03.2012 18:23 Print

Ärzte geben Chávez kaum mehr ein Jahr

Venezuelas Präsident Hugo Chávez gibt sich nach einer erneuten Krebsoperation in Kuba kämpferisch. Insider-Infos und Wikileaks-Enthüllungen lassen jedoch das Schlimmste befürchten.

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Hugo Chávez am letzten Samstag vor seiner Abreise nach Kuba. (Bild: Reuters/Jorge Silva)

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Zum zweiten Mal innerhalb von acht Monaten hat sich Venezuelas umstrittener Staatschef Hugo Chávez am Dienstag in der kubanischen Hauptstadt Havanna einer Tumoroperation im Unterleib unterzogen. Sie verlief laut offiziellen Angaben ohne Komplikationen. Chávez selbst hatte von einem Geschwür von etwa zwei Zentimetern Durchmesser gesprochen und nicht ausgeschlossen, dass es sich um einen bösartigen Tumor handeln könnte.

In einem Telefoninterview mit dem venezolanischen Staatsfernsehen gab sich der 57-Jährige am Donnerstag kämpferisch. Es gehe ihm gut, er «renne durch die Korridore» und esse gut. Er erholte sich rasch und werde bald nach Venezuela zurückkehren, sagte Chávez. Auf Twitter hatte er sich bereits am Mittwoch in seiner grossspurigen Art vernehmen lassen: Er werde «abheben wie ein Kondor», teilte der Präsident mit.

Metastasen in Lymphknoten und Knochenmark

Im Juni 2011 war dem Linkspopulisten ebenfalls in Havanna ein Krebsgeschwür in der Bauchgegend entfernt worden. Woran Hugo Chávez genau leidet, wurde von Venezuela und Kuba stets geheim gehalten. Doch Mails der US-Sicherheitsfirma Stratfor, die seit dieser Woche von der Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlicht werden, lassen nichts Gutes erahnen. Nahe bei der Prostata habe sich ein Tumor gebildet, der sich auf den Dickdarm ausgebreitet habe, heisst es mit Berufung auf eine «zuverlässige Quelle». Der Krebs habe Metastasen in den Lymphknoten und im Knochenmark gebildet, die Lage sei «sehr ernst».

Der brasilianische Reporter Merval Pereira von der Zeitung «O Globo» sagte gegenüber CNN, es gehe Chávez weit weniger gut, als er behaupte. Er habe am Mittwoch eine «kleine innere Blutung» erlitten, die operativ behandelt werden müsste, «doch seine körperliche Schwäche erlaubt es nicht». Die Wortmeldungen seien «ein Versuch, die Verschlechterung seines Gesundheitszustands zu verbergen», sagte Pereira. Eine Quelle nannte er nicht, doch seine Berichte über Chávez haben sich laut CNN in der Vergangenheit als zuverlässig erwiesen.

Gleiches gilt für den venezolanischen Journalisten Nestor Bocaranda, der in seinem Blog für die Zeitung «El Universal» ebenfalls die innere Blutung erwähnte und schrieb, die Meldungen über Chávez’ Gesundheit seien «nicht ermutigend». Ein brasilianischer Doktor, der zum Ärzteteam des Präsidenten gehört, machte gemäss Bocaranda Steroide für die Probleme verantwortlich. Sie hätten Chávez Stärke und Energie gegeben und ihn kraftvoll erscheinen lassen. Gleichzeitig hätten diese Drogen aber zu einem raschen Wachstums des Tumors geführt.

Haben Kubaner gepfuscht?

Eine düstere Prognose liefern auch die von Wikileaks publizierten Stratfor-Mails. Sie stammen vom letztem Dezember und berichten über einen Streit zwischen kubanischen und russischen Chirurgen. Die Russen hätten ihren Kollegen vorgeworfen, bei der ersten Tumor-Operation «gepfuscht» zu haben. Chávez’ Lebenserwartung betrage laut den Kubanern noch zwei Jahre, während die Russen von «weniger als einem Jahr» ausgingen.

In den Mails wird auch bereits über einen Nachfolger spekuliert. Im Vordergrund stehe der als gemässigt geltende Aussenminister Nicolás Maduro, er sei ein «Lula-Kandidat». Die Kubaner hingegen würden Präsidentenbruder Adán Chávez bevorzugen. Er gilt als Hardliner, doch ihm fehlt Hugos Charisma. Die nächsten Präsidentschaftswahlen in Venezuela finden am 7. Oktober statt. Die Opposition hat sich erstmals auf einen Einheitskandidaten einigen können, den 39-jährigen Henrique Capriles Radonski.

(pbl)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Der Antiamerikanismus von Hugo Chavez ist mehr sinnbildlich als real, denn die Geschäfte zwischen den beiden Ländern sind sehr intensiv. USA ist z.B. der grösste Abnehmer von dem in Venezuela gewonnenen Erdöl. Die autoritäre Regierung von Chavez schränkt Menschenrechte und Pressefeiheit ein und trotzdem findet er durch seinen Populismus hauptsächlich bei der indigenen Bevölkerung seine Anhänger, wobei sich ja die Weissen als Opposition nie richtig einigen konnten. Die Regierung sollte wirklich wechseln, aber es ist nicht voraus zu sehen, wer der Nachfolger sein wird. Trotzdem gute Besserung – Marco Schwarz

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • che g am 03.03.2012 01:12 Report Diesen Beitrag melden

    viva chavez

    schade,ich hoffe er stirbt noch lange nicht und das er den kampf gegen den krebs besiegt!!er ist ein guter präsident!es braucht mehr solche präsidenten die sich nicht immer aus eigenem interesse dem westen beugen !

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  • fromhell am 04.03.2012 15:31 Report Diesen Beitrag melden

    Irgendwie fies:

    Egal welcher Partei er anghört, ich weiss es nicht, aber das wünscht man nicht mal seinem Erzfeind so was!

  • Hans Gross am 02.03.2012 19:24 Report Diesen Beitrag melden

    Armes Venezuela

    Ich habe lange in Venezuela gelebt. Ein wunderschönes Land, mit tollen, lebensfrohen Menschen. Schade, wird dieses Land von einigen wenigen Chavistas kaputt regiert. Meine Prognose: Wenn Chavez stirbt wird ein blutiger Streit um seine Nachfolge beginnen.... Die Revolution in Nordafrika wird dann als Vorbild dienen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • fromhell am 04.03.2012 15:31 Report Diesen Beitrag melden

    Irgendwie fies:

    Egal welcher Partei er anghört, ich weiss es nicht, aber das wünscht man nicht mal seinem Erzfeind so was!

  • FCZ1896 am 03.03.2012 10:36 Report Diesen Beitrag melden

    Viva Venezuela

    Wenn Chavez stirbt, können sich Kuba, Nicaragua etc. auf Revolutionen gefasst machen. Allein in Kuba machte 2008 das von Chavez geschenkte Öl 15% der Wirtschaft aus. Diese Länder sind ohne Chavez wirtschaftlich nicht mehr lebensfähig, d.h. sie würden noch mehr zugrunde gehen ohne den "Führer". Warum gab es wohl einige Reformänderung kürzlich in Kuba? Warum können einige nun schon privat arbeiten? Venezuela hat es verdient einen besseren Präsidenten zu bekommen! Viva Venezuela!

    • Ricardo Granda am 04.03.2012 11:23 Report Diesen Beitrag melden

      Viva Cuba

      Was heisst denn hier geschenktes Öl? Wissen Sie wieviel kubanische Ärzte und Krankenschwestern im Gegenzug in Venezuela ihren Dienst tun? Glauben Sie Hugo Chavez ist ein Samariter?

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  • Willye am 03.03.2012 07:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Venezuela braucht einen Neustart

    Die Opposition hat den Nachfolger für Chavez präsentiert. Capriles Radonski wird Venezuela wieder zurück in die erfolgreichen Zeiten führen. Die Sicherheit, die Bildung sowie die Zusammenarbeit mit den USA muss dabei im Mittelpunkt stehen. Aber Chavez wünsche ich alles Gute und gute Besserung.

  • che g am 03.03.2012 01:12 Report Diesen Beitrag melden

    viva chavez

    schade,ich hoffe er stirbt noch lange nicht und das er den kampf gegen den krebs besiegt!!er ist ein guter präsident!es braucht mehr solche präsidenten die sich nicht immer aus eigenem interesse dem westen beugen !

    • Marco Schwarz am 04.03.2012 14:21 Report Diesen Beitrag melden

      @che g

      Der Antiamerikanismus von Hugo Chavez ist mehr sinnbildlich als real, denn die Geschäfte zwischen den beiden Ländern sind sehr intensiv. USA ist z.B. der grösste Abnehmer von dem in Venezuela gewonnenen Erdöl. Die autoritäre Regierung von Chavez schränkt Menschenrechte und Pressefeiheit ein und trotzdem findet er durch seinen Populismus hauptsächlich bei der indigenen Bevölkerung seine Anhänger, wobei sich ja die Weissen als Opposition nie richtig einigen konnten. Die Regierung sollte wirklich wechseln, aber es ist nicht voraus zu sehen, wer der Nachfolger sein wird. Trotzdem gute Besserung

    • Venezuelanerin am 04.03.2012 14:28 Report Diesen Beitrag melden

      Sorry Chavez

      Denn must du nach Venezuela gehen und dort leben, und vielleicht nachher denkst du anders, er hatte schon ein paar gute Ideen, aber Venezuela ist schlimmer geworden als er President ist. Dort kann man nicht mehr wohnen. Es ist so gefährlich dass man weiss nicht ob ein Tag mehr leben wird.

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  • Pius am 02.03.2012 20:01 Report Diesen Beitrag melden

    Lateinamerika droht Rechtsrutsch

    Lateinamerika wird von Sozialisten regiert. Wenn Chavez stirbt, wird das eine Welle auslösen die vielleicht die Politische Haltung nach rechts treibt.

    • Paul Meierhans am 03.03.2012 09:22 Report Diesen Beitrag melden

      Es ist Zeit für einen Rechtsrutsch

      Die Sozialisten haben das Land schon genügend zerstört. Unternehmen wurden verstaatlicht, Zeitungen und Medien abgeschafft. Ich glaube eine konservative Regierung wird Venezuela wieder zu ansehen verhelfen. Chavez und Castro sind Relikte des utopischen Marxismus.

    • America am 03.03.2012 11:24 Report Diesen Beitrag melden

      Oh nein!

      Hoffentlich nicht - das hatten wir schon mal und war nicht gut!!!

    • CH-Bürger am 04.03.2012 12:14 Report Diesen Beitrag melden

      @Paul Meierhaus

      Meinen Sie einen Rechtsrutsch wie zu Zeiten Augusto Pinochets (Chile) und Jorge Rafael Videlas (Argentinien)? Die beiden haben in Südameria weit mehr Leute auf dem Gewissen als die Linksregierungen des Kontinenten.

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