Gingrich räumt ab

22. Januar 2012 08:38; Akt: 22.01.2012 12:06 Print

Republikaner vor zermürbendem KampfRepublikaner vor zermürbendem Kampf

von Martin Suter - Der Erdrutschsieg des konservativen Newt Gingrich in South Carolina verlängert den Primärwahlkampf der US-Republikaner um Monate.

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Newt Gingrich erhebt den Mahnfinger. (Bild: Keystone/AP/Matt Rourke)

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Amerikas konservative Republikaner dürsten nach einem furchtlosen Politiker, der den Kampf mit Barack Obama aufnimmt und die Eliten in ihre Schranken weist. Im Gliedstaat South Carolina fanden sie am Samstag ihren Helden in Newt Gingrich. Sie bescherten dem ehemaligen Sprecher des US-Repräsentantenhauses in der dritten Vorwahlrunde einen unerwartet massiven Sieg, der die Karten im Turnier um das Weisse Haus neu aufmischt.

Für Gingrich stimmten 40 Prozent der zur Primärwahl zugelassenen Republikaner und Unabhängigen. Ex-Gouverneur Mitt Romney von Massachusetts, der in Umfragen noch eine Woche vorher geführt hatte, landete mit bloss 28 Stimmenprozent abgeschlagen auf dem zweiten Platz. Unter «ferner liefen» landeten der frühere Senator Rick Santorum (17 Prozent) sowie das libertäre Kongressmitglied Ron Paul (13 Prozent).

Gingrichs Sieg ist umso erstaunlicher, als er noch vor elf Tagen in New Hampshire mit weniger als zehn Prozent der Stimmen auf dem letzten Platz von fünf Anwärtern figurierte. Diesmal räumte der beleibte Historiker fast im ganzen Gliedstaat ab; er überliess Mitt Romney bloss ein paar Bezirke in den Agglomerationen um die Hauptstadt Columbia und die Küstenstadt Charleston. Obwohl national von Frauen wenig geschätzt, konnte er in South Carolina auch eine Mehrheit der weiblichen Wähler für sich gewinnen.

Schutzschild der Wählbarkeit durchlöchert

Zur Überraschung vieler Beobachter fanden die Wähler mit 48 gegen 39 Prozent, Newt Gingrich sei eher als Mitt Romney fähig, im November Präsident Barack Obama zu schlagen. Damit durchlöcherte er den Schutzschild der Wählbarkeit, den Romney seit Beginn der Primärwahlen vor sich getragen hatte. Für den Mormonen Romney ist auch bedenklich, dass sich unter Wählern, denen die Religion wichtig ist, nur neun Prozent von ihm vertreten lassen möchten; den konvertierten Katholiken Gingrich bevorzugen 43 Prozent. Die Zahlen zeigen, dass die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in Amerika nach wie vor eine beschränkte Akzeptanz geniesst.

Gingrich schaffte die Wende dank seiner denkwürdigen Auftritte in zwei Fernsehdebatten. Am Montag beharrte er auf seiner Aussage, Obama sei ein Essensmarken-Präsident, und wies den Vorwurf von sich, das sei eine rassistische Aussage. Am Donnerstag drehte er Vorwürfe einer seiner zwei Ex-Frauen in eine rhetorisch gekonnte Medienschelte um, die ihm einen stehenden Applaus einbrachte. Beide Male präsentierte er sich als unerschrockener Kämpfer - genau das, was die konservative Wählerschaft offenbar wünscht.

Natürlich ist South Carolina nicht repräsentativ für das ganze Land. Der Südstaat ist deutlich konservativer und religiöser als der US-Durchschnitt. Hinzu kommt, dass Gingrich aus dem Nachbarstaat Georgia stammt. Der drittplatzierte Santorum brachte es in seiner Rede auf den Punkt, als er sagte: «Gingrich gewann in seinem Hinterhof, so wie Romney in New Hampshire in seinem Hinterhof siegte.» Er selber habe in Iowa auf neutralem Terrain gewonnen, deshalb sei in den künftigen Ausscheidungen er an der Reihe.

Romney wirft dickes Portemonnaie in die Waagschale

Diese Voraussage ist allerdings Wunschdenken. Viel wahrscheinlicher ist, dass nun ein langer Zermürbungskampf zwischen Romney und Gingrich beginnt. Romney wird versuchen, sein dickeres Portemonnaie und seine überlegene Organisation zum Tragen zu bringen. Auf Florida, wo am 31. Januar die nächste Wahlrunde stattfindet und bereits brieflich gewählt werden kann, ist er bestens vorbereitet. Am Dienstag will er eine Grundsatzrede halten, um einen Kontrast zu Obama herzustellen, noch bevor der Präsident am Abend zu seiner jährliche Rede zur Lage der Nation anhebt.

Doch Gingrich hat eine solche Rede bereits gehalten. Seine improvisierte, aber feurige Siegesansprache zeichnete einen scharfen Kontrast zwischen den angeblich sozialistischen Ambitionen Obamas und seiner Absicht, Amerika wieder auf seine Grundsätze zurückzuführen. «Es ist nicht so, dass ich ein guter Debattierer bin», sagte er. «Es ist so, dass ich die am tiefsten gefühlten Werte des amerikanischen Volks artikuliere.»

Die Schlacht um Florida

Gingrich dürfte vom Schwung des Siegs eine Weile weitergetragen werden. Ihm hilft auch der Zuspruch der konservativen Tea-Party-Bewegung, die in South Carolina grossen Einfluss geltend gemacht hat. Romney wiederum wird vom Establishment der Partei unterstützt. Viele Parteioberen in Washington sind davon überzeugt, dass Gingrich politisch zu verletzlich und daher unwählbar ist. Sie werden alles unternehmen, um den Rebellen auszuschalten.

Die Wählerinnen und Wähler werden sich wie schon in den früheren Runden auf die Fernsehdebatten konzentrieren. Vor dem Wahltag in Florida sind zwei solcher Wortgefechte programmiert, eine am nächsten Montag und eine am Donnerstag. Romney muss darin unbedingt mehr Stärke beweisen als bisher, sonst wird Gingrich erneut punkten.

Aber wie die Schlacht um Florida auch ausgeht: Die Nomination steht Anfang Februar noch lange nicht fest. Rein mathematisch kann ein Anwärter frühestens im April die nötige Zahl von 1144 Delegierten für den Parteikonvent sammeln. Durchaus denkbar, dass es noch viel länger dauert.

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  • D. Mihailovic am 23.01.2012 06:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rick & Newt

    Deshalb wird es auch ein Rennen zwischen Rick & Newt. Unterschätzt diesen Santorum nicht.

  • W. Herszew am 22.01.2012 20:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Republikaner

    Eine weitere Amtszeit, ausgeführt durch einen Demokraten, wird die Welt nicht überstehen!

    • Christoph L. am 23.01.2012 00:33 Report Diesen Beitrag melden

      Ja ja, die Republikaner....

      Wie kommst Du auf diese Idee? Wer hat denn die USA in den wirtschaftlichen Ruin getrieben? Richtig: die Republikaner unter George Bush. Es war von Anfang an klar, dass Obama ein äusserst schwieriges Erbe antreten musste. Aber weil die Wähler im allgemeinen solche Tatsachen sehr schnell vergessen, werden republikanische Scharfmacher immer wieder gewählt und die Demokraten dürfen dann anschliessend die angerichtete Suppe auslöffeln. Ich hoffe sehr, dass Obama wiedergewählt wird, weil er nicht so verlogen ist, wie die meisten republikanischen Politiker.

    • werner luginbühl am 23.01.2012 11:53 Report Diesen Beitrag melden

      @christoph

      bewerte einen Politiker nach sienen Taten nicht nach seinen Worte! Das ist deren Taktik, schön Demokr. gegen Reps aufhetzen, aber die Politik ist seit 50 Jahren gleich.Wie ehrlich kann er sein wenn er alles vom Teleprompter ablesen muss? Eine bessere Marionette als ihn gibts gar nicht, ein Saubermann, und falls er nichtmehr mitspielt, von einem Rassisten abknallen lassen. glaubt mir der Amerik. Präsident hat nicht viel zu melden, ausser man würde die macht der Rüstungskonzerne, Medien und Wallstreet mindern. wie Ron Paul es will. dann kann es vielleicht besser werden.

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  • Ted B. am 22.01.2012 17:58 Report Diesen Beitrag melden

    Ron Paul

    Ron Paul hat selber rassistische Artikel in den 90er rausgegeben und als Verleger viel Geld verdient. Ihn als vernünftig darzustellen ist falsch. Er hat auch arithmetisch keine Chance mehr gewählt zu werden. 20min täte gut daran das System zu erklären.

    • Peter Saxer am 22.01.2012 20:54 Report Diesen Beitrag melden

      Falsch

      Sie täten gut daran das System zu verstehen. Es sind bis jetz 2% der Delegiertenstimmen vergeben. Ron Paul ist der einzige Kandidat neben Romney der in allen Staaten wählbar ist. Im Gegenteil, Gingrich hat keine Chance weil er in Virginia gar nicht wählbar ist weil er unfähig war genügend Unterschriften einzureichen. Die Newsletter hat er nachweislich nicht geschrieben, es war ein freier Redakteur. Es ist ein 2 man Race zwischen Romney und Paul.

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