Facebook-Propaganda

02. November 2017 13:40; Akt: 03.11.2017 09:10 Print

So manipulierten Russen-Trolle die US-Wähler

Eine teuflische Hillary gegen Jesus oder Bernie Sanders als Schwulen-Ikone: Mit welchen Mitteln Moskau den US-Wahlkampf beeinflusst hat.

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Ein Beispiel der vom US-Kongress veröffentlichten russischen Propaganda auf Facebook: Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton kämpft als Satan gegen Jesus. Die vermeintliche «Army of Jesus» war Absender dieser Satan-Posts: «Hillary ist der Teufel, und ihre Verbrechen und Lügen haben bewiesen, wie teuflisch sie ist. Und obwohl Donald Trump wahrlich kein Heiliger ist, ist er wenigstens ein ehrlicher Mann, der sich tief um sein Land sorgt. Meine Stimme gehört ihm!» Aus der gleichen Propaganda-Fabrik stammt allerdings auch dieser Beitrag, der zu einer Anti-Trump-Demonstration aufruft. Mit diesem Beitrag sollte die LGBT-Community angesprochen oder Gegner in ihren Vorurteilen bestätigt werden: Werbung für ein angebliches Malbuch, in dem der Demokrat Bernie Sanders in Muskelmann-Posen zu sehen ist. Die Fake-Gruppe «United Muslims of America» präsentierte Hillary Clinton als Muslimen wohlgesinnte Kandidatin. Neben Pro-Islam- fanden sich auch Anti-Islam-Posts auf Facebook – etwa Werbung für ein Anti-Burka-Gesetz in Amerika. «Nieder mit Hillary», fordert eine angebliche Patrioten-Gruppe. Sie brandmarkt Clinton als Mitverfasserin von Obama-«Propaganda» gegen die Polizei und gegen die Verfassung. Dieser Post richtete sich an schwarze Aktivisten: Er behauptet, dass ein 30-Jähriger namens Danney Williams seit 1999 versucht, als unehelicher Sohn von Bill Clinton und einer schwarzen Prostituierten anerkannt zu werden. Auch dieser vermeintlich von afroamerikanischen Aktivisten abgesetzte Post ist nicht echt. Diese Fake-Gruppe blickt zurück in die Vergangenheit und feiert die Black Panthers als Kämpfer gegen den rassistischen Ku-Klux-Klan. Posts gegen Polizeigewalt wurden ebenso verbreitet wie ... ... Beiträge, die die Polizisten als Helden feiern. Die Internet-Trolle richteten sich an alle möglichen Interessengruppen – auch US-Waffennarren, die sich gegen eine Verschärfung der Waffengesetze wehren. Die Fake-Gruppe «Heart of Texas» schürte die Angst vor Vergewaltigern, Drogendealern und Menschenhändlern, die illegal über die US-Grenze kommen. Ein anderer Post der gleichen Gruppe unterstellt der Regierung, Texaner wie «dumme Schafe» zu behandeln, und ruft zum Widerstand auf.

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Die Facebook-Posts, die vom russischen Propaganda-Apparat während des US-Wahlkampfs abgesetzt wurden, richteten sich nicht nur an potenzielle Trump-Wähler, sondern an alle Bevölkerungsschichten. Der US-Kongress hat im Rahmen der Anhörung von Facebook, Twitter und Google eine Reihe von Bildern veröffentlicht. Insgesamt gibt es laut «The Verge» über 3000 solcher Beispiele.

Die Posts zeigen, mit welchen Mitteln die Agitatoren versuchten, die Spaltung der US-Gesellschaft voranzutreiben und Unruhe auf Demonstrationen zu stiften. Während einige Beiträge an Christen, Trump-Anhänger und Hillary-Clinton-Verächter adressiert waren, wandten sich andere Posts an Muslime, Schwarze und Mitglieder der LGBT-Gemeinschaft.

Die Werbeanzeigen und herkömmlichen Beiträge (siehe Fotostrecke) stammten zum grossen Teil von der Troll-Farm «Internet Research Agency» in Sankt Petersburg. Zählt man Instagram-Posts hinzu, haben laut Facebook 146 Millionen US-Amerikaner die Propaganda-Bilder in ihrem Newsfeed gesehen.

(mlr)