Frankreich

15. Dezember 2016 12:10; Akt: 15.12.2016 14:41 Print

Fussgänger-Radar blitzt Autos, die nicht anhalten

Fährt ein Auto über den Fussgängerstreifen, während sich ein Mensch darauf befindet, wird es geblitzt. Mit diesem Test will Frankreich für mehr Verkehrssicherheit sorgen.

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Ein 21-Jähriger erliegt seinen Verletzungen, nachdem er im Jura von einem Auto angefahren wurde, ein 86-Jähriger kommt im Aargau ums Leben und ein Rentner stirbt in Bern: Alleine im November haben drei Menschen in der Schweiz auf einem Fussgängerstreifen ihr Leben verloren. 2015 passierte fast ein Viertel der 253 Strassenunfällen auf einem Fussgängerstreifen.

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Was halten Sie davon, dass Autofahrer gebüsst werden, sobald sie sich gleichzeitig mit einem Menschen auf dem Fussgängerstreifen befinden?
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Im französischen Calais werden seit letztem Freitag Tests mit Radarfallen vor Fussgängerstreifen durchgeführt. Das Auto wird dann geblitzt, wenn es über die gelben Streifen fährt, obwohl sich bereits ein Mensch darauf befindet. «Wir wollen damit das Verhalten der Autofahrer überwachen, um sicher zu gehen, dass sie den Fussgängern den Vortritt lassen», sagt Michael Sdika, Geschäftsführer des französischen Unternehmens AFS2R, das die Blitzer für je 30'000 Euro herstellt, zum französischen Online-Portal «Le Point».

Wer Vortritt missachtet, wird gebüsst

Dank einem Algorithmus wird die Fläche des Fussgängerstreifens permanent überwacht. Die Kamera erkennt sofort, wenn sich ein Mensch darauf aufhält. Überquert zu dieser Zeit ein Auto den Fussgängerstreifen, schiesst die Kamera ein Foto der Szene – das Nummernschild wird dabei ebenfalls abgelichtet. Das Bild wird umgehend an die Polizei übermittelt. Diese überprüft dann anhand der Aufnahmen, ob es sich um ein Vergehen handelt oder nicht.

Wer den Vortritt der Fussgänger missachtet, muss mit einer Busse von 125 Euro und einem Abzug von vier Punkten auf dem Führerschein rechnen. Der Blitzer, der in Calais an einer Einkaufsstrasse im Stadtzentrum platziert ist, sei nicht versteckt worden, sagt Sdika. Es gehe darum, das Risiko für Unfälle zu minimieren, man wolle damit kein Geld machen. Die nächste Radarfalle werde vor einer Schule aufgestellt.

«Fussgänger marschieren blindlings über den Streifen»

Die Aktion stösst auch in der Schweiz auf Interesse. Der Verkehrs-Club der Schweiz VCS lobt die Idee: «Wir unterstützen alle Massnahmen zugunsten der Verkehrssicherheit», sagt Sprecher Matthias Müller zu «Le Matin». Es sei wichtig, neue Experimente durchzuführen, besonders auf gefährlichen Strassenabschnitten. «Schliesslich ist die Geschwindigkeitsreduktion eines der effizientesten Mittel, um Unfälle zu verhindern.»

RoadCross Schweiz warnt derweil: Wenn man die ganze Verantwortung auf den Fahrer schiebe, führe dies dazu, dass die Fussgänger fahrlässig würden und blindlings über den Streifen marschierten, sagt Sprecher Stefan Krähenbühl zu «Le Matin». Sie seien dann der Meinung, der Radar reiche, um sie zu beschützen. «Wir sind aber grundsätzlich allen Ideen gegenüber offen und erwarten die ersten Ergebnisse des Pilotprojekts aus Frankreich mit Interesse.»

Keine ähnlichen Radars in Planung

Die Genfer Polizei ist der Aktion gegenüber abgeneigt. «Wir haben derzeit keine solche Radarfallen in Planung», sagt Silvain Guillaume-Gentil zur Zeitung. Der Hauptteil der Autofahrer respektierte den Vortritt der Fussgänger. Falls es zu einem beunruhigenden Anstieg an Vorfällen kommen sollte, setze die Polizei lieber auf Kampagnen, die an die korrekte Fahrweise erinnere und auf gefährliches Verhalten aufmerksam mache. Auch beim Bundesamt für Strassen (Astra) heisst es solche Radarfallen seien derzeit in der Schweiz nicht geplant.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • blaesi007 am 15.12.2016 12:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht sehen,Nicht hören

    Hoffe der Fussgänger wird auch geblitztbüsst wenn er ohne ''Luege,Lose,Loufe'' einfach vor ein Auto läuft.

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  • Hene am 15.12.2016 12:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schuldteilung

    Es sollte auch - den Fussgänger - blitzen, wenn dieser abrupt auf den Fussgängerstrefen abbiegt und keinerlei Blickkontakt sucht. Ist ja elend wie die Leute auf gut Glück über den Fussgängerstreifen taumeln und dabei lieber aufs Natel schauen, als auf die Umgebung.

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  • Tim.T am 15.12.2016 12:19 Report Diesen Beitrag melden

    Franzose hält nie an!

    Ein Witz Ein Franzose hält gefühlt niemals an einem Fussgängerstreifen! Somit müsste man ja fast eine Stroboskop-Lampe installieren anstelle eines einfachen Blitzes!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sid am 16.12.2016 10:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Unfälle

    Ganz schlechte Idee mit dem Radar. Gibt allen Fussgängern auf dem Zebra das Gefühl unverletzbar, unantastbar und immer im Recht zu sein. Das könnte mehr Unfälle als bis anhin produzieren

  • Tony666 am 16.12.2016 08:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    super...und noch eine Kontrolle mehr..

    ....ist doch unglaublich wie der Staat erfinderisch wird wenn sie nicht mehr wissen wo sie das Geld hernehmen sollen.... das hat doch nichts mehr mit Verkehrserziehung zu tun sondern mit Überwachung und Abzocke... wie lange dauert es noch bis Überwachungskameras in unseren privaten Räumen stehen???

  • Rico S am 16.12.2016 07:00 Report Diesen Beitrag melden

    Flächendeckend installieren

    Würde mich nicht erstaunen, wenn solche Radars schon bald flächendeckend in der Schweiz installiert würden. Damit liesse sich der ungeliebte Verkehr ja weiter verteuern.

  • kym am 16.12.2016 05:27 Report Diesen Beitrag melden

    Fußgänger

    50 km/h sind innerorts erlaubt, dass sind knappe 14m/s. Wenn die Reaktionszeit eine Sekunde beträgt dann ist das Auto 14m weiter. Fußgänger wahrscheinlich unterm Auto. Es kann nicht sein, dass jeder auf die Strasse läuft nur weil er vortritt hat. Und irgendwie kann man vom Autofahrer erwarten von 50kmh abzubremsen. Ich finde man sollte die Fußgänger nicht zu sehr verwöhnen, denn Sie werden sich daran gewoehnen, nur im Ausland bremst keiner und dann liegen Sie unterm Auto.

    • Rico S am 16.12.2016 07:02 Report Diesen Beitrag melden

      Verbrauch

      Nicht auszudenken, welcher Bremsstaubabrieb und welcher zusätzlicher Benzinverbrauch, um für all die Fussgänger anzuhalten.

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  • J.Wolfgang am 16.12.2016 04:30 Report Diesen Beitrag melden

    Mit Elefant auf Mückenjagd gehen

    Das Gerät sieht ja aus wie ein Mars-Rover. Was kostet es? Kann es auch für andere Überwachungsaufgaben verwendet werden? Nur für Fussgängerwege verwendet, erscheint mir das Ganze zu "Oversized", man könnte auch angeschrägt sagen: Eine Mücke mit einem Elefanten jagen.