«Schmerzhaftes Erbe»

05. Dezember 2011 08:08; Akt: 05.12.2011 08:19 Print

Über 42 000 Minentote nach Vietnamkrieg

Nach dem Ende des Vietnamkrieges blieb das Land mit Hunderttausenden Minen ein gefährliches Pflaster. Mehr als 100 000 Menschen kamen dadurch zu Schaden.

Bildstrecke im Grossformat »
Amerikanische Matrosen stossen einen Hubschrauber über Bord der «USS Blue Ridge», um mehr Platz für Evakuierungsflüge aus Saigon zu schaffen. In den letzten Tagen des Krieges bestimmten Panik und Verzweiflung das Bild. Das Bild, das zur Ikone des Vietnamkrieges wurde: Vietnamesische Kinder flüchten schreiend nach einem Napalm-Angriff. Der Konflikt begann schon 1946 als Kolonialkrieg. Nach der Niederlage von Dien Bien Phu 1954 (Bild) zog sich die ehemalige Kolonialmacht Frankreich zurück; die Amerikaner «erbten» den Krieg. Ab 1965 wurden immer mehr amerikanische Soldaten in die Reisfelder Südvietnams geschickt. Ende 1965 waren es bereits über 184 000 ... ... Ende 1968 über eine halbe Million. In «Search-And-Destroy»-Aktionen kämpften sie gegen einen Feind, der sich geschickt vor ihnen zu verbergen verstand. Bald stiegen die Verluste massiv an. Während des gesamten Krieges starben über 58 000 US-Soldaten. Ein toter Soldat wird geborgen. Die Verluste unter der Zivilbevölkerung waren allerdings noch weit höher. Insgesamt starben drei Millionen Menschen. Infanteristen im Kampf gegen Scharfschützen des Viet Kong. Ein US-Marinesoldat bringt im Oktober 1965 einen Viet Kong zum Gefangenenlager. Ein südvietnamesischer Soldat schlägt einen gefangenen Viet Kong mit dem Messerknauf. Südvietnamesische Soldaten begegnen einem Bauern, der ein totes Kind hält. Der amerikanische Verteidigungsminister McNamara (M.) und der US-Kommandant General Westmoreland (r.) besprechen im September 1965 mit dem südvietnamesischen General Tee die Lage. Hubschrauber versorgen 1966 die Bodentruppen nordöstlich von Saigon mit Nachschub. Ein verwundeter südvietnamesischer Soldat wird 1967 aus der Kampfzone bei Phan Rang geborgen. Hubschrauber bieten der Infanterie Schutz. Im Kampf gegen die Guerillakämpfer des Viet Kong setzten die USA Entlaubungsmittel wie Agent Orange ein. Heute noch leidet die Bevölkerung unter diesen giftigen chemischen Altlasten. Um Nordvietnam verhandlungswillig zu machen und den Nachschub aus dem Norden zu unterbinden, bombardierte die US-Luftwaffe das Land gnadenlos. Acht Millionen Tonnen Bomben wurden auf Vietnam abgeworfen. Die nordvietnamesische Luftabwehr wurde von der Sowjetunion aufgerüstet. Hier wird im September 1966 eine amerikanische F-105 nördlich von Hanoi abgeschossen. Auf die abgeschossenen Piloten wartete keine angenehme Gefangenschaft. Auch der spätere Präsidentschafts-Kandidat John McCain wurde 1967 bei Hanoi vom Himmel geholt (Bild). Dieser Pilot kehrt 1973 aus der Gefangenschaft zurück und wird von seiner Familie begrüsst. Begegnung auf dem Ho-Chi-Minh-Pfad. Der Pfad war die Lebensader des Viet Kong, auf dem ... ... tausende von Trägern unablässig Nachschub in den Süden brachten. Aber auch Lastwagen mit Fahrern und Soldaten als Eskorte ... ... waren auf dem Pfad unterwegs. Kämpfer des Viet Kong erklettern einen verlassenen Panzer in Hue. Die Tet-Offensive im Januar 1968 war - zumindest psychologisch - ein schwerer Schlag für die USA und stellte den Wendepunkt des Krieges dar. Das Massaker von My Lay im März 1968, das erst Ende 1969 bekannt wurde, untergrub den moralischen Anspruch der US-Armee enorm. 504 Zivilisten wurden in dem Dorf von US-Soldaten umgebracht. Die amerikanische Friedensbewegung wurde von solchen Vorfällen gestärkt. Die Schauspielerin Jane Fonda reiste gar zum nordvietnamesischen Feind, um gegen den Krieg zu protestieren. In den USA selber nahmen die Proteste laufend zu. Nationalgardisten eröffneten 1970 das Feuer auf Demonstranten an der Kent State University. Vier Studenten starben. Verzweifelte Menschen belagern Ende April die US-Botschaft in Saigon, um aus der Stadt evakuiert zu werden. Ein nordvietnamesischer Panzer dringt auf das Gelände des Präsidentenpalastes in Saigon ein. Nordvietnamesische Soldaten vor brennenden Flugzeugen auf dem Flugplatz von Saigon. Eine Mutter und ihre drei Kinder haben es geschafft; sie werden auf einem Amphibienfahrzeug aus Saigon evakuiert. Die Einwohner von Saigon begrüssen die nordvietnamesische Truppenspitze. Gefangene südvietnamesische Soldaten in den Strassen Saigons. Der Krieg ist vorbei.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Über 42 000 Menschen sind seit dem Ende des Vietnamkriegs nach Regierungsangaben bei der Explosion von Minen und Blindgängern ums Leben gekommen. Weitere 62 000 Menschen hätten dabei Verletzungen erlitten, sagte der vietnamesische Ministerpräsident Nguyen Tan Dung am Montag auf einer Geberkonferenz.

Nach Angaben des U.S. Vietnam Veterans Memorial Fund befinden sich noch immer über 350 000 Tonen Landminen und weitere Sprengsätze in Vietnam. US-Botschafter David Shear sagte auf der Konferenz, die Vereinigten Staaten hätten 62 Millionen Dollar (45,5 Millionen Euro) bereitgestellt, um Vietnam bei der Beseitigung «dieses schmerzhaften Erbes» zu helfen.

(dapd)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

20 Minuten ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Licci am 05.12.2011 10:07 Report Diesen Beitrag melden

    Grausam (Teil 2)

    Dazu kommt, dass nicht nur Vietnam beteiligt war. Während dem Krieg wurde sowohl Laos als auch Kambodscha massiv bombardiert. Nicht zu vergessen, dass dieser Krieg den Roten Khmer zur Macht verhalfen... Nichts desto Trotz sind das alles wunderschöne Länder mit liebenswerten Leuten und allemal einen Besuch wert!

  • Lananh Nguyen am 05.12.2011 09:53 Report Diesen Beitrag melden

    SHAME !

    Wann werden die Amis endlich zur Rechenschaft gezogen. Es scheint noch heute, dass unsere selbsternannte Weltpolizei sich alles erlauben kann! Shame

    einklappen einklappen
  • Licci am 05.12.2011 10:04 Report Diesen Beitrag melden

    Grausam (Teil 1)

    Ich war letztes Jahr 2 Monate in Vietnam. Es war sehr interesant die 'andere' Seite kennenzulernen. Einfach brutal wieviele Minenopfer und Geschädigte von Agent Orange (Behinderungen, körperliche Deformationen) noch heute das Bild auf den Strassen Saigons, Hanoi und in anderen Teilen des Landes bestimmen. Obwohl ein grosser Teil der Minen geräumt wurden, werden immer noch täglich Bauern und Kinder von Blindgängern und Minen verletzt. Amerikanische Touristen werden ziemlich gut behandelt und sind ihrerseits immer wieder tief berührt und traurig was dort geschehen ist.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ricardo Granda am 05.12.2011 21:25 Report Diesen Beitrag melden

    Napalm

    Das nackte, verbrannte Mädchen auf dem zweiten Bild, lebt heute in Kanada und ist verheiratet. Eines der wenigen positiven Erinnerungen an diesem grausamen Krieg.

  • Licci am 05.12.2011 10:07 Report Diesen Beitrag melden

    Grausam (Teil 2)

    Dazu kommt, dass nicht nur Vietnam beteiligt war. Während dem Krieg wurde sowohl Laos als auch Kambodscha massiv bombardiert. Nicht zu vergessen, dass dieser Krieg den Roten Khmer zur Macht verhalfen... Nichts desto Trotz sind das alles wunderschöne Länder mit liebenswerten Leuten und allemal einen Besuch wert!

  • Licci am 05.12.2011 10:04 Report Diesen Beitrag melden

    Grausam (Teil 1)

    Ich war letztes Jahr 2 Monate in Vietnam. Es war sehr interesant die 'andere' Seite kennenzulernen. Einfach brutal wieviele Minenopfer und Geschädigte von Agent Orange (Behinderungen, körperliche Deformationen) noch heute das Bild auf den Strassen Saigons, Hanoi und in anderen Teilen des Landes bestimmen. Obwohl ein grosser Teil der Minen geräumt wurden, werden immer noch täglich Bauern und Kinder von Blindgängern und Minen verletzt. Amerikanische Touristen werden ziemlich gut behandelt und sind ihrerseits immer wieder tief berührt und traurig was dort geschehen ist.

  • Lananh Nguyen am 05.12.2011 09:53 Report Diesen Beitrag melden

    SHAME !

    Wann werden die Amis endlich zur Rechenschaft gezogen. Es scheint noch heute, dass unsere selbsternannte Weltpolizei sich alles erlauben kann! Shame

    • Danny am 05.12.2011 13:57 Report Diesen Beitrag melden

      Hinterlassenschaft

      @ Nguyen. Dem Namen nach bist Du Vietnamese. Also solltest Du wissen, dass Vietnam auch gegen Frankreich Krieg geführt hat, lange vor der US-Intervention. Und danach gegen China und Kambodscha's Rote Khmer. Also sollten FR und China mitzahlen, denn ein Teil der Minen und Blindgänger stammen von denen. Ausserdem hat auch der Vietkong und die NVA Minen und Sprengfallen hinterlassen. Sowohl im eigenen Land gegen die Franzosen und Amis, als auch in Kambodscha (die NVA). Aber von Letzterem spricht heute niemand mehr.

    einklappen einklappen
  • Susann Welti am 05.12.2011 09:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Gift kommt noch dazu!

    Und die Nachwehen von Agent Orange? Die kommen noch dazu! Generationen von Fehlbildungen, Behinderten Kindern, die darunter Leiden müssen!