Ein Kandidat weniger

16. Januar 2012 04:10; Akt: 16.01.2012 18:44 Print

Jon Huntsman gibt aufJon Huntsman gibt auf

Seine Aussichten auf Erfolg hat der frühere US-Botschafter in China von Anfang an als «sehr gering» bezeichnet. Jetzt steigt Jon Huntsman ganz aus dem Rennen um die US-Präsidentschaftskandidatur aus.

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: Der frühere Sprecher des Repräsentantenhauses hat bislang eine Achterbahnfahrt erlebt. Mit dem Sieg bei der Vorwahl in South Carolina war er zuletzt ganz oben. Unklar ist, wie lange dies so bleibt, denn Gingrich schleppt viel Ballast mit sich herum. : Der Ex-Gouverneur von Massachusetts und Multimillionär gilt als mehrheitsfähig. Doch viele Konservative tun sich schwer mit dem Mormonen, sie halten ihn für zu glatt und abgehoben. Nach gutem Start in die Vorwahlen ist er zuletzt in Rücklage geraten. Der 53-jährige Italoamerikaner sass zwölf Jahre für den Bundesstaat Pennsylvania im Senat, ehe er 2006 abgewählt wurde. Er politisiert am rechten Rand der Partei. Lange war er ein krasser Aussenseiter, doch in Iowa gewann er knapp gegen Romney. : Der Texaner hat mit seinen libertären, staatskritischen Ansichten eine grosse Fangemeinde erobert. Diese hat ihm bei den bisherigen Vorwahlen zu teilweise guten Resultaten verworfen. Eine Chance auf die Nomination hat er trotzdem nicht. Der Gouverneur von Texas stieg im August ins Rennen ein und erreichte in den Umfragen sofort Spitzenwerte. Doch nach einigen Patzern stürzte er immer tiefer ab. Nach schwachen Ergebnissen in Iowa und New Hampshire stieg er aus dem Rennen aus. : Er war Gouverneur von Utah, US-Botschafter in China und ist bekennender Mormone, wie Mitt Romney. Huntsman wollte sich als moderate Alternative zu diesem anbieten, doch wirklich durchsetzen konnte er sich nie. Am 16. Januar warf er das Handtuch. Die Kongressabgeordnete aus Minnesota hat fünf eigene und 23 Pflegekinder. Sie ist eine Favoritin der Tea-Party-Bewegung und berüchtigt für ihr loses Mundwerk. Nachdem sie bei der Vorwahl in ihrem Geburtsstaat Iowa nur den letzten Platz belegte, gab sie ihre Bemühungen auf. Der ehemalige Chef einer Pizza-Kette inszeniert sich als Anti-Politiker und kommt damit vor allem bei der Tea-Party-Bewegung an. Vorwürfe wegen sexueller Belästigung und peinliche Patzer haben ihm jedoch geschadet - so sehr, dass er am 3. Dezember 2011 seine Kandidatur vorläufig auf Eis gelegt hat. Mit seiner zupackenden Art hat er sich als Gouverneur von New Jersey schnell Respekt verschafft. Für viele Republikaner ist er ein Hoffnungsträger, doch am 4. Oktober 2011 stellte Christie ein für allemal klar, dass er nicht kandidieren wird. : Die ehemalige Gouverneurin von Alaska erhält viel Aufmerksamkeit, doch ob sie in der Lage wäre, gegen Barack Obama zu gewinnen, haben viele bezweifelt. Am 5. Oktober 2011 hat sie ihren Verzicht auf eine Kandidatur bekanntgegeben. Der Bruder von George W. Bush (l.) hat sich als früherer Gouverneur von Florida Respekt verschafft. Einen weiteren Bush im Weissen Haus will er den Amerikanern aber offensichtlich nicht zumuten. «Ich kandidiere nicht», hielt er in einer Mitteilung fest. Der Kongressabgeordnete von Wisconsin hat den radikalen Budget-Sparplan der Republikaner entworfen. Das macht ihn für viele in der Partei zu einem möglichen Kandidaten, doch Ryan will davon bislang nichts wissen. Der populäre Gouverneur von Indiana und Budgetdirektor in der Regierung von George W. Bush galt als Favorit der Parteiführung. Am 22. Mai 2011 erklärte er jedoch aus Rücksicht auf seine Familie den Verzicht auf eine Kandidatur. : Dem ehemaligen Gouverneur von Arkansas gelang 2008 zum Auftakt der Vorwahlen ein Überraschungssieg. Dieses Mal hat der Baptistenprediger frühzeitig das Handtuch geworfen. : Der Gouverneur von Minnesota hat versucht, sich als solider Konservativer zu profilieren. Allerdings fehlt es ihm an Charisma. Im Juli stieg er als erster Kandidat aus dem Rennen aus. Der New Yorker Immobilienmogul sorgte mit markigen Sprüchen für Furore und erklomm in den Umfragen kurzzeitig den Spitzenplatz. Dann krebste er zurück: Seine vermeintliche Präsidentschaftskandidatur war wohl nur ein Werbegag für seine TV-Show «The Celebrity Apprentice».

Das sind die verbliebenen Herausforderer von Barack Obama.

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Bei den US-Republikanern lichtet sich das Bewerberfeld für die Präsidentschaftskandidatur. Knapp eine Woche vor der Vorwahl im Bundesstaat South Carolina stieg der frühere Gouverneur von Utah, Jon Huntsman, aus dem Rennen aus.

Huntsman sagte am Montag in Myrtle Beach, er werde fortan den bislang führenden Mitt Romney unterstützen, der ebenfalls Mormone ist. Das Feld möglicher Herausforderer von Amtsinhaber Barack Obama schmolz mit Huntsmans Entscheidung auf fünf zusammen.

Der Zeitpunkt der Ankündigung von Huntsmans Rückzug kam überraschend. Wenige Stunden zuvor sprach South Carolinas auflagenstärkste Zeitung «The State» noch eine Empfehlung für den 51- jährigen früheren US-Botschafter in China aus, der im Feld der Bewerber ein eher moderates und modernes Bild abgab.

In Anspielung auf die zum Teil drastischen Angriffe anderer Bewerber auf Obama hatte Huntsman beispielsweise gesagt, er glaube nicht, «dass man verrückt sein muss, um in der Republikanischen Partei zu sein». Auch bekannte er sich zur Evolutionstheorie und anderen wissenschaftlichen Erkenntnissen, die bei den Republikanern in Frage stehen.

Huntsman kritisierte am Montag zugleich den Verlauf des Wahlkampfes. Das Rennen um die Kandidatur sei zu negativen und persönlichen Attacken verkommen. Die Bewerber sollten vielmehr mit den gegenseitigen Angriffen aufhören «und direkt mit dem amerikanischen Volk reden».

Weg frei für Romney

Huntsmans Kampagnensprecher Tim Miller sagte dem Sender ABC News schon vor Huntsmans persönlichem Auftritt, dieser sei «stolz auf das Rennen, das er abgeliefert hat», wolle aber dem früheren Gouverneur von Massachusetts, Romney, «nicht im Weg stehen».

Der Wirtschaftsfachmann Romney gilt nach Siegen bei Vorwahlen in Iowa und New Hampshire auch nach landesweiten Umfragen als aussichtsreichster Anwärter auf den Posten des republikanischen Herausforderers von Obama bei den Wahlen im November.

Huntsman sprach von «Meinungsverschiedenheiten» zwischen Romney und ihm «in manchen Angelegenheiten». Er sei aber der Ansicht, dass Romney der «am besten ausgerüstete Kandidat» der Republikaner sei, «um Barack Obama zu schlagen».

Huntsmans Empfehlung für Romney reicht noch nicht, um diesem einen Sieg über die Mitbewerber zu sichern, vergrössert aber dennoch spürbar die Chancen dafür.

Noch fünf Kandidaten

Huntsman war in der vergangenen Woche bei den Vorwahlen in New Hampshire hinter Romney und dem Kongressabgeordneten Ron Paul aus Texas nur auf dem dritten Platz gelandet. Der «New York Times» zufolge war damit der erhoffte Schub für seine Kampagne ausgeblieben, auch in finanzieller Hinsicht.

Neben Romney und Paul sind noch der frühere Präsident des Abgeordnetenhauses, Newt Gingrich, Ex-Senator Rick Santorum und der Gouverneur von Texas, Rick Perry, im Rennen. Aus dem Bewerberfeld hatten bereits die Tea-Party-Politikerin Michele Bachmann und der frühere Pizza-Unternehmer Herman Cain das Handtuch geworfen.

(sda)