Schlüsselzeugin ist in Mexiko

12. Dezember 2012 03:54; Akt: 12.12.2012 04:38 Print

Hält Berlusconi «Ruby» vom Prozess fern?

Nun ist klar, warum «Ruby Rubacuori» vor zwei Tagen im Berlusconi-Prozess nicht vor Gericht erschienen ist: Sie ist in Mexiko. Die Verteidigung hält das für ein Ablenkungsmanöver Berlusconis.

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Karima el-Mahroug, besser bekannt unter dem Künstlernamen ist die Schlüsselzeugin im Sex-Prozess gegen Silvio Berlusconi. 2010 soll es bei Feiern in Berlusconis Villa zu Orgien mit minderjährigen Prostituierten gekommen sein. Die «Ruby-Affäre» war Anlass für den jahrelangen Prozess gegen den Ex-Ministerpräsidenten wegen möglichen Amtsmissbrauchs und Förderung der Prostitution mit Minderjährigen. Berlusconi sagt vor Gericht, es habe keine Sexparties mit «Bunga Bunga» gegeben, sondern lediglich Abendessen, bei denen er sich mittels Singen sowie Gesprächen über Sport, Politik und Klatsch in den Mittelpunkt gesetzt habe. Er sei von Ruby belogen worden. Berlusconi erklärt vor Gericht, er habe zwar 45'000 Euro an die minderjährige Prostituierte gezahlt, jedoch nur, damit sie davon einen Schönheitssalon mit Haarentfernungslaser eröffnen könne und nicht etwa für sexuelle Dienstleistungen. «Ruby» ist nicht im Gerichtssaal. Ruby Rubacuori hat am Wiener Opernball 2011 teilgenommen, der schliesslich ohne Skandale über die Bühne ging. Neben Berlusconis Gespielin Ruby kamen auch Stars wie Bob Geldof und Anna Netrebko nach Wien. Küss die Hand schöne Frau...Ruby hat Richard Lugners Einladung zum Wiener Opernball angenommen. Überraschend gab die junge Frau einen Tag vor dem Opernball ihre Heiratspläne bekannt. Der Glückliche soll ein 41-jähriger Disco-Besitzer sein. Ruby Rubacuori fühlt sich von den Medien ungerecht behandelt. In einer E-Mail an die Nachrichtenagentur AP erklärte sie, sie habe nichts falsch gemacht. «Ich will Schadensersatz, weil ich so verletzt worden bin, und alles Gold der Welt würde dafür nicht ausreichen.» Sie sei von der italienischen und ausländischen Presse wie eine Prostituierte behandelt worden, schrieb sie. Die mittlerweile 18-Jährige verlangte von der AP 15'000 Euro für ein TV-Interview. «Ich tue nichts für nichts», erklärte sie. Die italienische Tageszeitung «La Repubblica» veröffentlicht die bislang geheime Einvernahme von Ruby am 3. August 2010. Die junge Marokkanerin behauptet, Silvio Berlusconi habe sehr wohl gewusst, dass sie zum Zeitpunkt der Partys in Villa Arcore minderjährig war. Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi wurde wegen der Affäre um die junge Marokkanerin «Ruby» wegen der Begünstigung der Prostitution Minderjähriger der Prozess gemacht. Das Eilverfahren begann am beginnen. Im selben Prozess muss sich Berlusconi zudem wegen Amtsmissbrauchs vor Gericht verantworten. Er wird beschuldigt, später seinen Einfluss geltend gemacht zu haben, um die Affäre zu vertuschen. Das mittlerweile 18 Jahre alte Escortmädchen Ruby Rubacuori verteidigte Berlusconi bei der Aufzeichnung der Sendung «Kalispera». Berlusconi habe ihr zwar geholfen, aber nichts als Gegenleistung verlangt. Weinend fügte sie hinzu, sie habe sich niemals prostituiert. Sei sei im Alter von neun Jahren von zwei Onkeln vergewaltigt worden. Karima El Marough, wie Ruby mit richtigem Namen heisst, steht seit November 2010 im Mittelpunkt der Ermittlungen gegen Italiens Premierminister Silvio Berlusconi. Damals hiess es, der Cavaliere habe die noch 17-Jährige für Sex bezahlt. In Italien ist es strafbar, gegen Bezahlung Sex mit Prostituierten unter 18 Jahren zu haben. Ruby selbst behauptet, wiederholt an Partys des italienischen Premiers teilgenommen zu haben. Nach eigenen Angaben hat sie sogar 7000 Euro erhalten. Sie will aber keinen Sex mit Berlusconi gehabt haben. Ruby war Ende Oktober 2010 gross in den Medien geraten, nachdem bekannt geworden war, dass Silvio Berlusconi sich persönlich für die junge Frau eingesetzt hatte und sie mit einem Anruf vor dem Gefängnis bewahrt hatte. Die Polizei hatte Ruby am Abend des 27. Mai 2009 festgenommen. Sie war von einer Freundin bezichtigt worden, Geld gestohlen zu haben. Ruby rief aus dem Polizeiposten direkt ins Büro des Premiers an, um Hilfe zu bitten. Berlusconi soll danach zum Hörer gegriffen und gesagt haben, die 17-Jährige sei eine Verwandte des ägyptischen Präsidenten Muhammad Husni Mubarak. Ruby kam sofort frei. Die TV-Moderatorin Nicole Minetti sollte sich um das junge Mädchen kümmern. Die 25-Jährige holte Ruby um 2 Uhr morgens beim Polizeiposten ab und übergab sie einer Brasilianerin. Berlusconi dementierte das ungewöhnliche Vorgehen allerdings nicht: «Es hat einen Anruf gegeben, aber nur um einen Vormund zu finden für eine Person, die uns allen sehr leidgetan hatte, weil sie uns eine dramatische Geschichte erzählt hat, die wir ihr geglaubt haben. Das ist alles.» «Ich bin ein Mensch mit einem guten Herzen und immer bereit, jemandem in Not zu helfen», sagte er im November. Karima El Marough ist in Messina aufgewachsen und mit 14 von zu Hause ausgerissen.

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Die als «Ruby Rubacuori» bekannte Schlüsselzeugin im Sexprozess gegen Silvio Berlusconi hält sich laut einem Medienbericht in Mexiko auf. Karima el Mahrug, wie die 20-jährige Marokkanerin mit bürgerlichem Namen heisst, habe ihre Anwältin über ihren Aufenthaltsort informiert.

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Zuvor war sie einer Vorladung zu einem Gerichtstermin in dem Fall nicht nachgekommen. Ihre Verteidigerin Paola Boccardi habe dem Gericht mitgeteilt, dass «Ruby» erst im kommenden Monat nach Italien zurückkehren werde, berichtet die Nachrichtenagentur ANSA.

Die Mailänder Staatsanwaltschaft warf der Verteidigung Berlusconis vor, «Ruby» mit einem Ablenkungsmanöver vom Prozess fernhalten zu wollen, um ein Urteil bis zum Ende der Parlamentswahl in Februar hinauszögern, bei der der «Cavaliere» erneut kandidieren möchte. Die Anwälte Berlusconi wiesen die Anschuldigung erbost als Verleumdung zurück.

Urteil frühestens im Januar

Ein Urteil in dem Sexprozess wird frühestens im Januar erwartet. So kurz vor der Wahl wäre ein Schuldspruch für Berlusconi ein schwerer Schlag. Erst im Oktober war gegen den 76-Jährige wegen Steuerhinterziehung erstmals ein Hafturteil ergangen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem früheren italienischen Ministerpräsidenten Berlusconi vor, die damals erst 17-jährige Marokkanerin bei sogenannten «Bunga-Bunga»-Partys in seiner Villa für Sex bezahlt und sein Amt später zur Vertuschung der Angelegenheit benutzt zu haben. Beide haben die Anschuldigungen jedoch zurückgewiesen.

(pre/dapd)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nita am 12.12.2012 15:36 Report Diesen Beitrag melden

    Seltsam, wieder in Amerika.

    Die Villa San Martino wurde von Berlusconi "gekauft" von einer Minderjährigen (ein Waisenkind). In Italien spricht man von zwei-Fach-geklauter-Villa. Das damalige Kind soll auch in Amerika in Brasilien wohnen. Vielleicht kann auch Ruby nie wieder nach Italien kommen.

  • sma am 12.12.2012 08:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hmm

    müsste es im übertitel nicht "die Anklage" oder "Staatsanwaltschaft" heissen-> die verteidigung hält das für ein Ablenkungsmanöver.....

  • Maniolo Ducolini am 12.12.2012 06:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Berlusconi aber ist Italien

    Die Partei aber ist Berlusconi, berlusconi aber ist Italien. Wer charakterisiert den Volkscharakter besser als Berlusconi?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nita am 12.12.2012 15:36 Report Diesen Beitrag melden

    Seltsam, wieder in Amerika.

    Die Villa San Martino wurde von Berlusconi "gekauft" von einer Minderjährigen (ein Waisenkind). In Italien spricht man von zwei-Fach-geklauter-Villa. Das damalige Kind soll auch in Amerika in Brasilien wohnen. Vielleicht kann auch Ruby nie wieder nach Italien kommen.

  • h.j am 12.12.2012 09:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    raus

    dank ihm.ist sie jetzt berühmt. ich glaube nicht das so etwas passiert ist man sollte sie wieder in ihr land zurückschicken.

  • sma am 12.12.2012 08:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hmm

    müsste es im übertitel nicht "die Anklage" oder "Staatsanwaltschaft" heissen-> die verteidigung hält das für ein Ablenkungsmanöver.....

  • Maniolo Ducolini am 12.12.2012 06:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Berlusconi aber ist Italien

    Die Partei aber ist Berlusconi, berlusconi aber ist Italien. Wer charakterisiert den Volkscharakter besser als Berlusconi?

    • SPQR am 12.12.2012 10:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Italiano

      Ganz bestimmt nicht. Es gibt viele Italiener die mit der Mentalität des "che mene frego" (einem alles egal hauptsache ich muss nicht) nicht übereinstimmen. Bin selbst Italiener bevor Sie solche Aussagen treffen lernen Sie die italienische Geschichte. Sie werden feststellen es hat einen Grund hat wieso Italien so ist wie es ist.

    • P. Rottu am 12.12.2012 13:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Falsch!

      Ich bin Italiener - und nein, ich bin nicht Berlusconi. Behalten Sie sich diese Pauschalisierungen für sich, es gibt viele Italiener, die sich für ihre Politiker fremdschämen.

    • Dolce Vita am 12.12.2012 19:23 Report Diesen Beitrag melden

      Berlusconi ist Italiener

      an SPQR/P.Rottu : klar sind nicht alle wie Berlusconi , aber 4 mal wurde er gewählt , also ist die Mehrheit für ihn, obwohl sie wussten, dass er ein Charakter-Schwein ist.Und was ist der Vatikan und die Mafia ? Antwort : alle sitzen im gleichen Boot !

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