Katalonien

22. September 2017 17:24; Akt: 22.09.2017 18:54 Print

Madrid schickt Polizisten – aber keine Panzer

Die spanische Regierung entsendet Polizisten nach Katalonien. Sie sollen das Unabhängigkeitsreferendum verhindern. Ein Militäreinsatz sei nicht geplant.

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Madrid will vorbereitet sein: Ein Beamter der Guardia Civil steht neben einem Pro-Referendumplakat in Girona. (19. September 2017 (Bild: AFP/Josep Lago)

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In dem seit Tagen eskalierenden Konflikt um das geplante Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien hat sich auch heute keine Entspannung abgezeichnet. Die spanische Regierung kündigte die Entsendung zusätzlicher Polizisten in die Region an.

Sie sollten aktiv werden, falls die Regionalregierung am 1. Oktober die Abstimmung durchführe, teilte das Innenministerium mit. Die Zentralregierung in Madrid hält die Abstimmung für illegal und liess deshalb etwa ein Dutzend Mitarbeiter der Regionalregierung festnehmen.

Sechs der Festgenommenen wurden heute von einem katalanischen Richter unter Auflagen auf freien Fuss gesetzt. In einer Erklärung hiess es, die sechs hätten die Aussage verweigert. Gegen sie wird weiter wegen Ungehorsams, Machtmissbrauchs und Unterschlagung im Zusammenhang mit dem geplanten Referendum ermittelt. Sie müssen sich wöchentlich bei Gericht melden. Mehrere weitere Beamte, die ebenfalls am Mittwoch festgenommen worden waren, kamen bereits zuvor frei.

In Barcelona und der katalanischen Stadt Hospitalet de Llobregat war es seit Donnerstag zu Protesten gekommen, die Demonstranten forderten die Freilassung der festgenommenen Beamten. An Protesten an der Universität von Barcelona beteiligten sich rund 2000 Studierende. Vertreter der Studentenschaft riefen die Demonstranten auf, die Proteste über das Wochenende fortzusetzen.

Kämpfen für die Unabhängigkeit Kataloniens: Studenten besetzen die Universität von Barcelona. (Video: Tamedia/Storyful)

Zur Unterstützung der Regionalpolizei

Das Madrider Innenministerium teilte mit, die zusätzlichen Polizisten sollten die Regionalpolizei unterstützen, die ebenfalls angewiesen sei, das Referendum zu verhindern. Eine Zahl wurde nicht genannt. Das katalanische Innenministerium sei informiert worden. Drei Fähren im Hafen der katalanischen Hauptstadt Barcelona würden den zusätzlichen Polizisten als Unterkunft dienen.

Schwimmende Unterkunft: Wegen Massenprotesten in Katalonien will Madrid Hunderte Polizisten im Hafen von Barcelona auf drei Fähren unterbringen. (21. September 2017) Bild: Josep Lago/AFP

Die Spannungen zwischen der Zentralregierung und Katalonien wegen des geplanten Referendums haben in den vergangenen Tagen zugenommen. Unter anderem liess Madrid etwa zehn Millionen Stimmzettel beschlagnahmen.

Verteidigungsministerium: «Fake-News»

In spanischen Online-Medien und auf Twitter kursieren Bilder, die Schützenpanzer auf Tiefladern zeigen, die offenbar in die aufrührerische Region gebracht werden. Das spanische Verteidigungsministerium stellte mit Vehemenz klar, dass es sich dabei um eine erfundene Geschichte handle.

Die Geschichte dazu beschrieb den möglichen Einsatz einer motorisierten Reservetruppe, die zusammen mit drei Bataillonen nach Katalonien geschickt worden seien.

(nag)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Zweifler am 22.09.2017 17:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Madrid

    Wie war das mit der EU: das grösste europäische Friedenskonstrukt? Klappt ja nicht mal in einem Land?!

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  • Amina123 am 22.09.2017 17:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schönes spanien

    stimmt mich traurig..da bekämpft man sich in ein und demselben land...

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  • John Dexxter am 22.09.2017 18:08 Report Diesen Beitrag melden

    Die Demokratie

    in einer zentralistischen Regierung ist ein Paradoxum sondergleichen. Das Verständnis von Demokratie wurde ebenso gebogen wie alle anderen Staatsformen auch. Die die wirklich die Fäden in den Händen halten sind erstens nicht sichtbar, und zweitens werder Demokraten noch Republikaner noch Sozialisten noch noch noch. Viel Glück!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Maximilian L. am 02.10.2017 14:02 Report Diesen Beitrag melden

    Politische Manipulationen

    Die EU wird natürlich jetzt alles machen (inkl. Pressepropaganda) um Catalunien schlech zu darzustellen. Schliesslich soll es durch Spanienkriese keine zweite Griechenland entstehen. Mit Menschenrechten und Demokratie kann man kein Geld verdienen.

  • B. Kerzenmacher am 24.09.2017 12:57 Report Diesen Beitrag melden

    Es...

    ist ein unkluges Vorgehen der spanischen Regierung, das nur zu Unfrieden, Unruhen und sogar zu Terror führen könnte. Statt das Referendum zu kriminalisieren sollte man besser für einen Verbleib Kataloniens in Spanien werben und die Folgen einer Abspaltung aufzeigen. Katalonien würde plötzlich nicht mehr in der EU sein und für einen neuen Beitritt zur EU bräuchte es die Zustimmung Spaniens. Der FC Barcelona dürfte nicht mehr in der spanischen Liga spielen, würde so zum Provinzverein.

    • B. Kerzenmacher am 24.09.2017 20:59 Report Diesen Beitrag melden

      Teil 2

      Nur etwa ein Drittel der Bewohner Kataloniens haben Katalanisch als Muttersprache oder benutzen es als Umganssprache. Ziemlich unwahrscheinlich, dass sich wirklich eine Mehrheit für eine Abspaltung finden würde, gerade auch wenn man den Bürgern Kataloniens die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen deutlich machen würde.

    • m.ensch am 25.09.2017 08:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @B. Kerzenmacher

      Die wirtschaftlichen Auswirkungen dürften durchaus als gross angesehen werden, aber wohl eher negativ für Restspanien und insbesondere das Königshaus, dessen neuer König sich eher als Spaltungsfigur denn als Integrator versteht. Hat denn Felipe immer noch nicht begriffen, dass seine herrische und volksferne Art nicht goutiert wird?

    • TTT am 25.09.2017 11:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @B. Kerzenmacher

      Katalonien ist sein Platz in Europa, mit Spanien als Nachbar.

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  • pedro am 24.09.2017 04:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    un català

    wir wollen nur das unsere Probleme die wir hier haben angehört werden...und das in ganz Spanien zusammen gegen Ungerechtigkeit gekämpft wird...!!!

  • RöstimitSpeck am 23.09.2017 23:39 Report Diesen Beitrag melden

    Die Katalanen haben recht!

    Die Infrastruktur in Katalonien ist schlechter als in Andalusien obwohl die Wirtschaft stärker ist und sie mussten künstlich Schulden machen, weil Madrid mehr abpumpt als da ist. Kürzlich musste sich die Regierung in Madrid wieder mal wegen Korruption rechtfertigen. Klar sind die Katalanen sauer, wäre wohl jeder hartarbeitende Steuerzahler der so eine politische Saubande durchfüttern muss. Spaniens Regierung hat das Land wirtschaftlich an die Wand gefahren, daher wandert die Jugend auch lieber nach Nordeuropa aus -also zu uns. Aber Madrid befeuert lieber den Patriotismus statt zu arbeiten.

    • Andres am 24.09.2017 11:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @RöstimitSpeck

      Was sie da erzählen ist nur propaganda.Katalonien hat jahrzenthelang am meistens geld für infrastukturen in Spanien bekomnen, sie hatten als aller ersten Autobahn in 1969(Mataró). Die hochgeschwindigkeit strecke verbindung zum Madrid (AVE) gibt es seit 2003 mit mehr als 10Milliarden Euro investition, während anderen Autonomien nur in bauphasen sind oder gar nur von der AVE träumen.Die letzten 10 Jahren hat Katalonien 18% von Spanische Infrastuktor Budget erhaltet(8.000Millionen Euro) damit liegt Katalonien als erste stelle mit Baskenland und Madrid zusammnen. Das sind fakten und nicht billiges propaganda. "España nos roba"(Spanien klaut uns) Die Katalanen Oligiarchen erzählen das Volk: "wir müssen 9% BPI solidaritäts beitrage zahlen" ist auch propaganda, in wirklichkeit zahlen sie 4%BPI, was sehr angemessen ist, unsere Sozial system basiert auf solidarität wie die AHV AlV usw. Meine Dame sie sind auf propanda reingefallen, ich komme mit Fakten.

    • M.Fernandez Brunach am 24.09.2017 13:24 Report Diesen Beitrag melden

      @Andres - 200 Mia. Euro 8% BIP

      Hier fehlen entscheidende historische Hintergründe. Das katalanische Volk produzierte für Spanien ein BIP von 8%, dies sind 200 Mia. Euro. Diese Zahl hat die Zentralregierung bis 2008 verschwiegen. erst nach starkem und mehrmaligen Druck der Katalanischen Regierung, wurde es 2008 bekannt. Die Katalanien kriegen fast keine Unterstützung aus der Regierung. Das ab es noch nie in der Geschichte der EU, dass eine Provinz der Zentralregierung so viel abgeliefert hat. Die Zentralregierung weigert sich 120 Mia. zurück zu zahlen und gewährt keine Steuerautonomie, wie bei den anderen Provinzen. Warum?

    • m.ensch am 25.09.2017 08:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Andres

      Katalonien ist DIE Wirtschaftslokomotive Spaniens, das kann nicht wegdiskutiert werden. Es lässt sich auch nicht vom Tisch reden, dass dies Unmut erzeugt, insbesondere da der König und die Regierung es als selbstverständlich ansieht, sich ohne jede Hemmung an Katalonien zu bedienen - und dabei jedes kritische Hinterfragen dieses Zustandes durch Presse und Politik negativ zu stigmatisieren. Damit spaltet insbesondere dieser König das Land ! So stellt sich logischerweise auch die Frage, ob dieses Königtum unter diesem König für Spanien überhaupt noch tragbar ist.

    • m.ensch am 25.09.2017 08:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @M.Fernandez Brunach

      Eben: um Katalanien einseitig zu schröpfen! Aber es stellt sich die Frage, ob mit dem portierten "Nein zu Spanien" nicht viel eher ein sehr gut nachvollziehbares "Nein zu diesem König" gemeint ist, das infolge seiner Person, seinem polarisierendem Verhalten und seiner Haltung gegenüber dem Volk Auftrieb erhalten hat.

    • pedro am 26.09.2017 00:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Andres

      abgemessen 9'000 Millionen in den Ausgleich finden sie nicht viel...und nur 1'000 Millionen in die Infrastruktur.....das sind ihre Zahlen ausgeschrieben!!! das finden sie gerecht..und die basken gar nicht!!!

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  • Kosovo am 23.09.2017 13:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viva Katalonien

    Ich wünsche mich, das Katalonien sich teilt von dieser Königlichen Diktatur.

    • Elias am 23.09.2017 13:30 Report Diesen Beitrag melden

      Nene

      Damit wir noch mehr verarmte, auf fremde Hilfe angewiesene Kleinländer haben? Nein Danke

    • m.ensch am 25.09.2017 08:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Elias

      Katalonien mag ein kleines Land sein - das restliche Spanien mit seinem eigenartigen König wird aber der verarmende Rest sein. Man hat sich dort zu sehr an die Rolle der Zecke (des Blutsaugers) gewöhnt, die sich von Katalanien ernährt.

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