Alle gegen Donald

19. Mai 2017 09:41; Akt: 19.05.2017 09:41 Print

US-Medien liefern Trump Fake-News-Munition

von Martin Suter - Für Trump-Kritiker haben die Medien immer recht und der Präsident dadurch stets unrecht. Zuweilen zielen die Anti-Trump-Artikel allerdings daneben.

Wollte Trump die Justiz behindern? Das ist vorerst unklar. (Tamedia-Webvideo mit AP)
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Nach zehn Tagen mit unerbittlich negativen Schlagzeilen überkam US-Präsident Donald Trump am Mittwoch Selbstmitleid. In einer Rede vor Absolventen der Küstenwache-Akademie jammerte er über seine Behandlung durch die amerikanischen Medien: «Kein Politiker der Geschichte ist schlechter oder weniger fair behandelt worden.»

Trump übertreibt. Doch dieser Tage liefern sich wichtige Medien wie die «New York Times», die «Washington Post» und CNN ein Wettrennen um möglichst viele negative Berichte über Donald Trump und seine Präsidentschaft. Nachdem die «Post» am Montag schrieb, dass der Präsident im Oval Office vor dem russischen Aussenminister und Botschafter angeblich Geheiminformationen ausgeplaudert hatte, verfolgte die Redaktion gebannt die Klick-Statistik. Wie der «Fact Checker» Glenn Kessler twittert, gab es Applaus im Newsroom, als die Klicks der Story über das Russen-Leck den bisherigen Rekord beim «Hollywood Access»-Video übertrafen:

Über den nationalen Sicherheitsberater H. R. McMaster liess das Weisse Haus die Anschuldigung des Geheimnisverrats als «falsch» dementieren. Unwahr, heisst es, sei auch die Sensationsstory der «New York Times» vom Dienstagabend. Danach bat Trump im Februar den damaligen FBI-Direktor James Comey darum, die Untersuchung des ersten Sicherheitsberaters Michael Flynn abzubrechen.

Anschuldigungen widerlegt

Für demokratische Politiker und die mehrheitlich mit ihnen verbündeten Medien ist die Sachlage klar: Die Berichte stimmen, und Trumps Dementi sind gelogen. In der Vergangenheit sind aber Anschuldigungen gegen Trump auch schon widerlegt worden, wie die Website «The Federalist» aufzählt:

Vize-Minister nicht amtsmüde: Am 10. Mai behauptete die «Post», Rod Rosenstein drohe als Nummer zwei im Justizministerium zurückzutreten. Am Tag darauf sagte der Vize-Justizminister zu Reportern: «Ich schmeisse den Bettel nicht hin.» Er fügte an, er habe das auch nicht angedroht.

Comey verlangte nicht mehr Ressourcen: Am 10. Mai schrieb die «Times», der FBI-Chef habe mehr Geld und Leute für die Ermittlungen gegen Trump eingefordert. Am nächsten Tag sagte Comeys Vize Andrew McCabe unter Eid, man sei gut dotiert, und er wisse nichts von einer derartigen Forderung.

Keine Massenkündigung im Aussenministerium:

Laut «Post» vom 26. Januar trat das ganze Management im State Department aus Protest gegen Trump zurück. In Wahrheit hatte die neue Regierung dem politisch angestellten Personal – wie jeweils üblich – pauschal gekündigt.

Kein Druck von Bannon auf den Landesschutzminister: Falsch war auch die Geschichte der «Post», wonach Chefberater Steve Bannon den Landesschutzminister John Kelly unter Druck gesetzt habe, den umstrittenen Einreisebann nicht abzuschwächen. Das sei eine «Fantasiegeschichte», sagte Kelly, und der Reporter sei «zum Narren gehalten worden».

Die meisten umstrittenen Berichte beruhen auf anonymen Quellen, daher sind sie schwer zu widerlegen oder zu bestätigen. Wegen seiner vielen widersprüchlichen Äusserungen und Tweets hat Trump selbst viel an Glaubwürdigkeit verloren. Der Wahrheitsgehalt der brisantesten Storys über seine Besprechungen mit den Russen und mit Comey wird wohl erst nach weiteren Ermittlungen eindeutig festzustellen sein.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mister Nobody am 19.05.2017 09:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    Guter fairer Artikel. Guter Journalismus ist, wenn man obejektiv beide Seiter der Münze betrachtet.

    einklappen einklappen
  • Bill am 19.05.2017 09:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Guter Artikel!

    Die Wahrheit liegt gewöhnlich irgendwo in der Mitte. Die genannten Medien werfen manchen Menschen zu schnell Hetze vor. Dabei wird diese Hetze gerade von ihnen selber geschürt.

  • Alex am 19.05.2017 09:59 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz simpel

    Es ist unmöglich, dass jemand immer recht hat. Egal ob Mensch, Organisation, Partei oder weiteres. Das beste ist, immer kritisch bleiben und selber mitdenken.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mary J, am 19.05.2017 15:54 Report Diesen Beitrag melden

    Irgendwie logisch

    Wobei Trump doch zugegeben hat dass er Lawrow was gesteckt hat! Also kein Fake!!! Ich finde er hat sich das selbst eingebrockt, er hat die Medien derart beschimpft und verunglimpft, selbst jede Menge Fake-News verbreitet. Jeder normal denkende Mensch kann nachvollziehen dass nun zurückgeschossen wird! Jeder von uns würde sich wehren, Trump erntet nun was er monatelang gesät hat!!

  • Dario am 19.05.2017 14:21 Report Diesen Beitrag melden

    Likes/Dislikes

    Man merkt an den Bewertungen ganz klar, in welche Richtung die Leute die Politik in der Schweiz auch gerne hätten. Mauer im Tessin und um Genf, alle Verträge mit der EU künden, alle Einwanderer ausschaffen und dann noch meinen das System Schweiz funktioniert trotzdem weiter, weil es in der Vergangenheit auch funktioniert hatte. Damals als alle diese Dinge noch nicht da waren, war auch der schweizer Wohlstand nicht der selbe. Leider überlegen viele Leute viel zu einseitig und kurzfristig.

  • Martin am 19.05.2017 14:13 Report Diesen Beitrag melden

    Im Glashaus

    Mich freut dieser Artikel aber ein bisschen komisch ist es schon diesen dort zu lesen wo bis jetzt die ganze anti Trump Artikel auf Deutsch übersetzt zu lesen waren. Immerhin ein Anfang.

  • Roger am 19.05.2017 13:48 Report Diesen Beitrag melden

    seltsam ?

    Tamedia ist ja auch nicht gerade pro Trump;-)

  • Jean V am 19.05.2017 13:45 Report Diesen Beitrag melden

    ok bis auf die letzten Sätze

    Der Artikel ist ganz gut , aber Iden letzten Sätzen kann es der Verfasser nicht unterlassen um doch noch gegen Trump zu sticheln. Medien halt eben.....