Ägypten

15. Juli 2017 10:34; Akt: 18.07.2017 14:45 Print

Messerangreifer von Hurghada sprach Deutsch

Ein Mann ist an einen Hotelstrand in Ägypten geschwommen und hat auf Feriengäste eingestochen. Zwei Frauen sind gestorben, vier Personen verletzt.

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In Ägypten hat ein Angreifer in einer Hotelanlage im Urlaubsort Hurghada am Roten Meer zwei Menschen mit einem Messer getötet und mehrere Feriengäste verletzt. Bei den Erstochenen handelt es sich um zwei deutsche Frauen.

Hurghada-Angriff auf Touristen

Der Messer-Angreifer soll der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angehört haben. Er habe mit den Extremisten über das Internet in Kontakt gestanden. Von ihnen habe er den Auftrag erhalten, Ausländer anzugreifen, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa heute aus Sicherheitskreisen in Kairo.

Angreifer sprach vor Angriff mit den Frauen Deutsch

Aus ägyptischen Sicherheitskreisen verlautete heute, der 29 Jahre alte Täter habe sich zu den beiden deutschen Frauen gesetzt und mit ihnen Deutsch gesprochen, bevor er sein Messer gezogen und sie angegriffen habe.

Die deutschen Behörden haben den Tod der beiden Frauen bestätigt. «Wir haben nunmehr die traurige Gewissheit, dass zwei deutsche Urlauberinnen bei dem Angriff in Hurghada ums Leben gekommen sind», sagte eine Ministeriumssprecherin heute. Nach allem, was bislang bekannt sei, sollte die Tat gezielt ausländische Touristen treffen.

Beim Messerstecher soll es sich einem Medienbericht zufolge um einen 29-jährigen Studenten handeln. Er habe bisher keine Vorstrafen gehabt, meldete die ägyptische Zeitung «Al-Masry al-Youm» heute unter Berufung auf Sicherheitskreise. Demnach stammt der Mann aus dem Nil-Delta im Norden Ägyptens. In seinem Heimatort habe er einen gute Ruf, zitiert das Blatt einen Verantwortlichen aus dem Sicherheitsapparat.

Attacke auf Touristen

Die beiden Frauen hätten dauerhaft in dem Badeort gelebt, sagte deren Bekannter und ehemalige deutsche Honorarkonsul Hurghadas, Peter-Jürgen Ely heute Morgen der Nachrichtenagentur dpa. Eine Bekannte von ihm habe die Frauen nach der Tat identifiziert. Er bestätigte Angaben des ägyptischen Staatlichen Informationsservices (SIS).

Alle Opfer sind Ausländer

Auch die vier Verletzten der Messerattacke sind demnach Ausländer. Die Agentur Interfax berichtete unter Berufung auf das russische Konsulat, dass eine russische Frau verletzt worden sei. Das tschechische Aussenministerium bestätigte, dass eine 36 Jahre alte Landsfrau bei der Messerattacke am Bein verletzt worden sei. Das Aussendepartement (EDA) in Bern hatte am Freitagabend keine Kenntnis von Schweizer Opfern.

Das Ministerium in Berlin verurteilte den Angriff. «Diese feige und niederträchtige Tat, die sich gezielt gegen Urlauber gerichtet zu haben scheint, die einfach nur eine unbeschwerte und erholsame Zeit am Meer verbringen wollten, verurteilen wir auf das Schärfste», erklärte ein Sprecher. «Wir trauern mit den Familien der Opfer und hoffen, dass alle, die bei dem Angriff verletzt worden sind, rasch und vollständig wieder gesund werden.»

An Hotelstrand geschwommen

Die Messerattacke ereignete sich an einem Strand in dem beliebten Ferienort Hurghada am Roten Meer. Der Angreifer sei von einem öffentlichen Bereich aus an den Hotelstrand geschwommen und habe mit dem Messer mehrere Touristengruppen angegriffen, hiess es in einer Erklärung des ägyptischen Innenministeriums.

Die ägyptische Nachrichtenseite «Al-Masry Al-Youm» zitierte den Manager des Hotels El Palacio. Demnach soll der Angreifer zunächst an einem benachbarten Hotelstrand Urlauber attackiert haben, bevor er zum Strand seiner Anlage weitergeschwommen sei. Dort sei er von Sicherheitsleuten und Gästen überwältigt worden.

Fotos im Internet zeigten, wie der überwältigte Angreifer auf einem Karren liegend durch den Garten einer Hotelanlage gezogen wurde. Auf einem anderen Foto, das ägyptische Medien verbreiteten, lag eine blutverschmierte Touristin mit Bikini und Sonnenbrille auf einem Sofa in einer Hotellobby.

Das Motiv für die Messerstecherei war zunächst unbekannt. Der Attentäter habe vorgehabt, Ausländer anzugreifen, sagte ein Sicherheitsbeamter. Er habe während des Angriffs auch auf Arabisch, offenbar zu Ägyptern geschrien, sie sollten sich fernhalten. «Ich will keine Ägypter», rief er demnach. Der Angreifer habe ein schwarzes T-Shirt und blaue Jeans getragen, sagte ein Sicherheitsbeamter. Er habe den Touristen ins Gesicht, den Hals und in die Füsse gestochen.

Polizisten beschossen

Hurghada ist neben Sharm al-Sheikh das grösste ägyptische Touristenzentrum am Roten Meer. Seit den 1980er Jahren sind mehr als 250 Hotelanlagen in dem früheren Fischerdorf entstanden. Hurghada gilt als wichtigstes Ziel für Taucher am Roten Meer. Seit dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi im Jahr 2013 durch die Armee unter Kontrolle des heutigen, autoritär regierenden Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi kommt es in Ägypten immer wieder zu Angriffen auf Sicherheitskräfte und Touristen.

Vor zwei Jahren stürzte eine russische Passagiermaschine kurz nach dem Start aus dem Ferienort Sharm al-Sheikh über der Sinai-Halbinsel ab. Bei dem Unglück starben alle 224 Menschen an Bord. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) behauptete später, das Flugzeug mit einer Bombe in einer Getränkedose zum Absturz gebracht zu haben.

Kurz vor der Attacke auf die Feriengäste in Hurghada hatte es in der Nähe der Hauptstadt Kairo noch einen weiteren Zwischenfall gegeben. Maskierte griffen mit Maschinengewehren einen Kontrollpunkt der Polizei an und töteten dabei fünf Polizisten, wie es aus Sicherheitskreisen hiess. Der Angriff ereignete sich in der Provinz Gizeh in Al-Badraschein rund 40 Kilometer südlich von Kairo.

(woz/chk/sda/ap)