Sprachanalyse

03. Dezember 2016 16:13; Akt: 03.12.2016 18:02 Print

Ist Trump zahmer geworden?

Im Wahlkampf war Donald Trump einer, der viel austeilte. Als gewählter Präsident scheint er sich anders auszudrücken. Eine Analyse.

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Eines der berühmt-berüchtigten Zitate von Trump – und derer gibt es viele – ist dieses: «Ich bin sehr gebildet. Ich kenne Wörter. Ich habe die besten Wörter.» Zu diesen Wörtern gehörten im Wahlkampf wüste Beschimpfungen und abwertende Adjektive.

Seine Sprache wurde oft als rassistisch oder auch sexistisch beschrieben. So sagte er etwa über mexikanische Einwanderer: «Sie bringen Drogen, sie bringen Kriminalität, sie sind Vergewaltiger, und einige, nehme ich an, sind auch nette Leute.»

Seit seinem Sieg bei der US-Präsidentschaftswahl vom 8. November wirkt Trump auf viele etwas gezügelter. Seine aggressiven verbalen Angriffe scheinen zurückgefahren. Aber stimmt der Eindruck?

Sprach- und Kommunikationswissenschaftler aus den USA und Deutschland haben sich jeweils Interviews, Reden und Tweets von Trump vor und nach dem Wahlsieg des 70-Jährigen angeschaut. Sie meinen: Sein markanter Redestil ist geblieben. Doch die Wortwahl ist jetzt öfter eine andere.

Lieblingswörter

Trump sprach vor der Wahl häufig von «wir» und «sie» – Zeichen eines Weltbilds mit scharfen Grenzen zwischen dem Eigenen und dem Fremden. Nach der Wahl stellt er sich mit «ich» massiv selber in den Vordergrund, wie eine Korpusanalyse von Ulrike Schneider, Anke Lensch und Matthias Eitelmann vom Fachbereich Englisch und Linguistik der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz zeigt.

«Das Ergebnis ihres Fehlverhaltens war die Freilassung von Tausenden und Tausenden gefährlicher krimineller Ausländer, die nach Hause in ihre Länder hätten geschickt werden sollen. Stattdessen haben wir sie überall.» – Rede zur Einwanderung am 31.08.2016

«Ich denke mein grösster Vorteil ist mein Temperament, denn ich habe ein Temperament, mit dem wir gewinnen.» – Interview in Sendung «60 Minutes» am 13.11.2016

Lieblingsthema

Im Wahlkampf ging es Trump um Bedrohung durch Mexikaner und Muslime, um ein ausblutendes Land und eine im Sterben liegende Nation – das sagt die Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Wehling, die im kalifornischen Berkeley forscht. Doch schon in der Dankesrede sei es ihm darum gegangen, die Nation zu einen.

«Jetzt ist es an der Zeit für Amerika, die Wunden der Trennung zu schliessen; wir müssen zusammenfinden. Ich sage zu allen Republikanern und Demokraten und Unabhängigen überall im Land, es ist Zeit für uns, als vereintes Volk zusammenzukommen.» – Dankesrede am 09.11.2016

Wertung

Seit der Wahl lobt Trump auch sehr gerne – oder straft krass ab. Dabei gebe er sich wie ein strenger Vater, meint Wehling. Diese Art der Bewertung und Einteilung sei raffiniert, weil Trump so vielen Menschen das Gefühl gebe, er biete Orientierung.

«Das Theater muss immer ein sicherer und spezieller Ort sein. Das Ensemble von Hamilton war letzte Nacht sehr unhöflich zu einem sehr guten Mann, Mike Pence. Entschuldigt euch!» – Tweet am 19.11.2016, nachdem Darsteller des Musicals «Hamilton» sich an den gewählten Trump-Vize im Publikum gewandt hatten.

Politischer Gegner

Hillary Clinton wird von Trump vor der Wahl vergegenständlicht («Marionette»), entpersonifiziert («Katastrophe») und bekommt das Adjektiv «korrupt». Nach der Wahl ist sie «Secretary Clinton» und «sehr, sehr stark und sehr intelligent». Das zeigen die Linguistinnen Eva Gredel und Konstanze Marx von der Universität Mannheim auf.

«Das ist das Vermächtnis von Hillary Clinton: Tod, Zerstörung, Terrorismus und Schwäche.» – Rede auf Parteiversammlung am 21.07.2016

«Hillary hat sehr lange und sehr hart gearbeitet, über einen langen Zeitraum hinweg, und wir sind ihr grossen Dank schuldig für ihren Dienst für unser Land.» – Dankesrede am 09.11.2016

Satzlänge

Trump spricht in kurzen, oft sehr kurzen Sätzen, mit den wichtigsten Begriffen am Ende. Das hat sich auch nach dem Wahlsieg nicht geändert, wie die Korpusanalyse der Mainzer Sprachwissenschaftler zeigt. Der durchschnittliche Satz ist nur neun Wörter lang. Übrigens sind auch seine Wörter simpel: Im Schnitt umfasst ein Wort nur vier Buchstaben.

«Grossartige Menschen. Ich habe so viel von ihnen gelernt. Sie waren wunderbar in jeder Hinsicht. Ich hatte wirklich grossartige Eltern.» – Dankesrede vom 09.11.2016

Wiederholungen

Die Reden von Trump sind gespickt mit Wiederholungen. Mit diesen Wörtern oder Phrasen hangle sich Trump gerne an seinem Beitrag entlang, meint Antje Wilton, Professorin für Englische und Angewandte Sprachwissenschaft an der Universität Siegen. Sie kann bei diesem Mittel keinen Unterschied zwischen vor und nach dem Sieg feststellen.

«Menschen geben fantastische Karrieren auf, um sich euch Leuten auszusetzen und vielen anderen Leuten auszusetzen. Aber sie geben viel auf. Ich meine, einige geben fantastische Unternehmen auf, um für vier oder vielleicht acht oder wie lange der Zeitraum auch ist, zu sitzen. Aber ich denke, wir werden einiges an fantastischem Talent sehen, fantastisches Talent kommt.» – Interview der «New York Times» vom 23.11.2016 über sein Kabinett – das Wort «tremendous» (fantastisch) kommt sehr häufig vor.

Phrasen

Viele Menschen fühlen sich von Trump direkt angesprochen, weil sie meinen, seine einfache Sprache zu verstehen – dabei benutze Trump wahnsinnig viele Elemente, welche die Sache unspezifisch machen, erklärt Wilton. Sie zählt auf: «Ich denke», «ich meine», «ihr wisst», «also», «seht». Er wirke nur volksnah, direkt und klar, meint Wilton.

«Ich meine, das ist ein Problem, für ihn. Aber sehen Sie, er wird das tun, was er tun muss, aber ich denke, ich werde in Ohio sehr gut sein.» – Interview der «Washington Post» am 02.09.2016

(mch/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ususamamijuhu am 03.12.2016 16:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bitte

    hört auf mit Böse Trump und heilige Merkel. Wieso wird Merkel nicht analysiert statt nur geklatscht. Egal was sie tut oder sagt, sie ist immer heilig.

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  • Jimmy Neutral am 03.12.2016 16:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich möchte ganz ehrlich sein...

    ...aber mit zunehmender Zeit wird er mir irgendwie sympathischer.

  • renzo blumenbeet am 03.12.2016 16:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hey Trump, du hast den Trumpf..

    keine Panik auch er ist nur ein Mensch. Sein Verhalten war Wahlkampf-Taktik vom feinsten. Clever&Smart hätten gelacht. Lassen wir ihm sein Amt antreten, geben wir ihm eine Chance, keine Euphorie und übereiligen Urteile. Er widerspiegelt ein bisschen den oberflächlichen, gastfreundlichen Amerikaner!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Polizist am 04.12.2016 01:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mr. Trump - Erfolgsgeschichte?

    Ich bin gespannt auf dessen Werdegang als Präsident der USA. Wieso geben wir Mr. Trump nicht erstmal die Chance als Präsident zu politisieren. Schliesslich ist noch nie ein Meister vom Himmel gefallen ohne Fehler zu machen.

  • Inseption am 03.12.2016 23:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Macht steuert die öffentliche Wahrnehmung

    Ja klar wirkt Trump zahmer! Aus einem einfachen Grund: Auch die Medien und deren Berichterstattung wurden seit seiner Wahl viel zahmer. Ein gewählter US Präsident kann und wird von den eigenen und westlichen Medien niemals so scharf angegriffen wie vorher. Zu viele gemeinsame Interessen stehen auf dem Spiel. Leider wiederspiegelt das die massive Beeinflussung des Staats in die sogenannten"unabhängigen" Medien weltweit. Und last but not least beeinflussen diese Medien wiederum den Grossteil unserer Bevölkerung. Die Medien sind und bleiben die effektivste Waffe eines Staats.

  • Ricchi am 03.12.2016 19:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Egal

    Der ist doch auch nur eine Marionette am ende

  • Iweed am 03.12.2016 17:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    What Else?

    Er wird Hater und Gegner den Mund stopfen. Trump ist in seine Rolle gewachsen und wird beweisen dass er sein Job auf hervorragende Art meistern wird. Ein echter Präsident mit Biss und Diplomatie. Für die US und die Weltwirtschaft hätte nichts besseres passieren können. Hillary hätte bereits schon Atombombenpläne geschmiedet.

  • zuffi16 am 03.12.2016 17:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    jaja die medien

    er hat viel ausgeteilt, dass ist wahr, aber er wurde auch täglich von den medien fertig gemacht. praktisch alle zeitungen von der usa bis hin zu europa hat täglich schlecht über trump berichtet. neutral war das nicht. ganz unschuldig sind diese qualitätsmedien sicher nicht.