Hugo Chávez

08. Oktober 2012 23:28; Akt: 08.10.2012 23:29 Print

Er wankte kurz - doch er fiel ganz und gar nicht

von T. Körbel, dapd - Am Sonntag wurde Hugo Chávez zum vierten Mal zum Präsidenten Venezuelas gewählt - obwohl er im Wahlkampf ins Straucheln geraten war. Er verspricht ein Feuerwerk des «Sozialismus für das 21. Jahrhundert».

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Nach 14 Jahren im Amt versteht sich der «Comandante Presidente» Hugo Chávez auf die Inszenierung der Macht. Sein viertes Mandat soll ein Feuerwerk des «Sozialismus für das 21. Jahrhundert» werden. Im Wahlkampf hatte er eine Verdoppelung seiner Bemühungen angekündigt.

Die Grundlagen seien gelegt für seinen sozialistischen Traum, sagte Chávez. Nun solle der zweite sozialistische Zyklus von 2013 bis 2019 starten, «mit viel mehr Kraft».

Mit seinem erneuten Wahlsieg hat Chávez nun sechs Jahre freie Hand, um die ohnehin starke Rolle des Staates in der Wirtschaft zu festigen und Bündnisse gegen die USA in der internationalen Politik zu schmieden.

In den Monaten vor der Abstimmung hatte der Präsident viel Geld in die Hand genommen, um Sozialwohnungen zu bauen und Programme für arme Familien aufzulegen.

Präsident für die Armen

«El Comandante» ist für viele der erste Präsident, der sich offen um die Bedürfnisse der Armen kümmert. Unter seiner Ägide setzte die Regierung nach eigenen Angaben mehr als 300 Milliarden Dollar für die «soziale Entwicklung» ein. Darunter fallen auch Gesundheit und Bildung.

Kubanische Ärzte versorgen die Menschen umsonst in eigens eingerichteten Kliniken, die Zahl der Immatrikulationen an den Universitäten stieg von knapp 900 000 im Jahr 2000 auf etwa 2,3 Millionen zehn Jahre später. Insgesamt ging die Armut seit 1999 nach Regierungsangaben von 50 auf 32 Prozent zurück.

Finanzieren kann Chávez diese Projekte dank des immensen Ölreichtums seines Landes. Laut Angaben der Gemeinschaft erdölexportierender Staaten verfügt Venezuela über die grössten nachgewiesenen Reserven weltweit.

Als Amtsinhaber hatte Chávez die bessere Ausgangslage als sein Herausforderer Henrique Capriles. Mindestens 2,4 der knapp 19 Millionen Wähler bestreiten ihren Lebensunterhalt mit von der Regierung finanzierten Jobs; Millionen sind Empfänger der umfangreichen Sozialbeihilfen.

Der massive Wohnungsbau der vergangenen Jahre hat mehr als drei Millionen Familien ein Dach über dem Kopf gegeben, und allein die Hoffnung derjenigen, die noch keine Wohnung erhalten haben, dürfte sie zu einem Votum für Chávez animiert haben.

An Popularität verloren

Während des Wahlkampfes wurde aber auch deutlich, dass die Popularität von Chávez, die zu einem grossen Teil auf seinem Charisma beruht, ins Wanken geraten ist. Sein Herausforderer Henrique Capriles prangerte massive Defizite der Regierung bei der Bekämpfung von Kriminalität und Korruption an und brachte ihn so ins Straucheln.

Mit seinen Ideen für Wirtschaftsreformen begeisterte der Herausforderer zahlreiche bislang überzeugte «Chávistas», wie aus Umfragen hervorging.

Der Präsident muss nun den Worten Taten folgen lassen und seiner Idee des «Sozialismus für das 21. Jahrhundert» Gestalt geben. Seine Gegner sind bereits in Lauerstellung.

«Wir haben in ganz Venezuela viele Samen gepflanzt, und ich weiss, dass diese Samen viele Bäume hervorbringen werden», sagte Capriles, als er am Sonntagabend seine Niederlage eingestand. Es könnte eine Warnung sein.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hai max am 09.10.2012 07:23 Report Diesen Beitrag melden

    Ruinös

    Wenn Chávez dann mal von der Bühne abtritt hat er das ganze Land erfolgreich ruiniert. Ausbaden müssen es dann die Unterschichten.

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  • Gabriella am 09.10.2012 01:08 Report Diesen Beitrag melden

    Der Mann hat die richtigen Prioritäten

    Er beginnt am Fundament und darauf kann Venezuela dann bauen. Ich beneide Venezuela um den ehrlichsten Politiker, der mir bekannt ist. Perfekt ist sowieso keiner. Aber Chavez arbeitet tatsächlich v.a. fürs Volk.

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  • Rudi am 09.10.2012 08:26 Report Diesen Beitrag melden

    Lateinamerika

    Es wäre schön, wenn z.B. der Militärputsch in Honduras 2009 ebenfalls auf seine demokratische Legitimation hinterfragt worden wäre. Wenn moderat Links gewählt wird gibts immer einen Aufstand in der europäischen Presse, bei gewaltsamer Machtergreifung von rechten Militärs hören wir kaum was davon. Es wird nie mit gleicher Elle gemessen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rudi am 09.10.2012 08:26 Report Diesen Beitrag melden

    Lateinamerika

    Es wäre schön, wenn z.B. der Militärputsch in Honduras 2009 ebenfalls auf seine demokratische Legitimation hinterfragt worden wäre. Wenn moderat Links gewählt wird gibts immer einen Aufstand in der europäischen Presse, bei gewaltsamer Machtergreifung von rechten Militärs hören wir kaum was davon. Es wird nie mit gleicher Elle gemessen.

  • Hai max am 09.10.2012 07:23 Report Diesen Beitrag melden

    Ruinös

    Wenn Chávez dann mal von der Bühne abtritt hat er das ganze Land erfolgreich ruiniert. Ausbaden müssen es dann die Unterschichten.

    • hans peter am 09.10.2012 07:57 Report Diesen Beitrag melden

      hoi max

      haben sie den artikel gelesen?

    • Martin Gabriel am 09.10.2012 08:32 Report Diesen Beitrag melden

      Ruinös???

      Erklären Sie mir bitte mal was Sie mit "erfolgreich ruiniert" meinen. Die Zahlen sprechen für sich. Seine Erfolge in so einem Land sind weder einfach noch zu vernachlässigen. Einer der wenigen Länder wo die Armut abnimmt. Zeigen Sie mir bitte noch ein weiteres Beispiel.

    • Manuel am 09.10.2012 10:00 Report Diesen Beitrag melden

      Bitte bitte

      informiere dich richtig! ich empfehle dir die reportage "hugo chavez - ein staatsstreich von innen" anzuschauen. bitte mach das. sie ist völlig objektiv von journalisten gedreht, die zur zeit des putschversuchs eine reportage drehen wollten. du wirst ihn danach hoffentlich mit anderen augen sehen. niemand ist perfekt. auch er nicht. es ist aber einfach traurig mitanzusehen, dass einer der ganz wenigen staatschefs, der sich wirklich für die armen menschen einsetzt dann so von dir hingestellt wird. es ist mir sehr ernst. chavez ist ein guter mensch.

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  • Gabriella am 09.10.2012 01:08 Report Diesen Beitrag melden

    Der Mann hat die richtigen Prioritäten

    Er beginnt am Fundament und darauf kann Venezuela dann bauen. Ich beneide Venezuela um den ehrlichsten Politiker, der mir bekannt ist. Perfekt ist sowieso keiner. Aber Chavez arbeitet tatsächlich v.a. fürs Volk.

    • Schelleursli am 09.10.2012 08:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Nicht wirklich.

      Venezuela wäre, richtig regiert, ein reiches Land. Es gibt kaum Bodenschätze die es dort nicht gibt und riesoge Erdöl vorkommen. Wäre Chavez ehrlich, würde er nicht die Schürfrechte für ein Butterbrot an die Amerikaner verschachern. Ausserdem erstickt seine Währungspolitik jeglichen wirtschaftlichen Aufschwung bereits im Keim. Auch Escobar hat Häuser für die Armen gebaut und hatte enormen Rückhalt in der armen Bevölkerungsschicht. Macht ihn das jetzt zu einem guten Menschen?

    • Mia am 09.10.2012 09:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Chávez machte Taten.....

      Chavez machte Taten und sprach nicht nur davon, wie viele Politiker es tun!

    • Desiree am 09.10.2012 09:39 Report Diesen Beitrag melden

      Ignoranz

      Liebe Gabriella, vertiefen Sie sich doch mal etwas mehr ins Thema Chavez und seine "Verdienste" oder nehmen Sie die Abkürzung und lesen die Kommentare bei NZZ bevor Sie Sachen schreiben wie Venezuela um den Präsidenten zu beneiden.

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