Supertanker beschädigt

30. Juli 2010 14:29; Akt: 30.07.2010 14:36 Print

Die mysteriöse Beule

Ein japanischer Supertanker wurde in der Strasse von Hormus in einen rätselhaften Zwischenfall verwickelt. Experten vermuten eine Kollision mit einem U-Boot.

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Was hat diesen Schaden verursacht? (Bild: Keystone)

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Anfangs war die Rede von einem Angriff, der am Mittwoch kurz nach Mitternacht in der Einfahrt zum Persischen Golf auf den Supertanker «M. Star» verübt wurde. Das schien plausibel, das Terrornetz Al Kaida hatte entsprechende Drohungen geäussert, und ein Crewmitglied behauptete, einen Lichtblitz gesehen zu haben, bevor das Heck des mit 270 000 Tonnen Rohöl beladenen Ozeanriesen getroffen wurde.

Doch diese Version rückt in den Hintergrund. Die Hülle der «M. Star» wurde zwar stark eingedrückt, doch ein Leck ist nicht entstanden. Etwa zum Zeitpunkt des Unglücks wurde im Iran ein leichtes Erdbeben der Stärke 3,4 registriert. Behördenvertreter im Iran und in Oman gehen deshalb von einer «Freak-Welle» aus, eine Art Tsunami, die den Schaden verursacht hat. Allerdings erscheint es wenig plausibel, dass eine solche Beule auf diese Weise entstanden ist. Ausserdem war die See ruhig, von einer Welle hat niemand etwas bemerkt.

Eine Mine oder ein U-Boot

Zwei mögliche Ursachen werden als plausibel erachtet: Theodore Karasik, ein Sicherheitsexperte in Dubai, machte in der «New York Times» eine Seemine aus dem Iran-Irak-Krieg in den 80er-Jahren für den Zwischenfall verantwortlich. Von diesen gebe es immer noch welche in der Region. Im fraglichen Fall könnte sich die Mine in einem schlechten Zustand befunden und deshalb «nur» eine Druckwelle erzeugt haben.

Die zweite Möglichkeit ist laut Karasik die Kollision mit einem anderen Schiff. Für Experten kommt in erster Linie ein U-Boot in Frage, das möglicherweise beim Auftauchen mit dem Bug in das Heck des Tankers geprallt ist. Doch auch dafür gibt es keine konkreten Hinweise. Die US-Marine, deren 5. Flotte in Bahrain stationiert ist, behauptet, keines ihrer U-Boote sei zum fraglichen Zeitpunkt in der Gegend unterwegs gewesen.

Schon früher Zwischenfälle

Allerdings war es im März 2009 in der Strasse von Hormus zu einer Kollision zwischen einem US-Atomunterseeboot und eine Kriegsschiff gekommen, und im Januar 2007 hatte bereits einmal ein U-Boot einen japanischen Tanker gerammt. Damals entstand nur leichter Schaden. Und im Februar 2001 hatte das Atom-U-Boot USS Greeneville vor Hawaii ein japanisches Fischereischulschiff aufgeschlitzt und versenkt, neun Menschen starben.

(pbl)