Aus für Verbrennungsmotoren

06. Juli 2017 16:55; Akt: 06.07.2017 18:53 Print

Frankreich will Diesel- und Benzinautos verbieten

Frankreich will die eigenen Klimaschutzziele verschärfen und bis 2050 CO2-neutral werden. Ab 2040 sollen keine Diesel- und Benzinautos mehr verkauft werden.

storybild

Bald ohne Verbrennungsmotor: Ein Peugeot (l.) und zwei Opel vor einem Autohaus in Deutschland. (Bild: Keystone/Frank Rumpenhorst)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Nach der Abkehr der USA vom Pariser Klimaabkommen will Frankreich die eigenen Klimaschutzziele verschärfen, das Land soll bis 2050 CO2-neutral werden. Das bedeutet, dass nur so viel klimaschädliches Treibhausgas CO2 ausgestossen wird, wie gleichzeitig etwa durch Wälder und Speichertechniken aus der Atmosphäre geholt werden kann.

Bislang sieht das französische Energiewendegesetz bis Mitte des Jahrhunderts eine Verringerung der Emissionen um 75 Prozent gegenüber 1990 vor. Im Pariser Klimaabkommen haben sich fast alle Staaten der Welt das Ziel gesetzt, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen.

«Schweres Ziel»

Wie im Wahlprogramm von Präsident Emmanuel Macron angekündigt, sollen bis 2022 die verbliebenen Kohlekraftwerke in Frankreich geschlossen werden. Die Regierung will Geringverdiener mit einer Prämie unterstützen, um alte Autos gegen neue, saubere Modelle auszutauschen. Die Besteuerung von Diesel und Benzin soll angeglichen werden - bislang gibt es einen Steuervorteil für Diesel-Treibstoff.

Hulot sagte am Donnerstag, der Abschied vom Verbrennungsmotor sei ein «schweres Ziel», doch die Lösungen seien da. Offen blieb, wie Frankreich die Vorgabe erreichen will.

Auch andere Länder streben das Ende des Verbrennungsmotors an: Indien plant, schon ab 2030 nur noch Elektroautos neu zuzulassen. Norwegen hat sich sogar vorgenommen, dass ab 2025 alle Neufahrzeuge emissionsfrei sein sollen.


Verschärfte Klimaschutzziele: Frankreich soll bis 2050 CO2-neutral werden. Video: AFP

Geteiltes Echo

Bei Umweltschützern stiess Hulots Plan auf ein geteiltes Echo. Greenpeace kritisierte, es fehle an konkreten Massnahmen: «Unsere Erwartungen sind nicht erfüllt, was die Art angeht, wie die Ziele erreicht und die teils ehrgeizigen Versprechen eingehalten werden sollen», teilte sie mit. WWF-Frankreich-Chef Pascal Canfin äusserte sich positiv: «Frankreich beschleunigt, und das ist eine gute Nachricht.»

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sagte: «Die französische Regierung beweist Entschlossenheit und Weitblick. Für die französische Autoindustrie ist das ein deutliches Signal, was der hiesigen Industrie noch immer fehlt.» Die deutsche Regierung solle dem Grünen-Vorschlag folgen, ab 2030 nur noch abgasfreie Autos neu zuzulassen.

Der deutsche Grünen-Abgeordnete Oliver Krischer bezeichnete die Ankündigung zum Verbrennungsmotor als «interessant und mutig». «Die französische Regierung will jetzt die heimischen Hersteller für den Kampf um Marktanteile bei den Elektroautos aufstellen», erklärte er.

Frankreichs Staatschef Macron hatte US-Präsident Donald Trump deutlich für die Ankündigung zum Ausstieg aus dem Klimaabkommen kritisiert und für grössere Anstrengungen der anderen Staaten geworben.

(sep/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Steff am 06.07.2017 17:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oekobilanz

    Nun wenn die Akkus bis dann auch Umweltverträglich hergestellt und entsorgt werden. und wenn man dann die ganzen Schweröl- Schiffe welche Frankreich und den Rest der Erde anfahren auch verbietet....und die tausende Flugzeuge aber da unternimmt niemand etwas- da steckt viel Geld dahinter. Deshalb ist das ganze heuchlerisch wie die ganzen Umweltzonen in den Städten.

    einklappen einklappen
  • Joe Doe am 06.07.2017 16:59 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr schlau

    Und woher kommt die Energie für z.B. Elektroautos?

    einklappen einklappen
  • Ein Leser am 06.07.2017 16:59 Report Diesen Beitrag melden

    Das wird sich nie durchsetzen

    Und 2040 fahren mehr Diesel und Benzinautos in Frankreich herum als jetzt. Ich denke die Wende wird nicht kommen, alles nur leere Worte. Sowieso können sich Elektrofahrzeuge nicht alle leisten und Mieter dürfen keine Ladestation im Gebäude haben.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Till Denkspiegel am 06.07.2017 21:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aber, aber....

    ...."man will die Erderwärmung bis 2050 bei 2 Grad beschränken.." Jedesmal, wenn ich so ein Quatsch lese, weiss ich nicht,ob ich weinen oder lauthals lachen soll!! Hallo Leute!! Glaubt tatsächlich jemand, das Wetter und Klima sei ein Wunschkonzert? An der nächsten Klimakonferenz beschliessen sie, dass an der Winterolympiade viel Schnee fällt und an der Fussball-WM schönes Wetter herscht. Mit ein paar Klimazertifikaten wird das wohl machbar sein. Also liebe Mitmenschen, informiert euch mal ausgiebig zum Thema Klima, bevor ihr irgendwelchen "UNO $-Forschern oder Politikern nachrennt.

  • allright am 06.07.2017 20:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kurzsichtige Grüne

    Viel besser wäre ein Umstellung auf klimaneutrales, synthetisches Benzin gewonnen aus CO2 und Sonnenenergie. Man könnte so mit den bestehenden Autos weiter fahren und so viel rascher die CO2 Ziele erreichen ohne riesige Investitionen in hunderttausende von Stromtankstellen und Millionen von nicht unproblematischen Lithiumbatterien.

  • Thomas Jauslin am 06.07.2017 20:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hat das Zukunft?

    Eine Betankung dauert heute ein paar Minuten. Der Verbrauch wird immer weniger . Eine Autobatterie braucht da deutlich länger. Und es braucht dafür Strom. Wir haben ja schon zu wenig Strom oder werden haben. Wenn das Stromauto sauber fahren will, muss der Strom aus der Sonnen- oder Windenergie kommen. Strom aus dem Gaskraftwerk ist nicht sauber. Die Grünen sind ja gegen alles. Keine Windräder, keine Solarparks, keine AKW, keine Gas-/ Kohlekraftwerke usw. Aber auch die Grünen brauchen Strom.

  • Illumination am 06.07.2017 20:32 Report Diesen Beitrag melden

    Zitronenfalter faltet auch Zitronen...

    "Die Worte les ich wohl - allein mir fehlt der Glaube"... Papier ist geduldig - mal abwarten, wie das Ganze so ab 2035 aussieht - niemand weiss das...Aber ein Signal an die Automobil-Industrie schadet sicher nichts... ;-)

  • Geni am 06.07.2017 20:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    F löst D als Wirtschaftsmotor ab

    Frankreich macht das ja auch klever. Die haben heute mit ihrer Strategie, an AKW's fest zu halten eine echte Chance die Co2 ziele zu erreichen. Zudem wird die Autoindustrie vermehrt nachziehen müssen. Da die franz. Hersteller die ersten sein werden, die sich von fossil abwenden, steigt der Anteil an Eigenmarken im Land, wass massiv Geld in die Staatskassen Spühlt, Arbeitsplätze schafft und zu letzt andere Länder und Produzenten nachziehen müssen. Frankreich ihre Stromüberproduktion dann teuer ins Ausland verkaufen können, wo zuwenig Stromkapazität vorhanden sein wird dank der Energiestrategie.