Wir sind auch Tier

07. Januar 2010 09:29; Akt: 07.01.2010 09:43 Print

Tierisches Virus in menschlicher DNATierisches Virus in menschlicher DNA

Das menschliche Erbgut enthält ein tierisches Virus, das sich dort vor über 40 Millionen Jahren festsetzte. Entdeckt haben dies japanische Forscher.

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Wie japanische Forscher in der Fachzeitschrift «Nature» berichten, handelt es sich um das Bornavirus, das erstmals in den 1970er-Jahren identifiziert wurde.

Die Forscher der Universität Osaka verglichen die DNA diverser Säugetiere, darunter Menschen, Affen, Elefanten, Beuteltiere und Nager, um Zeichen des Bornavirus aufzuspüren. Im menschlichen Genom wurde das Virus sowohl fragmentiert als auch in Form zweier Gene gefunden, deren Funktion allerdings unbekannt ist.

Das Bornavirus vermehrt sich laut den Forschern in den befallenen Zellkernen. Der Name des Erregers stammt von der deutschen Stadt Borna bei Leipzig, wo 1885 ein komplettes Regiment von Kavallerie- Pferden von einer mysteriösen Krankheit ausgelöscht wurde.

Bedeutung unklar

Mittlerweile wurde das Virus auch in Schafen, Lamas, Straussen, Katzen und Rindern nachgewiesen, unklar ist aber weiterhin, wie es sich verbreitet. Welche Bedeutung der Nachweis des Bornavirus in der menschlichen DNA hat, wird unter Wissenschaftlern kontrovers diskutiert.

Die grundlegenden Fragen sind, ob das Virus ausschlaggebende genetische Mutationen in der Menschheitsentwicklung ausgelöst hat, ob es für Erbkrankheiten oder womöglich einen Schutz vor Krankheiten sorgt. Es gibt zum Beispiel Spekulationen, wonach das Bornavirus mit Schizophrenie im Zusammenhang stehen könnte.

Im Erbgut von Menschen und anderer Lebewesen finden sich viele Sequenzen, die Viren bei einer Infektion früherer Generationen vor langer Zeit eingebaut haben. Bislang hatte man solche fossilen Spuren ehemaliger Virenattacken allerdings nur der Gruppe der Retroviren zugeschrieben.

(sda)