Übergreifende Allianz

29. April 2017 21:58; Akt: 29.04.2017 22:58 Print

Rassisten in den USA schliessen sich zusammen

von Benjamin Wünsch, AP - Radikale Gruppen neigen nicht zu Kompromissen. Im derzeit so aufgeheizten Klima in den USA scheinen viele ihrer Anhänger aber eine Chance zu wittern.

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Ob Ku-Klux-Klan, Neo-Nazis oder Weisse Nationalisten – die amerikanischen Organisationen am rechten politischen Rand sind traditionell heillos zerstritten. Ihre Anführer sind oft starrsinnige Persönlichkeiten, die einzelnen Mitglieder überwerfen sich manchmal schon wenige Tage nach einer Gründung. Die Szene war in den vergangenen Jahren daher zwar in ständiger Bewegung. Aber selten konnte sich eine wirklich ernst zu nehmende Kraft herausbilden.

Umso mehr mag es überraschen, dass eine übergreifende Allianz von Rassisten nun bereits ihren ersten «Geburtstag» feiern kann. Am Samstag vor einem Jahr wurde in einer Bar des Ku-Klux-Klans im US-Staat Georgia die sogenannte Nationalistische Front ins Leben gerufen. In einem weiteren Auswuchs ungewohnter Einigkeit verkündeten im März sechs Unterorganisationen des Klans aus verschiedenen Teilen des Landes einen Zusammenschluss.

Wahl von Trump habe Rassisten ermutigt

Das erklärte gemeinsame Ziel dieser Gruppen ist es, die «weisse Rasse» vor vermeintlicher Überfremdung zu schützen. Hintergrund sind auch offizielle Prognosen der Behörden, nach denen die Weissen in den USA aufgrund von demografischen Entwicklungen innerhalb der nächsten drei Jahrzehnte zu einer Minderheit werden könnten.

Aktivisten, die sich mit den Gefahren durch rechtsextremistische Tendenzen beschäftigen, geben sich dennoch gelassen. «Solche Dinge halten nicht lange», sagt Heidi Beirich, Leiterin eines Forschungsprojekts innerhalb der gemeinnützigen Organisation Southern Poverty Law Center. Die Nationalistische Front habe derzeit elf Mitgliedsgruppen – und damit schon nur noch halb so viele wie zum Zeitpunkt der Gründung.

Die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten habe viele Rassisten im Land zwar ermutigt. Gleichzeitig würden solche Gruppen aber schon seit Jahrzehnten versuchen, Bündnisse zu schmieden, um grösser zu erscheinen, als sie es eigentlich seien.

Videopräsentationen und Propagandastrategien

Nach Angaben der Rassisten selbst ist diesmal aber alles anders. Ein Sprecher der Nationalistischen Front, Matthew Heimbach, sagte, dass man nach dem Vorbild der rechtsextremen Gruppen in Europa nun an einem Strang ziehen wolle, statt nur über Ideologie oder organisatorische Strukturen zu streiten.

So hätten verschiedene Gruppen bereits gemeinsam etwa an Videopräsentationen und Propagandastrategien gearbeitet und einen Auftritt des Nationalisten Richard Spencer an der Auburn University in Alabama unterstützt.

Verzicht auf Hakenkreuz

Ursprünglich hiess das neue Bündnis Arische Nationale Allianz. Doch in der Hoffnung, eine breitere Anhängerschaft ansprechen zu können, wurde es in Nationalistische Front umbenannt. Aus demselben Grund wurde fortan auf die Nutzung des Hakenkreuzes verzichtet. Einige besonders extreme Mitglieder des Ku-Klux-Klans, die an der Gründung des Bündnisses beteiligt gewesen waren, stiegen später aus.

Bei einer Versammlung in einem ländlich geprägten Gebiet in Florida hoben sie im vergangenen Monat stattdessen die Amerikanische Allianz der Klane aus der Taufe. «Wir wollen, dass die Leute sich erheben und dieses Land wieder gross machen, so wie Trump es sagt. Wir haben es satt, mit anzusehen, wie weisse Menschen alles verlieren», sagt Tom Larson, ein führender Vertreter des Ku-Klux-Klans im Osten der USA.

Zwei Dutzend Personen beim Hitlergruss

Keine der Gruppen veröffentlicht Angaben zur Zahl ihrer Mitglieder. Das dürfte auch damit zu tun haben, dass die Zahlen sehr viel überschaubarer sind, als es die mediale Aufmerksamkeit bezüglich ihrer Aktivitäten manchmal vermuten lassen mag. Für ein Treffen der Nationalistischen Front am Samstag in der Kleinstadt Pikeville in Kentucky haben sich nach Angaben von Heimbach etwa hundert Personen registriert.

Fotos vom Gründungstreffen der Klan-Allianz zeigen nur etwa zwei Dutzend Personen in Roben und Uniformen beim Hitlergruss – wenngleich die Organisatoren des Treffens sagen, dass es sich dabei nur um die Anführer handle und nicht um sämtliche Mitglieder.

Vier schwarze Mädchen getötet

Beide Bündnisse sind zudem nur winzig klein im Vergleich zu der einstigen Gruppe Vereinigte Klane von Amerika. Die aus dem Südstaat Alabama stammende Organisation hatte in den 1960er-Jahren mehrere Tausend Mitglieder.

Einige davon waren unter anderem für ein Attentat auf eine Kirche verantwortlich, bei dem vier schwarze Mädchen getötet wurden. Nach einem Mord an einem Schwarzen 1987 und einem darauffolgenden Prozess musste die Gruppe aufgelöst werden.

Antisemitisches Onlineportal

Nach Angaben der Rechtsextremismus-Expertin Beirich geht die grösste Gefahr aber ohnehin nicht von diesen neuen Bündnissen der besonders extremistischen Kräfte aus, sondern eher von Websites wie «The Daily Stormer».

Das Onlineportal sei antisemitisch, frauenfeindlich und rassistisch und organisiere neuerdings auch als «Bücher-Clubs» bezeichnete örtliche Versammlungen. Eine einzige solche, auf Hass basierte Website könne Millionen erreichen, sagt Beirich.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Unwichtig unwichtiger am 30.04.2017 00:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sagen die

    die vor 100ten jahren einen kontinent massakiert haben, anschliessend geraubt und sich jetzt "amerikaner" nennen mit europäischen nachnamen.

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  • Nadinre am 29.04.2017 22:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht erstaunlich

    Ist eine Frage der Zeit bis hier genau das gleiche passieren wird

  • Broetli am 29.04.2017 23:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alle Jahre wieder

    Gab es unter Obama doch auch schon andauernd.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • oki-doki am 30.04.2017 14:43 Report Diesen Beitrag melden

    Kommt drauf an ...

    Ich habe mehrere Jahre in Oklahoma gelebt. Seltsamerweise hatte ich in der Zeit niemals irgendwelche Probleme als Ausländer, obwohl rund um mich herum am Sonntag die weissen Kapuzen gebügelt wurden. Als Schweizer ist man dort eher der "Exot" als der "Ausländer". Auch die nationalistischsten Amerikaner haben mich freundlich aufgenommen und von Anfran an intetriert. Es wird sehr stark unterschieden woher man kommt. Nicht dass ich das gut finden würde.. aber meine persönlichen Erfahrungen waren durchwegs positiv.

    • Näsli am 30.04.2017 17:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @oki-doki

      In Amerika sind die Rassisten meistens für eine weisse Rasse . Es geht dort nicht unbedingt um die Nationalität, sondern um die Hautfarbe .

    • Senior am 30.04.2017 17:14 Report Diesen Beitrag melden

      Trotzdem gefährliche Entwicklung

      Dass Sie keine Probleme hatten kann ich mir schon vorstellen, besonders wenn Sie weisse Haut haben. Auch wenn Sie sich als "Exot" empfanden und auch freundlich aufgenommen wurden, hat das Ganze eben doch gewisse rassistische Züge. Je "diskreter" sich Rassismus darstellt, je gefährlicher wird's. Auch in der Schweiz, und auch in Europa würde man gut daran tun wachsam und vor allem kritisch zu sein!

    • Yx am 30.04.2017 18:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Focus

      Hautfarbe hat nichts mit Nationalität zu tun!

    • Petit am 30.04.2017 19:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Senior

      Warten sie noch ein paar Jahren,, und mal schauen wie es bei uns abgeht ,, wenn die sozial Ausgabe in die Höhe schnellen,,

    • Peter P. am 30.04.2017 20:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Focus

      Wieso? Fühlst du dich nur wohl, wenn alle um dich herum weiss sind? :D Du weisst schon, nur weil jemand nicht die gleiche Hautfarbe hat wie du, ist er dir deswegen nicht gleich böse gesinnt ;) Aber man kennt es ja, Ignoranz ist nun mal der Nährboden für Rassismus und Intoleranz.

    • Nationless am 30.04.2017 23:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Näsli

      Ich bin zwar von der dunkleren weissen Hautfarbe und habe so dunkelbraune Augen und schwarze Haare. Als was würde ich denn bei diesen gelten? Nicht als Schwarzer aber auch nicht als Weisser. Sehr wahrscheinlich als undefinierbaren Zwischending wie Latino, Hispanic, Araber oder Hebräer also Jude. Also als unerwünschten Südländer.

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  • Ein Leser am 30.04.2017 12:58 Report Diesen Beitrag melden

    schwierig

    Es ist sehr schwer solche Gruppen zu führen. Vorallem muss man sehr sorgfältig vorgehen. Wenn man nur einen kleinen Fehler macht, hat man alle gegensich. Man muss auch darauf achten das man eine Einheit erhält.

  • Joyo am 30.04.2017 11:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht weiss

    Ist doch in ordnung. Solange die unter sich bleiben sich ans gesetzt halten und niemanden verletzten oder beleidigen sollen die tun was sie wollen ;).

  • Manu D. am 30.04.2017 11:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Politik

    Die verfehlte Politik ist für diesen rechten Filz mitverantwortlich. Jahrzehnte wurde zugeschaut. Was daraus entstand kann man heute lesen. Dabei geht es nicht nur um Amerika.

    • Benjamin am 30.04.2017 17:15 Report Diesen Beitrag melden

      Augen, & vor allem Ohren auf!

      Genau, jetzt hat Donald den Startschuss dazu noch gegeben!

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  • Willi Zbinden am 30.04.2017 11:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Donald von Sinnen!

    Ja klar die Amerikaner mit Trump an vorderster Front aber im negativen Sinne. Rechtsextreme ist eine Situation aber Trump übertrifft das bei weitem.