Zahlenchaos in Rom

25. Februar 2013 15:36; Akt: 25.02.2013 19:59 Print

Berlusconi im Senat vorn – es droht ein Patt

Während nach ersten Prognosen die Mitte-links-Koalition um Pier Luigi Bersani im Abgeordnetenhaus vorne liegt, dürfte das Rechtsbündnis im Senat gewinnen. Italien stehen womöglich Neuwahlen bevor.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Bei der Wahl in Italien zeichnet sich einer ersten Hochrechnung zufolge ein Patt zwischen linkem und rechtem Lager im Parlament ab. Der staatliche Fernsehsender Rai berichtete, dass nach Auszählung der ersten Stimmen das Rechtsbündnis von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi im Senat mit 31 Prozent in Führung lag.

Die Mitte-Links-Allianz von Pier Luigi Bersani kam demnach in der kleinen Kammer auf 29,5 Prozent. Die Populisten der Bewegung «Fünf Sterne» erreichen laut der Hochrechnung 25,1 Prozent.

Anders sieht es im Abgeordnetenhaus aus. Dort liegt das Mitte-links-Bündnis nach ersten Prognosen in Führung. Bersani uns seine Linke dürften mit etwa 35 bis 37 Prozent der Stimmen rechnen.

Kommt es zu Neuwahlen?

Dahinter folgt der Prognose des staatlichen Fernsehens Rai zufolge das Mitte-rechts-Bündnis Silvio Berlusconis mit 29 bis 31 Prozent. Die populistische Protestbewegung «Fünf Sterne» des Komikers Beppe Grillo erreicht demnach zwischen 19 und 21 Prozent. Der scheidende Regierungschef Mario Monti kann dagegen nur mit 8 bis 10 Prozent rechnen.

Italien könnten somit Neuwahlen bevorstehen: «Wenn sich die Hochrechnungen bewahrheiten, befürchte ich, dass das Wahlgesetz geändert wird und sofortige Neuwahlen anstehen», sagt Enrico Letta, Vizechef des sozialdemokratischen Partito Democratico gegenüber dem Fernsehsender Rai 3. Die nun veröffentlichen Zahlen würden ein «unregierbares Parlament» zur Folge haben.

In einer erste Reaktion teilte die Partei von Pier Luigi Bersani mit, dass das Wahlresultat ein klarer Regierungsauftrag und «die Ära der Rechten zu Ende» sei. Ähnlich sieht das der Markt: Die Börse in Mailand legt laut «Corriere della sera» um 3,8 Prozent zu. Die Aktie von Mediaset - das Medienimperium, das Silvio Berlusconi aufgebaut hat, wurde offenbar noch mehr beflügelt: Laut Sky legte der Titel seit Bekanntgabe der Hochrechnungen um bis zu 10 Prozent zu.

Der Cavalliere hat sich bisher nicht über die ersten Prognosen geäussert. Sein Leibarzt, Alberto Zangrillo, liess gegen Radio2 verlauten, der Ex-Premierminister sei «in guter Stimmung». Unabhängig vom Ausgang der Wahlen «habe er getan, was er tun
musste und konnte«. Ohne ihn sei ein solches Resultat undenkbar gewesen.

Wahlbeteiligung in Italien bei gut 75 Prozent

Rund drei Viertel der wahlberechtigten Italiener haben bei den Parlamentswahlen am Sonntag und Montag ihre Stimme abgegeben. Die Beteiligung bei der Wahl des Abgeordnetenhauses lag nach Schliessung der Wahllokale bei 75,2 Prozent, wie das Innenministerium in Rom mitteilte.

Bei den Wahlen vor fünf Jahren hatten 81,0 Prozent ihre Stimme abgegeben. An der Wahl des Senats - der zweiten Parlamentskammer - beteiligten sich 75,1 Prozent der Wahlberechtigten. 2008 waren es 80,9 Prozent. Rund 50 Millionen Italiener waren aufgerufen, ein neues Parlament zu bestimmen.

(bee/kri/fum/gux)